Nochmal was zum Regenwald und zum Wachstum und zu doppelten Standards.

27.08.2019 21:39

Am Beispiel der Regenwaldbrände in Südamerika kann man wieder sehr schön all die seelisch krankmachenden Aspekte unseres modernen Lebens studieren.

1. Die Naturzerstörung

Ohne Zweifel haben wir in uns einen Sinn für richtig und falsch und wenn man in einer Welt lebt wo man permanent mit dem Falschen konfrontiert wird, dann muss man sich fragen, ob Depressionen nicht deswegen so stark zunehmen. Heute scrollt man bei Facebook oder bei irgendwelchen News nur noch durch etwas, was man als Schlamm bezeichnen könnte.

Und nun brennt da der Regenwald und empfindsame Seelen leiden. Zu Recht.

Nun hat man ja recht schnell einen Schuldigen gefunden. Den brasilianischen Präsidenten. Sicherlich auf den ersten Blick ein Tiefpunkt, dazu auch noch ein Rechtspopulist. Also die rechte Hand des Teufels.

Was man wieder nicht sagt, und das sind eben wieder die doppelten Standards, ist, dass in Bolivien auch massiv Regenwald niedergebrannt wird. Dort ist aber der Indio und Sozialist Morales Präsident. Und der sagt folgendes:

2. Wachstum!

www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Schlimmster-Urwald-Abfackler-ist-Morales-article21231783.html

Doch wer genauer hinschaut, der sieht, dass Brasilien keineswegs alleine fackelt. Wild wüten Großfeuer auch in Peru und Paraguay, am wildesten aber in Bolivien.

Das hat einen Grund. Denn Bolivien hat am 9. Juli ein Dekret in Kraft gesetzt, das die massenhafte Brandrodungen im Urwald nicht bloß erlaubt, sondern systematisch fördert. Boliviens Präsident Evo Morales hat auf einer Pressekonferenz die Brandoffensive in geradezu heroischer Geste angekündigt und sich von Bauern bejubeln lassen. Es sei ein Recht des bolivianischen Volkes, die Erde für alle zu nutzen, den Urwald "zu lichten". Darum autorisiere er mit Stolz die "quema controlada" - die kontrollierte Brandrodung. Bolivien werde damit "wirtschaftlich wachsen, vor allem in der Landwirtschaft".

Schauen wir uns mal die Bevölkerungsentwicklung Boliviens an:

 

Bolivia-demography.png
CC BY 2.0, Link

 

Auch hier: mehr Bevölkerung bedeutet mehr Ressourcenbedarf, mehr Verlangen, aus der Armut rauszukommen und deswegen auch der Druck auf die Politik, irgendwie Wachstum zu generieren. Und hier eben wieder über die Landwirtschaft. Industrie und Gewerbe ist da eher nicht so stark vertreten.

Die wollen Geld verdienen und wollen auch gut leben. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung immer weiter. Das Ergebnis sind dann eben immer auch Naturzerstörung und Ausbeutung.

Seit dem Dekret sind hunderte von großflächigen Bränden entfacht worden, um aus dem Urwald nutzbare Flächen für die Landwirtschaft zu schaffen. Eine gewaltige Feuerwalze fräst sich in Ostbolivien durchs Land und entsetzt die dortige Bevölkerung. Lokalpolitiker der Opposition warnen vergeblich, die Zeitung "El Deber" schlägt Alarm und meldet, in den vergangenen Tagen seien mindestens 500.000 Hektar Wald vernichtet worden. Hilferufe kommen aus dem ostbolivianischen Puerto Suarez ebenso wie aus Chiquitania. Doch wer immer Kritik übt, wird vom sozialistischen Regime in Bolivien attackiert.

Vollkommen wurscht, wer da regiert, und ob der sich Rechtspopulist oder Sozialist nennt. Vollkommen gleich, weil alle unter dem Zwang stehen, Wachstum zu generieren. Ist in Deutschland ganz genauso. In vielen Bundesländern saßen die Linken schon mit in der Regierung. In Thüringen sind sie sogar stärkste Kraft. Und? Genau. Nichts. Auch Ramelow muss sich den Zwängen des Markes beugen und muss Arbeitsplätze schaffen, um wiedergewählt zu werden.

Und in Thüringen haben sie Bevölkerungsschwund. Man stelle sich vor, unter welchem Druck die in Ländern stehen, die enorme Bevölkerungszuwächse haben und dadurch die Armut nie und nimmer in den Griff bekommen. Da hilft nur die Flucht nach vorne. Also irgendwie Einkommen für die Leute generieren.

Also muss Natur weichen.

Man kann in der Natur kein unendliches Wachstum generieren. Man kann als Jäger und Sammler die maximale ökologische Grenze ausnutzen, aber dann ist Feierabend. Wachstum geht da nur in sehr engen Rahmen. Deswegen waren die Neanderthaler auch nie mehr als 20.000 Individuen verteilt von Spanien bis Sibirien. Und auch andere Jäger und Sammlervölker sind eher klein in der Zahl.

Um Wachstum zu generieren, muss man die Natur immer weiter nutzbar machen.

Und den Menschen immer mehr ausbeuten. Was wieder zu Burn out und Depressionen führt.

Natur- und Seelenzerstörung quasi.

Kommen wir zum dritten Punkt:

3. Doppelte Standards.

Ich habe neulich auf Youtube nach "Brände Brasilien" gegoogelt und als erstes kam ein Video eines deutschen Youtubers, der irgendwie zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehört. Hat der auf den Bolsonaro geschimpft. Weil eben Rechtspopulist und natürlich deswegen verantwortlich und schuldig an den Bränden. Viele Kommentare waren dann auch entsprechend.

Aber über Bolivien gabs kein Wort. Warum nicht? Doppelte Standards! Der weiße Mann spricht mit gespaltener Zunge.

Die Katastrophe in Bolivien geht in der internationalen Berichterstattung weitgehend unter. Der Medienfokus liegt fast nur auf Brasilien, denn der dortige Präsident Jair Bolsonaro ist kein Sozialist, sondern Rechtspopulist. Damit zieht er die Kritik der linksliberalen Weltpresse alleine auf sich.

Der Danisch schreibt ja immer: Es sind nicht die Standards, die mich ankotzen, es sind die doppelten Standards.

Und genau die sieht man hier wieder. Und das hat man eben überall mittlerweile. Merkel super - Putin böse. Clinton prima - Trump Katastrophe. Es lässt sich fortführen über AfD, LePen, Salvini, Orban.

Maaz nannte es Lückenpresse und frug, wieso man nie etwas Positives über diese Leute liest und hört?

Die Medien sind heute keine neutralen, um Ausgewogenheit bemühten Medien mehr, sondern sind politische Aktivisten geworden. Vor einem Jahr war ja das Ding in Chemnitz und im Zuge dessen hat man sich ja vollends vom seriösen Journalismus verabschiedet und hat die Metamorphose hin zum politischen Aktivismus vollzogen. Zur Parteinahme.

Woher man das kennt?

Aus der DDR. Da waren die Medien haargenau so gestrickt. Teil des sozialistischen Systems. 

Da sind wir wieder.

Das Dekret Nummer 3973 gilt Morales als sozialistische Errungenschaft, ermöglicht es doch die Rodung weiter Waldflächen in den Departamentos Beni und Santa Cruz zum angeblichen Nutzen der armen bäuerlichen Landbevölkerung. Damit soll Platz geschaffen werden für die Viehzucht. Morales sieht die Brandrodungen als einen klassenkämpferischen Akt an, um gleiches Recht für alle zu schaffen. Dadurch hat das bolivianische Amazonas-Gebiet nach Angaben des Amazonas-Netzwerks RAISG im Zeitraum von 2005 bis 2018 bereits mehrere Millionen Hektar Waldfläche verloren.

Wie oben beschrieben. Nur eben sozialistisch verbrämt. Der MUSS Wachstum generieren, sonst ist der weg vom Fenster. Und der Bolsonaro muss das auch. Also wird da massiv der Regenwald zerstört, egal ob da ein Sozialist sitzt, oder ein Rechtspopulist. Beide bewegen sich im System der Wachstumswirtschaft. Im System von Krediten, Bevölkerungswachstum, Steben nach Reichtum. Und wer kann es den Menschen verdenken? Ich habe gesehen, wie die Leute in Costa Rica und Nicaragua zum Teil leben. Na danke.

Noch ein Gedanke ist mir gekommen. Nochmal zum Thema Vegan und dann die Welt retten.

Es rufen jetzt viele zum Vegansein auf. Aber wer wird das hören? Na eh die Gebildeten, die Bewussten, die, die was ändern wollen. Die entziehen dem Markt dann das Geld und meinen, jetzt retten sie den Regenwald. Nur: das sind doch eh schon zumeist die, die Biofleisch kaufen! Kevin und Chantal kaufen kein Bio, die sind auch nicht vegan. Die gehen weiter zu Mekki und in andere Fastfoodläden.

Man macht hier also die Sache noch schlimmer, weil man denen, die HIER die ganzen artenreichen Grünlandbiotope erhalten und dazu auch Menschen brauchen, die das Fleisch von auf diesen Flächen gehaltene Tiere essen, das Geld entzieht.

Mein ehemaliger Botanikerkollege hat das immer gesagt und in seiner nüchternen und lappidaren Art gemeint, er halte von vegan nichts, die Leute sollten lieber mehr Biofleisch von Naturschutzflächen essen und Heumilch trinken, weil man so die Natur hier erhält.

Doch Morales opfert den Regenwald in Wahrheit gezielt für seine geplante Wiederwahl im Oktober. Bolivien steckt mitten im Präsidentschaftswahlkampf und auch dabei schreckt der Sozialist vor drastischen Maßnahmen nicht zurück.

Egal ob Linker oder Rechter. Alle gleich am Ende. Sieht man nirgends so schön wie in Südamerika. Egal, wer da an der Regierung ist, der Regenwald brennt überall. Weil man eben die anwachsende Bevölkerung irgendwie in "Lohn und Brot" bringen muss und die ganzen Kredite zurückzahlen muss.

Die Frage ist nur, wie sehr der kleine Mann am Ende bluten muss und ausgebeutet wird. Die Linken machen es etwas schonender, die Rechten brutaler.

Der Regenwald fällt bei beiden.

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