Platzt da gerade die nächste Illusion?

16.11.2019 18:42

Den Tag lief hier im Radio die Meldung, dass Enercon in Magdeburg über 1.000 Stellen streichen wird. Enercon ist einer der größten Windkraftanlagenbauer Deutschlands. Und die hat man auch mit viel Fördergelder in Magdeburg angesiedelt. Jetzt herrscht aber eine massive Flaute und die entlassen nun massenhaft Leute.

Alleine in Magdeburg wohl 1.500 (www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/entlassungen-bei-windkraft-hersteller-enercon-100.html).

Ein Freund von mir arbeitet bei einem Zulieferer und die gehen nun mal in Kurzarbeit.

Was ist passiert?

Das Windkraft-Unternehmen hat den geplanten Stellenabbau mit dem drastischen Einbruch des Windenergiemarktes begründet.

www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/entlassungen-bei-windkraft-hersteller-enercon-100.html

Wieviele von den Anlagen wollten sie denn noch ins Land stellen? Hier ist doch nun wirklich ALLES schon vollgepflanstert mit diesen Dingern und ein ganzes Bundesland wurde in einen Industriepark umgewandelt, der massenhaft Windenergie produziert. Für mehr Windräder ist doch gar kein Platz mehr.

Enercon ist in der Misere nicht allein. Erst im April hatte Konkurrent Senvion Insolvenz angemeldet. Bei Nordex brach der Gewinn im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte ein. Als Hauptgründe für die Branchenkrise gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen von Bürgerinitiativen.

www.welt.de/wirtschaft/article203263304/Enercon-kuendigt-massiven-Stellenabbau-an-und-kritisiert-die-Bundesregierung.html

Na ja, also es gab mal einen schönen Bericht im TV aus Brandenburg. Da haben sie Dorfbewohner interviewt. Die fanden die Windkraftanlagen erstmal nicht verkehrt, aber wollten eben keine weiteren haben. Und so würde es mir hier auch gehen. Wir haben ja direkt interm Haus einen Windpark. Zweimal im Jahr gibts da auch den Schattenschlag bei tiefstehender Sonne. Und noch mehr WKAs will hier auch keiner. Die sind auch laut! Bei ausreichend Wind dröhnen die wie Flugzeuge und eines quietscht ganz fürchterlich.

Und wenn ich mich hier umschaue, dann ist ganz Sachsen-Anhalt vollgeplastert mit den Dingern.

Kein Wunder, dass sich die Anwohner jetzt zunehmend wehren. Auch hat man ja die guten Gebiete längst bebaut und irgendwo müssen ja auch mal die Vögel noch etwas Platz haben.

Allerdings sind auch die Unternehmen selbst für den Niedergang verantwortlich. Wer sich vor allem auf den Inlandsmarkt konzentriert und wenig Offshore-Anlagen im Angebot hat, bekommt Probleme.

www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/entlassungen-bei-windkraft-hersteller-enercon-100.html

Na ja, das ist es eben: dauerhaftes Wachstum in einer endlichen Welt geht eben nicht. Was erwarten die? Irgendwann ist eben mal Schluss mit dem Ausbau.

Es ist doch nun alles vollgestellt in Deutschland.

Damit hätte man ja rechnen können, dass der Markt irgendwann einbricht und sich international ausrichten können, bevor man da Werke schließt und top eingearbeitete Leute entlässt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte nach einem „Windkraftgipfel“ Anfang September zwar ein Maßnahmenprogramm angekündigt, um den Ausbau zu beschleunigen – konkrete Ergebnisse gibt es bisher aber nicht. Um die Akzeptanz für die Windräder zu erhöhen, hat sich die schwarz-rote Koalition in Berlin in ihrem Klimaschutzprogramm zudem auf verschärfte Vorgaben verständigt: Bis zu einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngegenden sollen künftig keine neuen Windkraftanlagen errichtet werden. Die Windbranche sieht in dieser Abstandsregelung die Gefahr, dass der Ausbau weiter abgewürgt wird.

www.welt.de/wirtschaft/article203263304/Enercon-kuendigt-massiven-Stellenabbau-an-und-kritisiert-die-Bundesregierung.html

Also 1.000 Meter ist bei diesen großen Anlagen noch zu nah. Wie gesagt, wir haben hier Lärm, Schattenschlag im Winter und zunehmende Trockenheit.

Man sieht aber auch den Wahnsinn dieser Gesellschaft. Statt dann frühzeitig neue Absatzmärkte zu suchen, wird jetzt entlassen, gejammert, sich beschwert und Schuld haben immer die anderen.

Wollen die die Dinger jetzt noch näher an die Ortschaften ransetzen? Irgendwann dann in die Orte?

Schon mal unter einem Windrad gestanden und sich den Lärm angehört? Was haben wir als Anwohner denn von diesen Dingern? Es ist laut, Schattenschlag, Infraschall, Gequietsche wie in einem alten Western und überhöhte Strompreise. Alles für den klimapolitischen Endsieg.

Und die sollen doch zufrieden sein: bisher haben die Menschen das ja alles akzeptiert, mitgemacht und es ertragen.

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, machte die Energiepolitik der Bundesregierung auch für den Stellenabbau bei Enercon verantwortlich. „Während weltweit die Windenergie boomt, bricht in Deutschland die Industrie zusammen“, sagte Krischer. „Die Bundesregierung treibt nach der Fotovoltaik gerade eine weitere Zukunftsbranche aus dem Land.“

www.welt.de/wirtschaft/article203263304/Enercon-kuendigt-massiven-Stellenabbau-an-und-kritisiert-die-Bundesregierung.html

Das ist dann auch wieder das Abgleiten ins Geschätz. Wie kann eine Firma pleite gehen, wenn international der Markt boomt? Die müssen das doch vollkommen verschlafen haben! Und die Solarbranche, Solarvalley war ja hier nicht weit weg, wurde einfach von preiswerteren Produkten aus China wegkonkurriert. Die Chinesen waren einfach saubillig und damit hatte sich das hier erledigt.

Wenn der internationale Markt boomt, man hier aber nur aufs Inland schielt, weil es einem bisher zu gut ging, irgendwann aber der Markt mal gesättigt ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Aufträge wegbrechen.

Jetzt ist natürlich das Geschrei groß!

Die restriktiven Maßnahmen der vergangenen Jahre hätten die Branche in eine Notsituation geraten lassen. Als Beispiele nannte Albers die Umstellung der Fördermechanismen 2017 oder Hemmnisse in den Baugenehmigungsprozessen.

www.mdr.de/sachsen-anhalt/magdeburg/entlassungen-bei-windkraft-hersteller-enercon-100.html

Macht euch das klar: der jammert, weil die Fördermaßnahmen wegfallen, sprich der Steuerzahler da weniger für bezahlt, dass die Windräder nicht noch näher an die Siedlungen rücken dürfen, dass der Naturschutz mittlerweile zu stark meckert und dass die Leute einfach sagen: Stopp, das wollen wir nicht.

Man sieht hier auch wieder diese Gier und diesen Druck nach Wachstum. Es darf nicht aufhören. Egal, ob wir da nun noch die Windräder in die Siedlungen stellen, der letzte Milan geschreddert wird, im Grunde nur Flatterstrom produziert wird und man bis heute nicht weiß, wie man die Energiespitzen abfängt (manchmal weht ja sehr kräftiger Wind und es wird quasi auf Halde produziert), wie man den Strom vom Norden in den energiehungrigen Süden bekommt oder wie man den überschüssigen Strom, die Natur ist ja nunmal wechselhaft, quasi für schlechte Zeiten speichert.

Analitik hat das wunderbar auf den Punkt gebracht:

analitik.de/2018/11/16/zur-liberalen-selbstkastration-der-politik/

Ja, die westliche neoliberale Politik mit ihrem religiösem Glauben an die totale Effizienz der freien Wirtschaft, gestaltet keine Wirtschaftsprojekte, sondern lässt einfach Geld über diejenigen Industriezweife regnen, die als wichtig erachtet werden. Der neoliberale Glaube besagt, dass die geile freie Wirtschaft dann alles magisch von selbst regelt und tolle Ergebnisse liefert. Aber das einzige, was die Wirtschaft mit verlässlicher Effizienz liefert, ist das Verschlingen der ausgeschütteten Kohle. Jeder Konzern, jedes Unternehmen, jede Uni und jeder Professor bewerben sich mit ihren Ideen, bekommen dafür Geld und kochen ihr Süppchen. Alle sind glücklich, aber den großen Durchbruch gibt es dabei nicht, wenn die Probleme, die gelöst werden sollen, viel größer sind als die Probleme, die ein Professor, eine Uni, ein Unternehmen oder ein Konzern alleine stemmen kann. Bei Vorhaben solcher Größenordnung muss jemand die Führung und die Koordination übernehmen. Das kann nur der Staat sein, aber der neoliberale Staat verweigert sich.

Das war schon mit der Energiewende so, weshalb sie in der Sackgasse angekommen ist. Während man überall Solaranlagen und Windkrafträder hingeklatscht hat, kümmerte sich niemand darum, das Problem der Energiespeicherung und des Netzausbaus zu lösen. Was nützt es, wenn bei viel Sonnenschein und günstigem Wind der gesamte tägliche Energiebedarf Deutschlands mit Wind- und Solarstrom gedeckt werden kann? Am nächsten Tag ist es bedeckt und windstill – aber 100% der Wirtschaft und der Bevölkerung erwarten Strom aus der Steckdose in dem Ausmaß, in dem sie es lustig haben. Das bedeutet, dass die konventionellen Stromerzeuger, die unabhängig von der Witterung arbeiten, in einem Umfang erhalten werden müssen, um den Großteil der täglichen Energieerzeugung zu decken. Das sind keine überraschenden Erkenntnisse, die uns erst jetzt offenbar werden. Jeder vernünftige Ingenieur konnte das vor dem Bau des ersten Windrades vorrechnen. Aus der Erkenntnis bevorstehender Probleme ergibt sich die Notwendigkeit eines Plans, der die Problemlösung beinhaltet, und dann die Notwendigkeit der Durchsetzung des Plans. Außer dem Staat hat niemand die Befugnis, die Kompetenz oder auch nur den Willen dazu. Der Unternehmer, der Solarzellen baut, interessiert sich nicht dafür, wie die Netzbetreiber mit Versorgungsengpässen oder Überversorgung klar kommen. Das ist nicht sein Bier. Der Professor, der an der Effzienzsteigerung der Solarzellen arbeitet, kann nicht auch an der Speicherung der Energie und dem Ausbau der Netze und all den anderen Themen arbeiten. Der Staat hätte die notwendigen Arbeiten bestimmen, verteilen und über die Durchführung wachen sollen – im Gegenzug hätte er Geld an diejenigen verteilt, die sich an der Arbeit beteiligen. Stattdessen hat der Staat den Wunsch nach einer Energiewende ausgesprochen und Geld regnen lassen. Jeder tat, wozu er Lust hatte oder was die meisten Gewinne abwarf. Das, was zusätzlich getan werden musste, aber schwieriger oder nicht gewinnbringend erschien, wurde einfach nicht getan. Und so hat Deutschland eine medial gefeierte Energiewende, die sich darin erschöpft, parallele Strukturen der Energieerzeugung zu pflegen (was der Verbraucher bezahlt) und seine Nachbarstaaten mit dem Auffangen der Schwankungen in der Energieproduktion zu belasten.

Das wird mit dem neuen Digitalisierungs-Durchbruch auch so sein. So funktioniert der neoliberale Staat nun mal. Sich dem Dienst an der Bevölkerung und den großen Aufgaben verweigern und einfach das Geld an die Wirtschaft ausschütten. Deswegen verliert der Westen auch gegen China und Russland. Ob in der Armee, in einem Staat oder in einem Unternehmen – wenn die Führung sich der Führungsaufgabe verweigert, kann der Erfolg allenfalls ein Zufallsprodukt sein; aber bei hochkomplexen Problemstellungen gibt es keine erfolgreichen Zufallsprodukte, geht nichts ohne sorgfältige Planung und disziplinierte Durchführung.

Hat der gute Mann vor genau einem Jahr veröffentlicht. Sackgasse. Genau das.

Und jetzt sehen wir, wie sie rudern und wie sie das Wachstum beschützen! Gerade gefunden:

Weil machte deutlich, dass sich Niedersachsen der vom Bund geplanten 1000-Meter-Abstands-Regel von Windkraftanlagen zur nächsten Wohnbebauung nicht anschließen werde. Das Land arbeite derzeit an einer Sonderregelung. Würde Niedersachsen der 1000-Meter-Abstandsregel folgen, würde sich das Flächenpotenzial für Windkraft in Niedersachsen laut Weil um 80 Prozent reduzieren. „So geht es nicht“, machte Weil deutlich, „das wäre das Ende des Klimaschutzes in Deutschland“, betonte der Regierungschef und fügte hinzu: „Kein Elektroauto macht Sinn, wenn es mit Kohlestrom befeuert wird.“

www.emderzeitung.de/ostfriesland/aurich_artikel,-ministerpr%C3%A4sident-ersch%C3%BCttert-%C3%BCber-zust%C3%A4nde-bei-enercon-_arid,2042712.html

Irgendwie habe ich das starke Gefühl, dass das ganze Klimagedöns nur ein Vorwand ist. Darunter stand der Plan, neues Wachstum zu generieren. Diesmal mit Windkraft und E-Autos. Und man sieht eben, wie unausgegoren das alles ist. Die Windkraft kommt hier in Deutschland einfach an ihre Grenzen. Nochmal: hier stehen die WKAs ca. 1km weg und die sind LAUT. Und E-Autos? Funktioniert auch nicht wirklich.

Das ist eine Sackgasse und die merken es nicht. Und ausbaden muss es jetzt der Anwohner, der dann nachst im Bett liegt und bei gutem Wind nun WUMM-WUMM-WUMM-WUMM-WUMM-WUMM hört.

„Wir brauchen die Windenergie mehr denn je“, bekräftigte Energieminister Lies und mahnte in Richtung Berlin: „Wir müssen die Rahmenbedingungen so setzen, dass wir die Windenergie wieder in Schwung bringen.“ Allerdings erlebe er auf Bundesebene gerade eine ganz andere Diskussion. „Die Branche, die die größte Zukunft überhaupt hat, wird gerade vor die Wand gefahren“, sagte Lies.

Da lauert im Hintergrund ja auch die AfD, die nicht müde wird, die bisherige Klimapolitik entsprechend zu kritisieren und da ja auch gute Argumente hat. Stichwort Verklappung von Strom ins Ausland, Zukauf aus dem Ausland bei Flaute, Flatterstrom usw usw.

Und wenn die jetzt so richtig nah an die Dörfer und Städte ranrücken (was ich für eine bodenlose Unverschämtheit halte und als absolute Zumutung empfinde), dann wird auch in Niedersachsen so mancher Wähler aus Frust sein Kreuz "an der falschen Stelle" machen.

Zwei Sachen noch dazu:

Und: www.youtube.com/watch?v=hDxO4ZIjz0c

Es ist ja auch der helle Wahnsinn. Statt die Windräder dahinzu bauen, wo sie nicht stören, werden sie mitten in das dichtbesiedelste Land Europas gesetzt. Ganz Sibirien, Spanien, die Nordsee, die Sahara.. es gibt so viele Gebiete, die quasi menschenleer sind. Nee.. genau vor die Haustüren setzt man das.

Vielleicht hat ja mein Kumpel hier im Ort Recht, der mal sagte, dass es alles psychologische Kriegsführung. Mit Lärm macht man die Menschen verrückt und krank.

Wenn man mal alles zusammenfässt, muss man Folgendes feststellen: Niemand soll mehr in Frieden leben dürfen. Niemand soll mehr zur Ruhe kommen, zur Besinnung, zur Selbsterkenntnis, in die Stille. Sich seiner selbst bewusst werden und erkennen, dass er selber ein schöpferischer Geist ist und jederzeit ALLES ändern kann.

Das will man wahrscheinlich verhindern.

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