Rohköstler? Alles Nazis!

15.02.2016 21:44

Leute, es wird immer verrückter. Heute hat jemand auf Facebook dieses Artikel (schon aus dem Jahr 2013, aber immerhin) aus der FAZ verlinkt:

www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/ernaehrung-im-nationalsozialismus-heil-kraeuter-12561165-p5.html

Ich darf zitieren:

Auf der Plantage war Himmler gern zu Besuch und sah nach dem Rechten. Dort fragte er bei seinen Brüdern von der SS, ob alles in Ordnung sei im biologisch-dynamischen Kräutergarten. Alles war stets in allerbester Ordnung: Man sah Gladiolen, Thymian und Pfefferkraut in langen Reihen der Sonne entgegen sprießen. Der biologisch-dynamische Kräutergarten stand am Rande des Konzentrationslagers Dachau. Die vielen hundert Häftlinge, die jeden Morgen als Arbeitssklaven hergetrieben wurden, fuhren erst mit Schubkarren Säcke voller Bio-Heilkräuter über das Gelände - und später die ausgemergelten Leichen der Häftlinge, die den Tag nicht überlebten.

Wer hat nach solchen Zeilen eigentlich noch Lust, ein Kräuterbeet anzulegen?

Der Versuch einer gesunden Lebensweise ist also schon Nazi-verdächtig, denn offensichtlich waren auch die Nazis große Befürworter dieser Lebensweise.

Aber es geht noch weiter...

Es sollte regional, ökologisch, saisonal, wenig verarbeitet, vitaminreich und fleischarm sein, von bäuerlichen Höfen erzeugt, frei von Pestiziden, wie man es sich eben so wünscht.

Wer jetzt also genau sowas heute noch forderd und fördert, sollte sich bewusst machen, dass er damit eigentlich der geistige Enkel der Nazis ist. Na wer hätte das gedacht?

Esoterisch inspirierte Ernährungsdogmen sind in der NS-Elite verbreitet und einflussreich. Himmler, Rudolf Heß und August Heißmeyer gehören neben Darré zu diesem Zirkel und denken sich neben dem Dachauer Heilkräutergarten manches andere Projekt aus. Alte Tierrassen werden kultiviert wie Wisente und Auerochsen. Reichsmarschall Göring, der sich auch Verdienste um das Tierwohl erwirbt, lobt die „Blutauffrischung“.

Ich hatte ja auch vor, alte Haustierrassen zu halten. Das lass ich mal lieber, sonst komme ich noch in den Verdacht, Nazi zu sein, oder zumindet dem Ideal der damaligen NS-Elite nahe zu kommen...

Die Speisen sollen rein und natürlich werden. Eine Reicharbeitsgemeinschaft für Volksernährung wirbt ab 1933 für „naturgemäße Ernährung“ und meint insbesondere das Brot. „Nationalsozialistische Forderungen an das Brot“ heißt eine ihrer unzähligen Schriften: Die Nahrung müsse so sein, „wie die Natur sie in ihrer Zusammensetzung bringt“, ohne künstliche Konservierungsstoffe und Aromen. Der Staat sei verantwortlich, „dass es dem ganzen Volk gut geht“. Es gibt ein Plakat, auf dem ein diabolisch gezeichneter Jude (er guckt über eine Wolke, auf der steht „Tabak-Kapital“) vom Himmel herab Blumen, Boden und Volksgesundheit mit Zigarren torpediert. Die Nazis lehnen offiziell Genussmittel ab.

Wer also heute diese Ideen wieder aufgreift.. tja, der bewegt sich im geistigen Fahrwasser der Nationalsozialisten. Da sind wir zum Glück weiter. Heute sind wir ja davon weit entfernt... und genau deswegen ist "das Volk" bei blühender Gesundheit.. oh verdammt.. das war schon wieder etwas rechts...also besser: die Individuen, die sich in Deutschland individuell ernähren.

Aber was wäre eigentlich, wenn der Staat diese Verantwortung ernst nehmen würde, dass es dem Volk gut geht? Gäbe es dann diese ganzen Zuckernahrungsmittel? Diese Massentierhaltung? Die Zulassung hochgiftiger- und bienentötender Pestizide?

Das gibt es ja nur, weil der Staat als Gesetzgeber in erster Linie für die Konzerne verantwortlich zu sein scheint. 

Die Verantwortung für die Gesundheit hat man ja dem Einzelnen aufgehalst, der damit ja vollkommen überfordert ist. Dabei wäre es Aufgabe des Gesetzgebers, seine Bevölkerung vor Gesundheitsbeeinträchtigungen zu schützten. Da kann man einfach auf Bonbons, Schokolade, Alkohol und Tabak die Steuern so erhöhen, dass es wirklich nur noch selten konsumiert werden kann. Man kann das ja steuern! Macht man aber nicht. Selbst Massentierhaltung könnte man ja mal so auspreisen, dass die wirklichen Kosten ersichtlich sind. Also plus Kosten Abwasserreinigung, Grundwasserverschmutzung, Gesundheitskosten etc.

Statt dessen ist eine Tüte Bonbons billiger wie ein Bioapfel. 

Aber es geht noch weiter:

Auch der Ernährungsratgeber hat Konjunktur. Der Reichsnährstand gibt etwa eine Reihe „Lustiger Fibeln“ heraus. Es gibt „lustige“ Gemüsefibeln und solche über Hanf und Fisch. Die Regierung initiiert Kampagnen für Rohkost (“Koche so kurz wie möglich“) oder gegen Lebensmittelverschwendung (“Kampf dem Verderb“), wie auch Vitamin-C-Aktionen an Schulen. Der Reichernährungsführer propagiert deutsches Essen und ordnet an, auch Gastwirte sollten ihre Gäste dahin gehend „erziehen“. Landwirte bauen wieder mehr Futterpflanzen wie Erbsen an, um vom Sojaimport unabhängig zu werden.

Wer also auch Rohkost ißt, muss sich bewusst werden, dass er damit ganz auf Linie der Nazis ist. Und wer sich von Sojaimporten unabhängig machen will, was wir wir ja Gott sei dank nicht sind, auch der muss wissen, dass er damit im Fahrwasser der Nazis ist. Wenn demnächst mal ein Greenpeace-Mensch sowas anprangert: an ihm hätte Göring seine helle Freude!!! lol

Werner Kollath zum Beispiel avanciert zum braunen Ernährungspapst. Und seine Lehren von der Vollwertkost werden bis lange nach dem Krieg von der DGE verbreitet. Zu NS-Zeit außergewöhnlich regimenah (etwa bekennender Freund von Zwangssterilisierungen als „edle Form der Humanität“), schrieb er nach 1945 akribisch Diätpläne und populäre Ratgeber, die etwa von der „Lebensgemeinschaft“ von Volk und Getreide handeln. Von der Ausschaltung „Minderwertiger“ schweigt er nun, schreibt aber weiter von hochwertiger Vollwertkost. Nach dem Krieg streicht Kollath aus seinen Lehrbüchern das Wort Rassenhygiene - und den Namen Goebbels habe er einfach durch Goethe ersetzt, schreibt der Historiker Jörg Melzer. Bis heute fördert die Kollath-Stiftung die Erforschung von Vollwertkost, Ökolandbau und Ganzheitsmedizin.

Noch Fragen? Jeder Bioladen ist demnach ein Überbleibsel aus der NS-Zeit, jeder Fan der Vollwertkost das geistige Kind eines braunen Ernährungspapstes, und Ökolandbau und Ganzheitsmedizin? Geht garnicht. Schließlich forscht da die Kollathstiftung, die quasi den Namen eines Nazis trägt.

Wenige schlechte Taten sind hingegen von Bernhard Grzimek bekannt, der aus Fernsehsendungen mit Affen beliebte Naturschützer. Auch er arbeitete für den Nährstand und ab 1937 im Agrarministerium. Dort befasste er sich, soweit bekannt, mit Tierpsychologie. Später gründete er die Umweltorganisationen WWF und BUND mit. Er setzte sich gegen Massentierhaltung ein und etablierte den Begriff „KZ-Hühner“, den frühere Häftlinge nicht als klugen Vergleich empfanden.

Aber einige anscheinend schon... also auch Du Bernard!!!

Aber jetzt gehts erst richtig los:

Auch der politische Weg von Werner Schwarz, ab 1961 Bundesagrarminister für die CDU, begann im Nährstand, wie derjenige von Herbert Gruhl: Der führte von der CDU über die Grünen zur „konservativ-ökologischen“ ÖDP, beide letztere Parteien gründete er mit. Im Falle der Grünen war Baldur Springmann an seiner Seite, ein Biobauer, der bei den frühen Grünen jenen Bioregionalismus und die Mutterlandsliebe propagierte, von denen er einst als junger Mann in Organisationen wie Stahlhelm, SA, SS und Schwarzer Reichswehr geschwärmt hatte oder als Jugendbetreuer im Reichsnährstand. Bei den Grünen wurde dieser Flügel bald von Kommunisten verdrängt, ehe sich die sogenannten Realos durchsetzten.

Selbst die Biobauern. Mutterlandsliebe? Heimat? Bioregionalismus? Geht also direkt zurück in die Ideologenküche der SA, SS und was der Dinge mehr sind.

Wer also heute sowas fordert, fordert braune / rechte Ideale. Oder könnte zumindest ein Rechter sein... so mal auf Verdacht.

Er wollte gerade eine „Gesellschaft für lebensgesetzliches Denken, Bodengesundheit und Heimatpflege“ gründen.

Auch hier. Man bewegt sich also mit solchen Forderungen (Bodengesundheit, Heimatpflege) im Fahrwasser von ehemaligen nationasozialistischen Verbrechern.

Zum Glück sind wir ja weiter. Das Essen wird um den halben Globus gekarrt, die Meere sind mit Plastik verschmutzt, die Böden verlieren mehr und mehr Fruchtbarkeit, die Landwirtschaft ist industrialisiert, die Menschen zunehmend verfettet, die Kinder oft blass und kränklich, die Tierhaltung ist ... nun, nicht wie von den Nazis angedacht, die Äcker werden mehr und mehr zur Energiegewinnung statt zur Ernährung bewirtschaftet.

Und die Menschen? Na die gehen nicht mehr über blühende Wiesen, sondern sitzen in Großraumbüros in Großstädten und Ballungszentren, gehen zum Pilates und zum Spinngkurs, trinken bunte, aber giftige Getränke, leiden an Burn-out oder vergnügen sich im Swinger-Club (wenn sie denn überhaupt einen Partner haben), um die Leere irgendwie zu erfüllen. Ein Großteil der Bevölkerung hat sowenig Geld, dass sich sich gesunde Lebensmittel nicht mal ansatzweise leisten können. Viele Bauern und Bauernkinder haben Krebs aufgrund der Pestizide, oder leiden an Genitaldeformationen.

Zu DDR-Zeiten haben wir noch solche Lieder gelernt:

 

Hätte ich DAS gewusst! :-)

Stellt euch mal vor, Deutschland sucht den Superstar, und jemand mit Superstimme singt solche Lieder. Die Reaktion würde ich mal sehen. 

Nein, ich halte die Entwicklung in Deutschland für so grotesk, dass ich mich wundere, ob ich verrückt bin, oder die Welt um mich herum. Heute ist rot blau und grün ist lila.

Und ist euch schonmal aufgefallen, wer nicht alles schon Nazi / Faschist ist?

Die Linken - Linksfaschisten. 

Die Grünen - Ökofaschisten.

Die Moslems - Religionsfaschisten.

Die Fussballfans - rechte Hoologans.

Die Russen - Ultranationalisten = Faschisten.

Usw usw usw...

Es wird immer grotesker.

Vielleicht sollte man lieber mal die Ideen der damaligen Zeit ebenfalls entnazifizieren und schauen, ob da nicht was dran ist, was heute zu gebrauchen ist. Statt immer und immer wieder alles durch den braunen Kakao zu ziehen.

—————

Zurück