Samstag

12.10.2013 17:48

Ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich diesen Edward Snowden, der den NSA Skandal (ist das überhaupt ein Skandal? Schließlich scheint es ja jedem ziemlich egal zu sein!) aufgedeckt hat. Es braucht immer diese mutigen Leute, die unbeschadet ihrer eigenen Haut mal etwas wagen, um dieser Welt zu zeigen, wo etwas nicht mehr richtig funktioniert. Und da gibt es ja einiges. Snowden ist ja nur einer von vielen, die sich etwas getraut haben. Ich bewundere das.

Erschrocken bin ich aber von den Reaktionen, bzw. den fehlenden Reaktionen, sowohl der Politik als auch der Bevölkerung. Anscheinend ist man sich nicht bewusst, dass man keine Privatssphäre mehr hat! Sascha Lobo spricht deswegen auch schon von der "Pseudoprivatssphäre". Es gibt im Netz keinen Rückzugsraum mehr. Egal ob Telefongespräche, Bankverbindungen, Skypeprotokolle, wenn die Geheimdienste es wollen, können sie es lesen und drauf zugreifen. Das ist doch Wahnsinn! Man stelle sich nur mal vor, wenn die derzeit demokratischen Staaten aufgrund von Krisen autoritär werden. Der mächtigste Mann wird dann wohl ehemaliger Chef der NSA sein.

Mich hat ebenfalls diese unglaubliche Verträumtheit und Gleichgültigkeit der Massen im Allgemeinen und der Mitmenschen im Speziellen doch erstaunt. In der DDR wurden die Menschen von der Stasi überwacht und ausgeforscht. Aber die hatten ihre Grenzen. Heute sind die Möglichkeiten sehr viel größer und trara! diese werden auch genutzt. Ohne das sich wer aufregt. Viele Menschen nehmen diese Freiheit, in der wir jetzt leben, als vollkommen normal hin. Sie haben nie erfahren, wie es ist, wenn man vorgeschrieben bekommt, was man denken soll, was man gut und schlecht finden soll, was richtig und falsch ist. Die Freiheit zu denken was man will, zu sagen, was man will, zu reisen, zu lieben wie man will usw usw.. das sind ja Errungenschaften, die im wahrsten Sinne des Wortes mit Blut erkämpft wurden. Und offensichtlich gibt es immer auch Elemente, die diese Freiheit wieder einschränken wollen. Irgendwie hat man es aber geschafft, den Menschen ihren Freiheitsdrang abzuerziehen. Anscheinend ist das aber auch derzeit der Trend. So schrieb der SPON über die Schüler heutzutage: "So tickt Deutschlands Jugend: Zahm, zart und zupackend" - für mich, ehrlich gesagt, ein Haufen angepasster Streber. Aber wem will man es verdenken?

Und unsere Regierung? Die schweigt. Und sitzt das Problem schlichtweg aus. Unerhört eigentlich, aber passend für diese Leute.  Aber offensichtlich ist das auch der Volkswille. Was mich zu der nächsten Frage bringt: ist noch Leben in den Menschen? Feuer? Freiheitsdrang? Und da denke ich manchmal - nein.

Insgesamt sehe ich die Entwicklung kritisch. Es werden wohl immer mehr post-demokratische Zustände werden. Wahrscheinlich geht es hin zu einer Diktatur der Banken oder / und der Industrie. Die zunehmende Überwachung unter dem Deckmantel der inneren Sicherheit, die zunehmende Umverteilung der Geldvermögen, die zunehmende Abgabe von Parlamentsaufgaben an undemokratische Behörden auf EU Ebene, dass alles sind keine guten Zeichen. Sicherlich, wenns drauf ankommt werden die Menschen wohl dem Wohlstand, bzw. dessen Sicherung immer den Vorrang geben, was aus meiner Sicht auch nachvollziehbar ist. Auf Freiheit kann man tatsächlich eher verzichten als auf Heizöl im Winter. Ich glaube, die Menschen sind derzeit einfach bereit, ihre Freiheit immer mehr abzugeben, um ihren Status, ihren Wohlstand und ihre vermeindliche Sicherheit zu erhalten.

"They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety." (B. Franklin) - über solche Sätze lohnt es sich, mal genauer nachzudenken! Und vor allem: gibt es Alternativen zum aktuellen System? Und ein Mensch wie Edward Snowden kann da tatsächlich ein Vorbild sein, wenn es darum geht, Mut zur Veränderung zu finden.

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