Säuren und Basen und der große Irrtum!

13.04.2015 17:04

Mir kommt es oft vor, als ob unsere ganze Ernährungslehre fast nur aus Suchtrelativierung, Aberglauben und ungesunden Traditionen aufgebaut ist, statt auf fundierten Erfahrungen zu fussen, die in einer Ernährungstradition begründet liegt, die nachweislich Generationen immer wieder eine robuste Gesundheit beschert hat. 

Das trifft offensichtlich auch auf die sogenannte Säure-Basen-Ernährung zu. Man liest ja allenthalben, dass die Ernährung überwiegend basisch sein soll und dass bestimmte Produkte trotz hohem Säuregehalt im Körper basisch reagieren sollen. Mir kam das immer spanisch vor und ich habe deswegen vor 3,5 Monaten aufgehört, saure Lebensmittel zu konsumieren. Seitdem zieht auch nichts mehr in den Zähnen, aber das nur nebenbei.

Heute ist mir folgendes pdf zugeschickt worden (Danke Helene!!), dass mit der Mär von den sauren- und basischen Lebensmitteln aufräumt. josef-stocker.de/acid_PRAL_tabelle.pdf.  

Inwieweit man dem uneinschränkt Glauben schenken darf bleibt offen, aber allemal lesenswert. Hier die interessantesten Zitate aus dem Text (Hervorhebungen von mir):

Je vegetarischer die Kost, desto schlechter die Knochengesundheit. Vergleicht man die Knochendichte von Gemischtköstlern mit der von Vegetariern, die tierische Produkte meiden, ist bei den Vegetariern die Knochendichte durchwegs schlechter. Am schlechtesten schneiden Rohköstler ab (wegen der vielen Säuren von der vermeintlich basischen Kost).

Das Skelett der Kinder war umso besser beschaffen, je «ungesünder» (fleischhaltiger) sie ernährt wurden. «Basische» (Obstrohkost...) Nahrung hingegen korrelierte mit schlechterer Knochenmasse.

In epidemiologischen Studien wurde Osteoporose ebenfalls nicht durch Wurst und Schinken gefördert, sondern durch Orangensaft, sauren Apfelsaft, Vitamin C, Cola bis kohlensäurehaltige Getränke. Der ursächliche Zusammenhang geht auf die Säuren, wie Phytinsäure, Oxalsäure, Phosphorsäure (Cola), Zitronensäure und Ascorbinsäure (Vitamin C) zurück, welche im Verdauungsapparat dem Körper die Mineralstoffe entziehen.

Chemiker und Ernährungsfachleute alter Schule sind leider immer noch der Meinung, Frucht-, Zitrus-, Essig- und Milchsäuren... seien organische Säuren, die im Organismus zu Kohlendioxid und Wasser verbrannt würden und daher keinen Schaden anrichteten. Der Chemiker Fred Koch erwidert darauf: «Dies ist der größte Irrtum aller Zeiten.

Mich hat das immer gewundert, wie ein Produkt, dass so sauer im Mund ist, dass es die Zähne angreift, im Endeffekt basisch reagieren soll. Um die Säuren von Äpfeln, Granatäpfeln, Ananas und Orangen zu neutralisieren, braucht es ja erstmal viele Mineralstoffe im Speichel. Die muss der Körper ja erstmal bereit stellen. Und die müssen ja woher kommen, sprich aus der Nahrung, oder den Mineralstoffdepots (Zähne, Knochen). Mal Klartext: nichts spricht gegen den Verzehr von Äpfeln und Co, wer es mag und verträgt, aber oft essen Rohköstler einfach zuwenig Produkte, die "nähren", also auch wirklich entsprechende Mengen an Mineralstoffen, Proteinen und Fetten enthalten. Und gleichzeitig werden zuviele süsse und saure Früchte konsumiert. Es gibt kaum einen Ort auf dieser schönen Welt, wo VON NATUR AUS, große Mengen süsse und, jetzt Thema, saure Früchte vorkommen, zu der man das ganze Jahr Zugang hat. 

Der Mensch hat sich diese Welt erst erschaffen. Die Probleme folgen dem auf dem Fuß: Das Phänomen der Zahnerrosion durch den morgendlichen Orangensaft ist ja kein Geheimnis mehr unter Zahnärzten. Abnehmende Knochendichte ist ebenfalls ein Kind dieser Entwicklung. Von Karies, das nur mit hohem Aufwand einigermassen im Griff ist (Zahnmedizin, Fluorgaben, Kontrollen) ganz zu schweigen. Man muss sich auch immer im Klaren sein, dass auch die Früchte Produkte sind, die verkauft werden wollen. Und das auch hier irgendwo Leute sitzten, die an Studien schrauben, die die gesundheitlichen Vorzüge betonen, Werbung konzipieren, Vertriebswege neu gestalten usw usw. Auch Früchte sind Produkte, deren Verkauf jemanden den Lebensunterhalt garantieren soll. Ob die wirklich gesund sind oder nicht, ist da erstmal nachrangig, zu vorderst geht es um Geld. Deswegen wird es beworben und verkauft, und nicht verschenkt.

Ich persönlich halte das Übermaß an Früchten grade unter Rohköstlern für sehr problematisch. Sowohl wegen des Zuckergehaltes, als auch wegen der Säuren. Burger hat das ja auch ganz klar erkannt und meint: "Wahrscheinlich haben wir so wie so viel zu viele sauere und überzuckerte Früchte in der Auswahl."

Und deswegen auch der Wildfrüchte-Contest! Denn wer ist denn wirklich bereit, wenn es keine Wildfrüchte, oder ursprüngliche Sorten zur Auswahl gibt, ZU VERZICHTEN? Die Mehrzahl der Rohies greift dann NOTGEDRUNGEN zu den hochgezüchteten Kultur-Sorten. Verzicht wäre hier aber der bessere Weg, statt sich die hochgepushten Kindskopf-großen Mangos zu kaufen.

Der moderne Mensch hat eh schon an Knochendichte und Skelettstärke verloren:

Die Forscher fanden heraus, dass die Ahnen des Menschen über Jahrmillionen eine hohe Knochendichte hatten - bis zu einem dramatischen Abfall beim Homo sapiens vor etwa 12.000 Jahren. Der Rückgang betrifft die unteren Gliedmaßen, also Hüfte, Knie und Knöchel, stärker als die oberen wie Schultern, Ellbogen und Hände. Die Anthropologen vermuten daher, dass diese Veränderung mit dem Wechsel von einem nomadischen zu einem sesshaften Lebensstil einherging, den der damals aufkommende Ackerbau ermöglichte.

weiter:

Ryan und Kollegen kommen zu dem Ergebnis, dass die Knochendichte der sesshaften Gruppen wesentlich geringer war als die ihrer jagenden Artgenossen. Diese hatten selbst vor 7000 Jahren noch eine Knochendichte, die derjenigen von nicht menschlichen Primaten wie etwa heutigen Orang-Utans gleicht. Die Knochendichte der Menschen war damals etwa 20 Prozent höher als heutzutage.

Und jetzt konsumieren wir auch noch viele saure Sachen und wundern uns, dass es Probleme gibt.

"Heutige Menschen leben in einem kulturellen und technologischen Milieu, das unvereinbar mit unseren evolutionären Anpassungen ist. Über sieben Millionen Jahre war die menschliche Evolution für das Überleben auf Aktion und körperliche Aktivität ausgerichtet, und in den letzten etwa 50 bis 100 Jahren haben wir ein gefährliches Maß an Sesshaftigkeit erreicht. Ursprünglich haben wir uns nicht dazu entwickelt, in einem Auto oder an einem Schreibtisch zu sitzen." (Quelle 1 / Quelle 2 aus dem Englischen)

Zu den Errungenschaften der Sesshaftigkeit, der Kultur und der Technik gehören auch die ganzen Züchtungen! Und genau die sind auch unvereinbar mit unserer evolutionären Anpassung.

Nun höre ich immer, dass ja auch Gemüse so schrecklich überzüchtet ist. Stimmt auch. Aber Gemüse enthält nun mal kaum kariogene Bestandteile und auch keine Säuren, die Mineralstoffe rauben. Aus diesem Blickwinkel ist das Gemüse den Früchten vorzuziehen. Aber die sind ja so schön süüssssss und saftig und schmecken so gut! Und das kurioserweise JEDEN TAG. Und wenn die Mangos alle sind, kommen die Cherrimoyas aus Spanien, der Granatapfel aus dem Iran, dann die Jackfrucht aus Thailand, die Sapoten aus Peru, die Ananas aus Uganda und wieder die Mangos aus Spanien. Alles rangekarrt über tausende von Kilometern, mache Sachen direkt über die Körpfe von hungernden Menschen hinweg.

Vielleicht sollte man sich wieder mehr an der Natur orientieren und primär das konsumieren, was in der Region wächst. Und auf die Hochleistungsfruchtsorten schlichtweg verzichten. Im Verzicht kann auch Kraft liegen. Einfach mal ausprobieren!

P.S. die abnehmende Knochendichte ist nicht alleine durch eine reduzierte Lauftätigkeit zu erklären. Die frühen Bauern haben ja eine ungleich höhere Belastung gehabt als die Jäger und Sammler. Wenn man mal bedenkt, was es heisst, hinter einen Pflug herzumarschieren, Garten zu Graben, Wald zu roden und Stämme zu schleppen. Die haben ja eine arbeitsmäßig höhere Belastung gehabt als die Jäger und Sammler.

P.P.S. der kürzlich abgebrochene Zahnrand ist durch das Knirschen nicht dekalzifiziert worden, sondern einfach immer dünner, bis es SCHIEN, er sei dekalzifiziert. Habe nochmal nachgefragt in einem entsprechenden Forum. Die haben mir das erklärt. Durch das Knirschen kam es am Hinterrand des Zahns mit der Zeit zu einem entsprechenden Abrieb, so dass er mit der Zeit so durchscheinend wurde am Rand. Dauerhaftes Knirschen führt ja zum Zahnabrieb. Backenzähne werden dann zum Teil plan gerieben, Schneidezähne werden wie Messer angeschärft und werden dann mit der Zeit durchscheinendam Rand. Genau das ist passiert. So, haben wir das auch geklärt. Schon krass, wie sehr ich auch jetzt das Bedürfnis habe, da zu "knabbern". Irgendwann hatte ich mir das mal angewöhnt...

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