Schiffsreise

24.06.2014 10:19

So liebe Freunde, 

jetzt aber mal ein kleiner Reisebericht meiner Schiffspassage aus Mittelamerika. Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Schiffsreise wirklich eine ganz nette Sache ist. man hat Zeit, sich zu entspannen, es gibt keinen Jet-lag, und somit kommt man eigentlich ganz entspannt wieder zuhause an. 

Aber fangen wir mal ganz von vorne an:

Ab aufs Schiff. 

In Puerto Limon hab ich mich, kurz vor der Abreise, noch mit Planta-Bananen, 13 Ananas und Mangos versorgt, die ich auch problemlos aufs Schiff bringen konnte. Ein 213m langes Containerschiff ("Ariana") mit einem polnischen Kapitän, der freundlicher und netter nicht sein könnte. Das erste, was mir aber wirklich äusserst angenehm aufgefallen war, war die 20° kühle Kabine. Herrlich! Draussen die schwüle Hitze, die in den letzten Wochen wirklich die Energie rausgesaugt hat, und da drinnen einfach nur herrliche Kühle! Ich bin danach wohl nur noch ein oder zweimal kurz rausgegangen in die Hitze. Aber irgendwie war ich fertig mit diesem Wetter. Aber klar, als es dann los ging, hab ich natürlich auf der Brücke gestanden und leise mit einem lachenden und einen weinenden auge Tschüss gesagt. Es ist schon irgendwie ein erhabenes Gefühl, wenn ein Schiff in See sticht. Man hat wirklich auch genug Zeit, zurück zu blicken und Abschied zu nehmen. Und das war´s dann erstmal mit Costa Rica. 

Jamaika - die "Give me! Give me!" Menschen

Die erste Station der Reise war dann Kingston, Jamaika. Da wir dieses Mal tagsüber ankamen und genug Zeit hatten, sind wir, der Kapitän, der dritte Offizier und ich zu eine kleine Tour aufgebrochen. Wobei noch erwähnt werden muss, wie schwierig es war, erstmal vom Schiff runter zu kommen. Selbst dem Kapitän wurde erstmal das Verlassen des Schiffes verwehert, weil er keine Sicherheitsweste hatte. Ich musste mir Sicherheitsschuhe besorgen usw usw.. wobei es irgendwie lächerlich wirkte, dass die beiden stämmigen Frauen so ein Zinnober machten. Der Kapitän hats mit Humor gesehen. 

Das erste Ziel war das Bob Marley Museum, weil der Kapitän ein grosser Bob Marley Fan ist. Obwohl schon 52, hager und blass mit Kurzhaarschnitt, war er ein begeisterter Raggae Fan. Und somit gabs dann eine Tour durch das Bob Marley Haus. Ich fand es gut. Es  hatte schon was, wenn man bedenkt, dass da einer der grössten Stars der Welt gelebt hat. Die Sache dauerte knapp zwei Stunden und hatte sich wirklich gelohnt. Natürlich lungerten dann auch ein paar Kiffende Rastas da rum, vielleicht wurden die bezahlt, um die Stimmung zu beleben. Lol. Und es gab mehrere Mangobäume im Hinterhof. Da hab ich gleich fleissig gesammelt und eine Frau, die mich gesehen hat, gab mir sogar noch mehr. Super! 

Danach ging es in einen Park, wo grade geheiratet wurde und ansonsten auch viel Bbetrieb war. Wir haben uns dann etwas hingesetzt und die Stimmung genossen, bevor es wieder aufs Schiff zurück ging. Vorher wollten wir noch etwas einkaufen, vor allem ein paar Früchte und haben unseren Taxisfahrer, ein älterer freundlicher Schwarzer, gebeten uns da mal etwas rumzufahren. Kingston an sich ist eigentlich eine hässliche Stadt. Hat mich jetzt keine Sekunde beeindruckt. Na ja, und nach einigen Runden haben wir dann einen Markstand entdeckt. Eine Strassenverkäuferin hatte sogar die gleichen Erdnüsse wie ich sie schon aus Nicaragua kannte. Aber ich dachte, mich trifft der Schlag, also sie 10 Dollar für keine 800 Gramm haben wollte. Und die liess auch nicht mit sich handeln. Da war ich echt von den Socken! Das waren ja schweizer Preise!! Natürlich hab ich dankend abgelehnt.

Im Obststand haben wir dann noch Ananas, Mangos und noch einige Plantas gekauft. 40 Dollar. Ein Obststand in einer Bretterbude. Absolute Unverschämtheit! Aber was mich wirklich wirklich störte war, dass der junge Schwarze dann anfing, mich anzubetteln. Give me, give me more... Ich habs erst garnicht so realisiert, dass der mir in den Ohren lag, aber der wollte einfach mehr. Ich hab dann gesagt, er hat eh ein gutes geschäft gemacht! Der Kapitän hat auch noch versucht, zu verhandeln, aber der wollte nicht weniger. Ok, aber dass er dann noch so frech ist, weiter rumzubetteln, war schon recht unangenehm. Natürlich hat der keinen Cent mehr gesehen.

Wir sind dann zurück ins Taxi, weil auch die Zeit drängte und als wir an eine Kreuzung kamen, waren dort zwei Jugendliche, die für ein kleines geld die Windschutzscheibe putzen. Einer spitze was auf die Windschutzscheibe und der nette ältere Herr rastete vollkommen aus. Hat die dann aus dem geschlossenen Auto in seinem für mich unverständlichen Jamaika Englisch vollgeschnauzt. Die waren natürlich auch angepisst und so entstand eine doch etwas brenzlige Situation. Die haben es dann aber wieder sauber gemacht, der Taxifahrer hat sich beruhigt und uns sicher zum Schiff zurück gebracht. Als es dann ans bezahlen ging, der nächste Schock: 100 Dollar wollte der für die kleine Runde durch Kingston!!! Und erst nach langen zähen Verhandlungen haben wir uns auf 60 geeinigt. Ich war fassungslos. Das ist teurer als in der Schweiz!! Aber die Leute in Kingston versuchen wohl tatsächlich, so viel Kohle wie möglich rauszuschlagen. Selbst dem Argument des Kapitäns, dass man ihn ja das nächste Mal wieder buchen würde, war der Mann unzugänglich. Der Kapitän war übrigens schon das zweite Mal im Bob Marley Museum. Und so sind wir dann, auch nach einigen Mühen am Gate zum Hafen, irgendwann abends wieder, mit Obstkiste beladen, auf dem Schiff angelangt. 

Auf dem Schiff hatte man auch eine ungute Meinung von Schwarzafrika. Die waren ja alle schon in Westafrika usw und meinten dann später, dass das die vorherrschende Mentalität sei. Gib mir, gib mir, gib mir. Und dann wirste bedrängt. Und so war es auch da in Kingston. Als Vergleich: in CR und Nicaragua wird man auch mal angebettelt oder irgendwer versucht die Plunder zu verkaufen. Aber nie aufdringlich. Ich hab auch nie erlebt, dass man auf dem Markt oder so abgezockt wurde, weil man ein Weisser war. Kingston hat da ein eher ungutes Gefühl hinterlassen. 

Alle haben die gleichen Probleme.

Auf dem Schiff dann hatte mich die Arbeitswelt dann recht schnell wieder. Obwohl man eigentlich in der Mitte vom Nirgendwo rumgurkt, hatten die echt Stress. Mit Papierkrieg. Es ist wirklich erstaunlich, ich hab mich lang und breit darüber mit dem Kapitän unterhalten, dass mittlerweile in allen Bereichen der Arbeitswelt so immense Belastungen alleine durch den Papierkrieg entstehen. In Österreich war ich am Ende ja auch mehr mit all den ganzen sinnlosen Kram beschäftigt, statt mit der eigentlichen Arbeit als Ökologe. Und das macht einen auf Dauer dann auch fertig. Hier noch ne Email, da noch ein Report, dort ein Kollge der sich vor der Verantwortung drückt (das hab ich euch doch gemailt!), und noch eine Stundenplanung, noch eine sinnlose Email beantworten. Und dies scheint ja nun in vielen Bereichen der Fall zu sein. Nach drei Tagen an Bord hatte ich das erste Mal wieder Ohrensausen! lol Willkommen zurück!

Auf dem Schiff. 

Insgesamt war die Crew vollkommen OK, etwas kauzig schon, weil sie schon lange auf dem Schiff waren, aber nett. Es gab sogar ein Tischtennisturnier in der Mitte der Überfahrt. Ansonsten machen die aber Dienst nach Vorschrift und wenn sie die Wahl hätten, würden alle auch gerne an Land arbeiten. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die Verträge je nach dem zwischen 4 und 9 Monaten gehen. D.h. man ist wirklich fast ausschliesslich die ganze Zeit an Bord! Die Liegezeiten sind so knapp, dass viele 9 Monate lang keinen Fuss mehr an Land setzen. Hab mich nett mit vielen dort unterhalten, der russische erste Offizier als Kalliningrad, der freundliche 1. Offizier von den Phillipinen und der Cadett aus der Ukraine sind mir da neben dem Kapitän in besonderer Erinnerung geblieben. 

Gott sei Dank war die See die meiste Zeit ruhig. Nur zwei Tage gab es mal rauheres Wetter mit bis zu vier Meter hohen Wellen. Dann schaukelt es auch ziemlich, aber ich hatte bis auf gelegentliche leichte Anflüge von Übelkeit keine Probleme. Irgendwie kannte man das ja doch schon von der Hinfahrt. Aber selbst die Mannschaften leider unter Seekrankheit bei sehr starkem sn 

Zu Essen gab es neben meinen Reserven jeden Tag einen schön hergerichteten Gemüseteller. War also vollkommen OK. Die Mangos aus Jamaika waren wohl die Besten, die ich JE gegessen habe. Unglaublich gut! Wenigstens was. Und dann gab es da noch einen wirklich bemerkenswerten Zufall: ich hatte ja mal geschrieben, dass man mir an der Grenze von Nicaragua nach Costa Rica 10kg Erdnüsse abgenommen hat, die ich eigentlich für die Fahrt gekauft hatte. Ich hatte mich schon auf eine recht proteinarme Zeit eingerichtet, da fragte mich der Kapitän, ob ich auch rohe Erdnüsse esse, die hätte man nämlich da, und zwar in grossen Mengen, weil ein Container in Moin kaputt ging und es Erdnüsse regnete. Und die waren echt topp! War ein wirklich schöner "Zu-Fall". 

Leider gabs es auf dem Schiff diesmal wenig Sterne zu bewundern, da es grade die Zeit des Vollmondes war. Es ist aber schon nett, wenn dann in der Ferne Segelschiffe im Mondlicht glänzen und das irgendwo in der Mitte des Atlantik. 

Ja, was macht man eigentlich 14 Tage auf so einem Schiff? Na ja, ich hab viele meiner mitgebrachten DVDs geschaut, u.a. einige Akte X Sessions hingelegt, Gitarre gespielt und auch Sport getrieben. Dann war ich auch viel auf der Brücke. Das Schiff hatte sogar ein kleines Schiffbecken, aber ich habs nicht genutzt. Dafür hab ich mal Tischtennis gespielt... war auch nett. 

Rotterdam

Angekommen bin ich dann letzten Donnerstag in Rotterdam, wo mich mein Vater und mein Bruder abgeholt haben. Vorher war es schon sehr nett, durch den Ärmelkanal und die deutsche Bucht zu fahren. Rotterdam selber ist eine etwas klobige Stadt, aber gut, muss mir ja nicht gefallen. Leider wie immer keine Fotos, da ich ja meine Kamera zugesetzt habe. 

Ich muss es zugeben: die Kühle in Deutschland finde ich grade sehr angenehm, auch wenn meine Haut etwas Probleme machte (trocken). Ich vermute, wegen der doch recht abrupten Änderung der Umweltbedingungen. Erst monatelang heiß und feucht, dann von einer Sekunde auf die andere kühl und trocken. Aber gut, das sind eher Kleinigkeiten...

Und vergesst nicht: noch einen Monat bis zum großen Rohkosttreffen!!! :-) 

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