Schluss mit lustig!

29.06.2015 16:55

So, nachdem es die letzten Tage wieder reichlich süße Früchte in Form von reifen Kirschen direkt vom Baum und Erdbeeren aus dem eigenen Garten gab, merke ich jetzt wieder, wie der Körper genug hat. Es fängt an, in den Zähnen zu ziehen, ich habe einen aufgeblähten Unterbauch und fühle mich generell etwas aufgeblasen. Jetzt habe ich zu meinen Oldies gesagt, sie können die Kirschen gerne zu Saft verarbeiten, wenn sie das wollen. Ich will keine mehr. Es ist anscheinend wieder zuviel Fruktose in den Dickdarm gelangt und da freuen sich jetzt die entsprechenden Bakterien. Für die heißt es jetzt: "Schluss mir lustig!".

Ansonsten habe ich mir heute mal wieder Hühnchen besorgt, da ich durch Zufall zu Kaufland gekommen bin und es noch eine Packung gab.

Tja, des Weiteren kann man ja nur noch geschockt sein über dieses klägliche Scheitern der EU in der Eurokrise. Griechenland ist so ein kleines Land und dennoch offenbart sich hier die vollkommene Borniertheit der europäischen Eliten. Oder deren Kaltblütigkeit, je nach dem wie man es sehen will. Der normale deutsche Bürger, der sich vornehmlich aus der Mainstream-, oder besser Mainblockmedien informiert, sieht das natürlich ganz anders, aber tatsächlich ist es so, dass Syriza für alle "kleinen Leute" in Europa eintritt, dieses neoliberale Europa, dass nur den einzigen Zweck zu haben scheint, den Raubzug zu organisieren und die Umverteilung von unten nach oben reibungslos von Statten gehen zu lassen. Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um zu erkennen, dass die normalen Medien von ARD bis ZEIT grundsätzlich diese Politik unterstützten und mitbegleiten. Das ist auch der Grund, wieso, so wie es Volker Pispers treffend formulierte, 80% der Deutschen Parteien wählen, die NICHT ihre Interessen vertreten. Sowas erklärt sich nur mittels fundamentaler Gehirnwäsche.

Mir ist das in einigen Diskussionen z.B. über Gentechnik oder Atomkraft auf Facebook, oder in irgendwelchen Foren von größeren Tageszeitungen, aufgefallen, dass dort offensichtlich ganz normale Leute für etwas bis aufs Messer streiten, von dem sie selber keinerlei Nutzten haben, sondern nur Nachteile. Hier hat also eine grandiose Gehirnwäsche und Umpolung stattgefunden. Es ist ja auch kein Zufall, dass solche Veranstaltungen wie die Bilderberger-Konferenz eine Sammelsurium von Menschen aus Politik, Wirtschaft und MEDIEN ist. Oder das führende "Alpha-Journalisten" in NATO-nahen Gremien und Vereinigungen sitzten. Gleichzeitig ist die Gegenöffentlichkeit noch winzig und hat nicht genug Einfluss. Wobei eine Golineh Atay, deren propagandageschwängerte Beiträge es mir ganz leicht machten, die öffentlich-rechtlichen Nachrichten abzuschalten, schon mitbekommen hat, dass es die Propagandaschau gibt.

Es ist erschreckend. Liebe westdeutsche Mitbürger: schlagt eure Zeitungen auf und schaut die Nachrichten, und ihr wisst ungefähr, wie es hier zu DDR-Zeiten aussah. Da gab es zwar nur zwei TV-Sender, aber die hatten sich auch auf die Linie der Partei eingeschossen. Kritische Stimmen? Fehlanzeige. Heute bekommt man den neoliberalen Quark tagtäglich serviert.

Das Ausmaß der Einseitigkeit, der unverfrorenen Desinformation, der gezielten Diffamierung und Destabilisierung Griechenlands und die damit verbundene Irreführung der Zuschauer durch ARD und ZDF nähert sich dem an, was man von billigstem Boulevard- und Klientel-Journalismus deutscher Gossenblätter wie der BILD gewohnt ist.

Staatsfunk in Reinform. Ohne den Hauch von Kritik an der deutschen Regierung. Immer auf Linie mit den durch nichts demokratisch legitimierten “Institutionen”, die in verschlossenen Hinterzimmern dem griechischen Volk seit Jahren eine menschenverachtende Austeritätspolitik aufzwingen, deren “Erfolg” es war, die Wirtschaftsleistung zu schrumpfen, die Menschen ins Elend zu stürzen und dabei die Verschuldung des Landes noch weiter in die Höhe zu treiben.

Und keiner hinterfragt das mal kritisch. Außer jetzt die linke Regierung in Griechenland. Neopresse schrieb dazu passend:

Denn bei IWF, EZB und EU-Kommission war schnell klar geworden, dass das Konzept, mit dem die neue griechische Regierung in die Verhandlungen ging, auf eine grundsätzliche Umkehr der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik hinauslief. Während die EU von vornherein angetreten war, die Umverteilung von unten nach oben langfristig abzusichern und dazu die neuen Möglichkeiten durch die Globalisierung zu nutzen, setzt Syriza – ebenso wie neue linke Bewegungen in anderen südeuropäischen Ländern – auf die Sicherung wesentlicher sozialer Standards. Damit verteidigt die griechische Linke auch die Interessen der Bevölkerung in allen anderen EU-Staaten – und gerade dieser Zusammenhang sollte verschleiert werden, was in gewissem Maße auch gelang.

www.neopresse.com/europa/griechenland-als-neoliberales-versuchsfeld/

Sehr lesenswert auch die Anmerkungen von Heiner Flassbeck:

Für SYRIZA und den von ihr gewählten Ministerpräsidenten schien es undenkbar, dass die Gläubiger nach einem solchen Votum des griechischen Volkes auf der Fortführung der gleichen Bedingungen beharren würden. Sie glaubten, dass zumindest bei unbestreitbarem Scheitern einer Politik das Volk das Recht habe, diese Politik abzuwählen.

Doch genau dieses Recht wollen die Gläubiger dem griechischen Volk nicht zugestehen. Am vergangenen Samstag haben die Vertreter von SYRIZA erkennen müssen, dass ein Alptraum demokratisch gewählter Politiker Wirklichkeit geworden ist, weil sie angesichts der Übermacht der Gläubiger nicht mehr die Möglichkeit haben, dem Willen des Volkes auch nur im Ansatz nachzukommen. Sie haben daraus die im Grunde einzig mögliche Konsequenz gezogen und die Entscheidung zum Volk zurückgetragen.

www.flassbeck-economics.de/referendum-in-griechenland-ist-es-richtig-die-entscheidung-zum-volk-zurueckzutragen/

Und Jens Berger von den Nachdenkseiten merkt an:

Wenn dieses Wochenende uns eins gelehrt hat, dann ist es folgendes: Wer es wagt, das neoliberale Dogma auch nur zu hinterfragen, wird gnadenlos von seinen europäischen „Partnern“ an die Wand gestellt. Europa spielt bereits den „Grexit“ durch und es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die „Institutionen“ ein Exempel statuieren wollen, um die linke griechische Regierung zu entfernen.

Und er kommt zu dem Schluss:

Eine echte Alternative haben die Griechen also nicht. Was Europa hier betreibt, ist eine Erpressung, wie es sie noch nie gegeben hat. Ein ohnehin schon gedemütigtes Volk hinterfragt das neoliberale Dogma und wird dafür gnadenlos bestraft. Demokratie, Solidarität, friedliches Zusammenleben, Fortschritt, Wohlstand – all dies waren die Säulen, auf denen ein gemeinsames Europa ursprünglich errichtet wurde. Sämtliche dieser Säulen gelten im modernen Europa nichts mehr. Europa ist tot.

www.nachdenkseiten.de/?p=26585

Wer hat denn wirklich noch Bock auf so ein Europa? Das nur dazu dient, neoliberale Fantasien umzusetzten, und die Umverteilung von fleissig zu reich zu organisieren, wo es Millionen von arbeitslosen Jugendlichen gibt, wo der Norden sich zu einer nie dagewesenen Arroganz und Überheblichkeit aufgeschwungen hat und wo alles, was man mal "in Ehren" hielt, über Bord geworfen wurde? Wir sind wieder in den Zeiten Kaiser Wilhelm II angelangt, also man allen ernstes dachte: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.". Und jetzt verordnet man ganz Europa die deutsche Rosskur (Hartz4, Lohnzurückhaltung, Exportüberschüsse). Nur: wenn alle exportieren (einschließlich China) und niemand entsprechend importiert, wie soll das funktionieren. Nach Ansicht der Deutschen Eliten sollen alle in Europa wettbewerbsfähiger (Lohnkürzungen) werden, ihren Staatshaushalt auf Null bringen (Abbau der Sozialstandards) und mehr exportieren als sie importieren. Portugal wird bis 2030 wohl 1/3 seiner Einwohner verlieren. Die machen sich auf gen Norden, um da als ausgebildete, aber billigere Arbeistkräfte ausgebeutet zu werden. So wie sich über 1 Million Ostdeutsche nach Westen aufgemacht haben, so werden sich ganze Heerscharen an jungen Leuten Richtung Norden aufmachen. Wer kann es ihnen verdenken? Aber das war nicht das Europa, was uns damals versprochen wurde.

www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/150628-cw-reaktionen-referendum-griechenland-update.pdf

Hier wurde auch die "Ausfälle" der Mainblockmedien "schön" dokumentiert. Das sich die deutsche Medienlandschaft einmal auf so ein Niveau runterlassen würde, erschien mir von Jahren noch undenkbar. Aber die Griechen haben es eben gewagt, am neoliberalen Modell zu rütteln.

Schlussendlich wird sogar wissentlich gelogen:

Erkennen Sie einen signifikanten Unterschied? Ich nicht. Ich erkenne auch keine Punkte, die auf eine „Umschuldung“ oder ein „Abfedern sozialer Härten“ hinweisen. Dafür sind die Mehrwertsteuererhöhungen, die laut Martin Schulz ja gar nicht mehr gefordert werden, sehr wohl eine zentrale Forderung. Sicherlich kennen auch die Herren Schulz und Gabriel die beiden Dokumente. Wenn Sie trotz besseren Wissens vorsätzlich Falschbehauptungen aufstellen, so handelt es sich dabei um handfeste Lügen.

www.nachdenkseiten.de/?p=26591#more-26591

Erschreckend, oder? Genau die selbe Volksverdummung wie die unwidersprochene Aussage dieses unsäglichen Herrn Bosbach, dass die Griechen im Schnitt mit 56 in Rente gehen. Es wird gelogen, verzerrt, geheuchelt, gedroht, geschimpft... und das vor allem von den konservativen, christlich angehauchten Typen. Was für [zensiert].

 

Bernd Senf schrieb dazu folgendes:

Die neoklassisch geprägte Ökonomie hat einen verheerenden blinden Fleck in bezug auf das lebendige Entfaltungspotential, die innere Natur des Menschen; und in bezug auf die gesellschaftlichen Einflüsse, die diese innere Natur an ihrer Entfaltung hindern oder sie darin stören- und dadurch die eine oder andere Form emotionaler Panzerung hervortreiben. Sie ist auch blind für das Unbewußte im Menschen, das wesentliche prägende Anteile an seinem Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln hat. Sie verdrängt damit auch den fundamentalen Konflikt zwischen Kapitalverwertungs- bzw. Renditeinteressen und menschlichen Entfaltungsbedürfnissen. In einer gigantischen unbewußten Bilanzfälschung unterschlägt sie den hohen Preis emotionalen Leids, individueller wie kollektiver Gewalt, die aus der (schon in der frühen Kindheit beginnenden) Ausrichtung der Menschen an den vermeintlichen wirtschaftlichen Sachzwängen entsteht. Was den Ökonomen als Wohlstand erscheint, und was sie der Gesellschaft als Wohlstand verkünden, kann emotionales Massenelend zur Grundlage und zur Folge haben. 

www.berndsenf.de/pdf/Der%20kranke%20Wohlstand.pdf

Dieses Europa ist wirklich tot. Und das ist eigentlich gut so.

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