Sehenden Auges

20.07.2017 20:00

Also mir war ja schon immer klar, dass die meiste Verpackung im Grunde direkt für den Müll produziert wird. Der eigentliche Zwecke der Produktion, nämlich etwas einzupacken, nimmt im Grunde nur einen winzigen Bruchteil der Lebenszeit des Verpackungsmaterials in Anspruch. Der Rest ist dann eine kleine Ewigkeit auf der Müllhalde. Oder schlimmer, irgendwo als Microplastik in der Umwelt. Man könnte auch sagen, im Blutstrom oder in den lebenden Zellen des Organismus Erde.

Jetzt kommt die traurige Bestätigung:

Mehr als 8 Milliarden Tonnen Plastik wurden weltweit in 60 Jahren hergestellt, fast 5 Milliarden Tonnen sind in der Umwelt oder auf Müllhalden gelandet.

www.heise.de/tp/features/Milliarden-Tonnen-an-biologisch-nicht-abbaubaren-Plastikmuell-haben-sich-in-der-Umwelt-angesammelt-3777674.html

5 MILLIARDEN Tonnen. Das ist so unglaublich. Das ist schon fast absurd, diese Zahl. Und ich habe das ja in Costa Rica, mehr noch in Nicaragua und auch mitten auf dem Ozean gesehen: überall Plastik über Plastik. Die Schiffe dürfen ihren Müll zum Teil auch auf offener See entsorgen. Bei einer Party, die es anscheinend immer kurz nach der Atlantiküberquerung gibt, flog auch so ziemlich alles über Bord. Bier ausgesoffen, pfffttt.. Flasche im hohen Bogen ins Meer.

In Nicaragua ähnliches: in den Bussen futtern die unreife Mangos mit Zucker aus Plastiktüten, trinken Softdrinks, futtern irgendwelche Bollchen aus Plastiktüten, irgendwie ist so ziemlich ALLES in Plastik eingepackt, und dass wird aus dem Bus geworfen. So sehen die Straßen auch aus. Auch die Strände und die Flüsse, die es dann ins Meer spülen.

Aber sind wir besser? Nein. Während des Studiums waren wir oft in Neugattersleben im Schachtsee. Am Ende des Sommers sah es dort aus wie eine Müllhalde. Eistee ausgesoffen? Pfffttt... im hohen Bogen einfach weggefeuert. Deutsche sind genauso dreckig wie alle anderen auch, nur die Müllabfuhr ist besser organisiert.

Wissenschaftler haben nun aufgrund verfügbarer Daten und Statistiken versucht zu berechnen, wie viel Plastik aller Art in der kurzen Zeit seiner Existenz bis 2015 hergestellt wurde. Die Ergebnisse sind in Science Advance Nach ihren Schätzungen wurden seit Erfindung 8,3 Milliarden Tonnen hergestellt, davon sollen bis 2015 6,3 Milliarden Tonnen an Abfall entstanden sein, wie sie aufgrund unterschiedlicher Produktlebenszyklen berechneten. 9 Prozent wurden recycelt (davon nur 10 Prozent ein zweites Mal), 12 Prozent verbrannt und 79 Prozent wanderten auf Müllhalden oder in der Umwelt. Wenn Produktion und Abfallbeseitigung so bleiben wie jetzt, würden sich bis 2050 bereits 12 Milliarden Tonnen an Plastikmüll in Deponien oder der Umwelt anhäufen. Bis dahin wären dann 34 Milliarden Tonnen hergestellt worden.

Ich nehme mal an, dass das seriös ist. Man kann nur erschrecken. Zumal wir ja auch in einer Wegwerfgesellschaft leben, sprich, es wird nichts mehr gehegt und gepflegt, sondern bunt verpackt, aufgerissen, die Verpackung kommt in den Müll, das Produkt selber machts ein paar Wochen, Monate oder Jahre und folgt dann der Verpackung auf ihrem Weg.

Neue Produkte, wieder hübsch eingepackt, wollen verkauft werden. Konsum, Konsum, Konsum. Und das sind dann die Krisensymptome, die an allen Ecken und Enden hochpoppen.

Es ist auch wurscht, wen man da wählt. Es wird nicht besser. Einfach, weil es ein Symptom ist, dass auf die innere Verschmutzung der Menschen hinweist. Es ist doch schon gravierend, wenn man von "Junk-Food", also Müll-Essen redet, und wenn man feststellt, dass sich AGEs, die Advanced Glycation Endproducts im Organismus ansammeln. Wie innen so außen.

Es gibt nur eine Entmüllung mit gleichzeitiger Bewusstwerdung und Entgiftung der Menschen. Nur dann wird sich das umdrehen. Solange die Vergiftung bleibt, solange wird auch die Umwelt spiegelbildlich belastet werden. Und das Massenbewusstsein ist eben derzeit auf dem Stand: sich mit der Nahrung vollmüllen und dem folgt logischerweise spiegelbildlich der Planeten im gleichen Ausmaß.

Da kommt man als Rohköstler ja auch nicht raus. Durian in Plastik, Kokosnüsse in Plastik, Sapotillen in Plastiknetzten, die Liste ist endlos.

Als normaler Rohköstler ist man ja vollkommen Teil des Systems. Und genau das ist man ja auch, man ist Teil der Menschheit und deswegen wird man auch immer wieder damit konfrontiert.

In Spanien verwenden die ja oft Plaste, um die Beete abzudecken. Das findet sich da auch überall und zum Teil wirds einfach mit untergepflügt. Auch bei den Bioproduzenten.

Ich habe das ja vor Ort bestaunen dürfen.

Das Problem: wie soll ein Umdenken innerhalb des Systems aussehen? Es darf nicht weniger werden. Wir haben einen Zwang zum Wachstum. Schrumpfen, Sparen, lange Haltbarkeit, Reparaturen... das sind alles Sachen, die hört kein Investor gerne. Der will Wachstum, neue Absatzmärkte, kurze Lebensdauer, immer neue Produkte, steigenden Kosnum, Profite...

Deswegen ist es auch vollkommen sinnfrei, da irgendwie die Grünen zu wählen, oder eine andere Systempartei.

Die "Megamaschine" wird weiter brummen! Weil sie MUSS, sonst bricht alles zusammen. Nur wird das eben immer mehr Krisensymptome hervorrufen.

1. In der Gesellschaft

Zum Beispiel Zunahme Armut und Reichtum, Spaltung der Gesellschaft, Zunahme Kinderarmut, Zunahme von seelischen Krankheiten, Zunahme von Burn Out, weitere Verkomplizierung des Lebens

2. In der Wirtschaft

Zum Beispiel zunehmende Monopolisierung, Zunahme von Bullshit Jobs, gleichzeitig fehlende Fachkräfte, Industrie 4.0, Handelskriege mit USA / China

3. Im Staatswesen

Stichwort Schwarze 0, daraus folgend Polizeimangel, Verlodderung der Schulen, der Infrastruktur, der Verwaltung, der Rechtstaatlichkeit, Zunahme repressiver Maßnahmen, starker Staat

4. In der Umwelt

Bienesterben, Insektensterben, Artensterben, Klimawandel, Plastikmüll, Versauerung der Ozeane, Atommüll

5. In der dritten Welt

Zum Beispiel Geburtenexplosion, Massenarmut, Raubbau, Migrationskrisen, Verstädterung plus Slums, erpresserische Freihandelsabkommen, Kriege, Gewalt, Misswirtschaft

Ohne die In-Fragestellung des derzeitigen Systems ist es vollkommen gleich, wen wir da wählen.

Es braucht DRINGEND eine breite Diskussion, wie wir von dem:

https://www.bio-kompakt.de/images/stories/oekologie/exponentielles_wachstum.jpg

www.bio-kompakt.de/images/stories/oekologie/exponentielles_wachstum.jpg


zu dem:

https://www.bio-kompakt.de/images/stories/oekologie/logistisches_wachstum.jpg

www.bio-kompakt.de/images/stories/oekologie/logistisches_wachstum.jpg

kommen. Und zwar weltweit. Und das ohne Krisen und Zusammenbrüche. Diesen Übergang zu suchen und zu realisieren ist die vorderdringlichste Aufgabe, der wir uns alle widmen sollten. Tag und Nacht müssten wir darüber diskutieren. Ideen zusammentragen, Alternativen diskutieren und durchdenken und dann auch danach handeln.

Wir leben ja gerade im Zeitalter des exponentiellen Wachstums. Die Population verhält sich so, die weltweiten Guthaben, die Schulden dito, der Konsum, wo man hinschaut, findet man solche Kurven. Und als Folge sehen wir eben auch überall die entsprechenden Krisen.

Merkel oder Schulz? AfD oder Linke? Das ist alt, das ist von vorgestern, dass ist banal und absurd angesichts der wirklichen Probleme. Diese Parteien alle miteinander SIND das System, sind die Maschinisten der Megamaschine, dass nun immer schwerere Krisen hervorbringt und schon in der Vergangenheit von ihrem süchtigen Konsumverhalten nicht lassen konnten.

Wie kommen wir vom rasenden und immer entgrenzter werdenden Kapitalismus zu einer nachhaltigen, ökologischen und lebenswerten Gesellschaft? Oder wie sollen unsere Kinder mal leben? Burn-Out schon mit Anfang 30 statt bisher 42? Vollüberwachter Konsumsklave in einem Land mit weiten No-Go-Areas?

Merkel oder Schulz? Das sind beides Falschfahrer! Die sind schon vor Jahren falsch abgebogen...

Wie soll das Land und die Welt in 10, 20, 30 und 50 Jahren aussehen? Und wie wird es aussehen, wenn wir so weiter machen?

Das sind die entscheidenden Fragen.

Und was kann jeder Einzelne tun, damit es wieder besser wird?

Darüber müssen wir angesichts der Krisensymptome zunehmend nachdenken. Und wir müssen uns mit dem beschäftigen, weil ein Großteil der Menschenmassen mittlerweile fett, satt und dumm geworden ist. Bei dem, was die Meisten aus den Discountern tragen, kann das Gehirn nicht mehr richtig funktionieren.

Das ist echt ein Problem!

Deswegen mehr lokale und regionale Rohkost! Mehr biologische Gärten ohne Gifte! Mehr und bessere Nahrung ohne Müll, so dass wir zufriedener sind und weniger anderen Konsumschrott brauchen. Dazu ganz wichtig: gute Beziehungen, damit wir erfüllt sind.

Gleichzeitig muss man über das Geldsystem nachdenken und aufklären und sich über Alternativen Gedanken machen.

Das ist natürlich alles leichter geschrieben als getan, aber ich glaube, man muss einfach an einen Wandel glauben. Und es gibt ja schon viele alternative Projekte, wo jeder nach Gusto mitmachen kann.

Nur eins steht fest: so können wir nicht weiter machen. Sonst bricht alles zusammen, oder es gibt Krieg oder Bürgerkrieg oder anderen Scheiß, den keiner braucht.

Es ist natürlich dramatisch, dass ich als winziger Blogger sowas schreiben muss, und mir da Gedanken mache, während die hochbezahlten Wirtschaftswissenschaftler und wer da noch alles mit nachdenken müsste, ihre Energie damit verschwenden, nur innerhalb des Systems zu denken und zu forschen. Es braucht aber eine Infragestellung des Systems an sich und wie wir von diesem System in ein nachhaltiges Kreislaufsystem wechseln (wie ein Wald).

Das ist ja nicht einfach so getan und würde enorme Veränderungen mit sich bringen bis hin in die Art und Weise, wie wir denken, handeln und fühlen. Was unsere Werte sind. Was unsere Meme sind. Das ist nicht einfach mal schnipp und wir haben was neues. Das braucht enorme Anpassungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Das derzeitige System hat ja enorme Energien aufgewendet, die Menschen die entsprechende Software zu füttern, damit die gut ins System passen und es aus sich selbst heraus antreiben. Da kann man sich vorstellen, was da alles für Probleme auftauchen können.

Aber es führt auch kein Weg dran vorbei. Wachsen, sich entwickeln, sich anpassen oder untergehen. So arbeitet die Natur.

Da ändert auch keine Wahl etwas dran.

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