Sharing is Caring

30.11.2015 15:59

Hier möchte ich kurz auf einige interessante ernährungsbezogene Sachen hinweisen, über die ich im Netz gestolpert bin:

1. Wie die industrialisierte Landwirtschaft die Umwelt zerstört

Die Erzeugung von Lebensmitteln ist zunehmend industrialisiert und wirkt sich in immer größerem Ausmaße negativ auf die Umwelt aus, für deren „Spielregeln“ sich der Markt schlicht nicht interessiert. Wissenschaftler sprechen inzwischen bereits von einem zweiten „Stummen Frühling“, wie er zuletzt in den 1950er und 1960er Jahren durch das Insektengift DDT ausgelöst wurde: Über die Nahrungskette gelangen giftige Pflanzenschutzmittel beständig auch in Lebewesen, die am Ende der Nahrungskette stehen, und gefährden diese immens. Die Kritik der Wissenschaftler ist dabei zwar erstklassig belegt – sie wird von der Industrie jedoch nicht etwa aufgegriffen, sondern massiv bekämpft. Über die Macht der Agrochemie-Riesen in der Forschung und über die Folgen unserer aktuellen Art, Landwirtschaft zu betreiben, sprach Jens Wernicke mit Angelika Hilbeck, Dozentin am Departement Umweltsystemwissenschaften der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich.

www.nachdenkseiten.de/?p=29219

Anmerkung: man sieht, dass die Zwänge zur Gewinnmaximierung immer größer werden und zur Durchsetzung von Industrieinteressen immer mehr auch brutal vorgegangen wird. Gleichzeitig wird die Politik immer stärker korrumpiert und kritische Stimmen diffamiert. Das erlebt man in der Diffamierung von Alternativen Nachrichtenportalen wie den Nachdenkseiten oder jetzt auch von Thilo Jung in den Öffentlich-Rechtlichen Medien, in der massiven Diffamierung der Friedensbewegung und der Anti-TTIP Demonstranten und dem Aufbau von Feindbildern aller Art.

Besonders bedenklich ist in diesem Zusammenhang folgende Aussage:

... dass notorisch Wirtschafts- und Industrieinteressen vor jenen der menschlichen Gesundheit und Umwelt rangieren. Wir haben zwar wunderbare Gesetze und Prinzipien – wie etwa das Vorsorgeprinzip –, diese werden aber aus allen Richtungen unterwandert, umgedeutet und ausgehöhlt, bis sie am Ende das Papier nicht mehr wert sind, auf dem sie geschrieben stehen. Und schlimmer noch, Wissenschaftler, die diese Dinge sagen und für die Industrie unangenehme Forschungsfragen stellen, ja, diese unbequemen Ergebnisse sogar noch zu publizieren wagen, werden massiv angegriffen und zum Teil auf übelste Art und Weise diskreditiert. Sie werden mit systematischen Rufmordkampagnen eingedeckt, um sie mundtot zu machen oder gleich ganz aus ihren Jobs zu entfernen.

Und das muss man sich wirklich mal klar machen und auch in seiner ganzen Abscheulichkeit verstehen: es gibt Menschen auf dieser Welt, die es geschafft haben, bis nach ganz "oben" zu kommen, denen es egal ist, ob ganze Ökosysteme zerstört werden, ob Arten aussterben, ob die lebendige Erde Schaden nimmt oder ob die Nachbarskinder Krebs bekommen. Da geht es rein ums Geld. Alles andere ist egal. Und das MUSS man als normal denkender und fühlender Mensch erstmal verstehen und nachvollziehen.

Wenn ihr, liebe Leser, Kinder habt, oder Verwandte oder Freunde im Kindesalter, und wenn ihr denen das nächste Mal in die Augen schaut, bedenkt, dass es da draussen Menschen gibt, denen die Gesundheit und das Wohlergehen dieses lieben Menschen vollkommen egal ist.

Knapp hundert internationale Forscher kritisieren laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe) in einem offenen Brief an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis, dass die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) den Stoff kürzlich als „wahrscheinlich nicht krebserregend“ eingestuft hat. Auch gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erhoben die Wissenschaftler schwere Vorwürfe.

Die Analyse der deutschen Behörde sowie die darauf aufbauende Bewertung der Efsa enthalte schwerwiegende Mängel, schrieben die Forscher dem Bericht zufolge. Sie sei in Teilen „wissenschaftlich unakzeptabel“, und die Ergebnisse seien „durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt“. In dem Schreiben fordern die Wissenschaftler demnach die EU-Kommission auf, bei ihren Entscheidungen „die fehlerhafte Bewertung der Efsa nicht zu beachten“.

......

Die Zulassung für Glyphosat in der Europäischen Union läuft nächsten Sommer aus, für die Hersteller geht es um Milliardenumsätze. Für eine neue Genehmigung müssen die Risiken des Unkrautvernichters neu bewertet werden. Ob das Mittel weiter eingesetzt werden kann, entscheidet dann die EU-Kommission. Sie stützt sich dabei auf das Urteil der EU-Behörde Efsa und des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung. Das BfR wies die Vorwürfe der 96 Forscher nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ zurück.

deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/11/30/glyphosat-von-monsanto-wissenschaftler-erheben-schwere-vorwuerfe-gegen-eu-behoerde/

 Noch Fragen? Da wird ein Mittel, dass als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wurde, welches aber einfach nur gut läuft und viel Kohle einbringt, als "wahrscheinlich nicht krebserregend" eingestuft, eben um den Goldesel nicht zu schlachten. Dann schreien die Wissenschaftler auf und was passiert? Nichts.

Denen ist es vollkommen egal, wenn Bauern da Krebs bekommen, oder Landarbeiter, Kinder, Frauen. Ab diesen Punkt muss man sich so langsam fragen, ob die Menschheit mit solchen Figuren in Verantwortungspositionen überlebensfähig ist. Und diese Story hier ist ja nur die Spitze des Eisberges.

Nochmal zurück zum ersten Interview:

In Summe: Trotz aller vollmundigen Bekenntnisse von Politik und Wissenschaft, die Biodiversität zu schützen und etwas gegen das Artensterben zu tun, erleben wir gerade faktisch einen zweiten „Stummen Frühling“, wie er in den 1950er und 1960er Jahren zuletzt durch das Insektengift DDT ausgelöst wurde: Über die Nahrungskette gelangen giftige Pflanzenschutzmittel aus Wasser, Boden und Pflanzen in Lebewesen, welche am Ende der Nahrungskette stehen, zum Beispiel eben Vögel. Die Giftstoffe werden entlang der Nahrungskette weitertransportiert und reichern sich in den betroffenen Lebewesen immer weiter an– bis hin zum Sterben von Tieren, die ganz oben in der Nahrungskette stehen und vielleicht selbst gar nicht im landwirtschaftlichen Ökosystem vorkommen; oder eben auch bis hin zu schweren Erkrankungen bei Menschen.

Das kann ich aus eigenem Erleben im Berufsleben bestätigen: trotz vollmundiger Bekenntnisse passiert in der Praxis oft genau das Gegenteil von "Schutz der Biodiversität". Es ist zutiefst erschreckend, wenn man das live erlebt. Wie da der Filz aus Industrie, Behörden, Umweltverbänden und lokalen Playern vorgeht. Gott sei Dank gibt es aber auch Ausnahmen. Grundsätzlich kann ich nachfolgende Aussage aber ansatzweise aus eigenem Erleben bestätigen:

Die Industrie tut selbstverständlich aber alles, was sie mit ihrer großen und demokratisch völlig unlegitimierten Macht tun kann, um die vorhandene und glasklare Datenlage zu verwirren, verwässern oder für Nicht-Wissenschaftler bis zur Unkenntlichkeit zu verdrehen, um hierdurch zu verhindern, dass der Einsatz der Neonikotinoide zukünftig womöglich vollständig verboten wird und ihr damit nach zum Beispiel Glyphosat ein weiterer Kassenschlager verloren geht. Hier geht es ausschließlich ums Geld.

Auch ich habe Gutachten gelesen, die fundierte Aussagen über bestimmte Auswirkungen auf Natur- und Landschaft von Projekten ins Groteske verzerrt haben. Wer wissen möchte, wie das geht, dem empfehle ich den Film "Thank you for smoking".

Es führt kein Weg an einer Agrarwende vorbei. Das ist mir schon lange klar.

Und es braucht natürlich auch eine gesamtgesellschaftliche Wende. Hierzu Volker Pispers in Höchstform: ondemand-ww.wdr.de/medstdp/fsk0/87/876421/876421_9597407.mp3

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