Stadtfest und ein paar Gedanken zur Liebe

06.06.2016 00:24

Gestern war ich mal wieder unter Leute. Stadt- und Rosenfest in Bernburg. Wetter war ja herrlich und meine Oldies waren auch da, also habe ich mich mal aufgerafft. Aber ach, es ist ein Trauerspiel gewesen. Zumindest für mich. Wenn man nicht trinkt, ist das alles irgendwie öde nach einer Weile. Ganz einfach, weil irgendwie die Energie fehlt, wenn alle andere trinken.

Das Programm war ganz OK. War eine MDR-Sachsen Anhalt Party. Das ist hier ein lokaler Radiosender, die das präsentiert haben. Als ich kam stand gerade ein älterer Star, der mal einige Hits hatte, auf der Bühne. Name ist mir entfallen. Ist auch wurscht. Der war nicht schlecht, wobei mir seine Musik jetzt nicht zusagte. Danach gabs Tanzeinlagen einheimischer Mädels, die eher schüchtern wirkten und die Bewegungen irgendwie unsicher. Na, war aber auch ganz ok. Dann hatte ein Rod Steward Double seinen Auftritt. Der war gut! Ich mag einige Hits von Rod Steward eh und der hat mit Band eine gute Show geliefert. Zumindest was ich gesehe habe. Saß und stand auch mal mit dem Rücken zur Bühne, um mich zu unterhalten.

Danach Harpo, ein alter Schwede. Da war der Name Programm. Der hatte den Hit "Moviestar". Ich habe den nur gehört und habe mächtig gelitten. Keine Ahnung was mit dem los war, obs am Sound lag, oder was auch immer, aber ich fands eher grauslig. Wahrscheinlich tritt der genau deswegen eher später auf. Die Leute waren schon gut in Gange und haben abgefeiert. Für mich unbegreiflich. Aber es war schon erstaunlich. Als ich ankam, waren die Leute noch recht steif. Zwei Stunden später gings ab. Alkohol enthemmt schon mächtig. Ich frage mich aber immer, was die Leute so hemmt. Wenn die Musik gut ist, feier ich ab und tanze. Da brauche ich nichts. Die meisten sitzen aber da wie die Trauerklöße.

Und gestern war ich mal wieder erschrocken, was manche Frauen für Tattoos haben. Eine hatte den Namen ihres Sohnes / Freund / Mann / Hund auf die Brust tätowiert. Maurice stand da zu lesen. Ist das schon Unterschichtenweisheit? Das man denkt, der ist so blöd, das muss ich draufschreiben, damit der wenigstens irgendwann weiß, wo er ansetzten muss? Oder ist das natürliche Verhütung? Ich stell mir gerade vor, wie man da als Mann drauf sein muss, wenn man da selber an der Brust, wie sag ichs am besten, liegt und dann steht da Maurice. Ist die dann besetzt? Reserviert? Hier darf nur Maurice? Ich glaube nicht, dass mich das anmachen würde, wenn ich beim Sex den Namen entweder meines eigenen Sohns lesen würde (irgendwie pervers, oder?) oder den Namen eines fremden Kindes / Freundes / Mannes. Weiß man ja dann nicht.

Als ich das gesehen habe, habe ich meine Brille abgenommen. Ich hatte einfach genug gesehen.

Irgendwann kam dann Petra Zieger eine ostdeutsche Rockband. Ich bin dann aber gegangen.

Als ich wieder daheim war, dachte ich, ach stellste mal noch den Fernseher an, mal sehen was läuft. OK, Red Hot Chili Peppers live vom Rock am Ring. Na das ist doch was! Nach drei Songs musste ich ausmachen. So eine Scheisse! Ich war fassungslos! Der Sound flach, der Gesang kraftlos, der Gitarrist eher uninspiriert, hat sich dann irgendwann ne Mütze aufgesetzt. Anscheinend war es ihm kalt geworden. Deutschland ist eben nicht Kalifornien. Also das war einfach nur grottenschlecht. Ich habe dann den Ton ausgemacht und andere Musik gehört. Schlimmer als Harpo. Nur das da Tausende standen und es bestimmt "suuper geiiillllll" und "tootaaaallll geniaaall" fanden.

Die haben dann auch mal ins Publikum geschwenkt, da sah man wenigstens ein paar hübsche Mädels mit leuchtenden Augen (verblendet) und dann einen jungen Mann, der schaute auch skeptisch. Der hat wohl auch erkannt, dass der Kaiser nackig war. 

Beim Rock am Ring hat ja der Blitz eingeschlagen und es gab 50 Verletzte. Das ist auch sowas: auch beim With Full Force hier in der Nähe gab es vor zwei Jahren Verletzte durch Blitzschlag. Ist ja auch klar, wenn man da auf relatv freier Fläche steht und überall ragen Metallgerüste gen Himmel, und es tausende Menschen gibt, und es da mal einschlägt, dann liegen da gleich einige am Boden mit Herzstillstand. Das lässt sich dann einfach garnicht vermeiden. Da wird man sich in Zukunft echt was einfallen lassen müssen.

Aber nochmal zu den leuchtenden Augen. Wieso leuchten die eigentlich nur noch in solchen Situationen, wo man selber im Dunkeln steht und irgendwelche "Stars" im Licht?

Ich glaube, der Mensch sehnt sich nach Magie, magischen Momenten, nach Liebeszauber, nach einer Öffnung, nach höhergeistiger und spiritueller Erfüllung. Und wenn man selber da im Dunkeln steht, auch im spirituell übertragenden Sinn, denn den Meisten, einschließlich mir, mangelt es ja an wirklich magischen Momenten, und die Ikonen im Rampenlicht, quasi als die Erleuchteten, die das Ersehnte verkörpern und die dann Musik machen und zeigen, dass sie eine Öffnung zu etwas Höherem haben, zu etwas Feingeistigerem, dass sich in Kreativität äußert, dann meint man, dass dies echte Magie ist. Und die Augen leuchten. Und viele Mädels und Frauen wollen ja ihren Heiligen auch nah sein und gehen sogar mit denen ins Bett. Egal ob Rockstars, Schlagersänger oder spirituelle Lehrer. Und das eben auch, um etwas von dieser Energie zu bekommen, die sie sonst im Leben, im Alltag vermissen. Und ich würde mich nicht wundern, wenn viele Mädels, die dann dort mit leuchtenden Augen auf den Schultern ihrer Freunde sitzen, anschliessend ebenfalls mehr Lust haben. Und ich wette, dass es sich für alle Jungs, die sich erst darüber freuen, aber Anschluss zu ihren Gefühlen haben, falsch anfühlen wird. Und das muss es auch. Denn eigentlich wollten sie ja mit jemand ganz anders ins Bett.

Das ganze Drama ist ja wohl auf einen grundsätzlichen Mangel an Liebeszauber und Magie im Leben der meisten Menschen zurückzuführen. Ich glaube, der Mensch ist hier auf dieser Welt, um genau diese Sachen zu erfahren. Beziehungsweise, sie sind für unser Liebes- und Seelenleben essentiell. Und wenn diese feingeistigen Inhalte und Momente fehlen, oder nur ein zweimal im Leben passieren, schlimmstenfalls noch bei einem Rockstar, was auch irgendwie fehlgeleitet erscheint, dann vermisst der Mensch etwas Essentielles im Leben. Dann wird es grauer Alltag.

Mir ist als Mann, so frei will ich mal schreiben, aufgefallen, dass gerade junge Mädels einen besonderen Zauber haben. Und damit meine ich nicht irgendwas Sexuelles, was man auf die Genetik schieben könnte. Es ist etwas anderes. Und dann, nachdem sie den ersten Freund hatten und mit dem eine Weile zusammen sind, ist das alles weg. Und man sieht das auch an den Augen, die blicken dann nicht mehr so in die Welt. Sondern irgendwie ernüchtert, enttäuscht. Wobei das nicht die richtigen Worte sind, da man vorher weder trunken noch getäuscht war. Schwer zu beschreiben. Aber zumeist ist dann auch jeder Zauber weg. Also das was vorher da war. Und ich habe auch erst neulich für mich festgestellt, dass ich keine wirklich zufriedene Frau kenne. ALLE Frauen die ich kenne, oder kannte, sind oder waren irgendwie ständig unzufrieden. Ja, die Unzufriedenheit scheint da die Grundstimmung zu sein. Und ich vermute, dass es eben deshalb kommt, weil grundlegende Programme nicht erfüllt werden. Liebeszauber, Magische Momente, Erfüllung. 

Kurioserweise habe ich mal einen Bericht über Matriachate gesehen. Und dort war es nicht so! Die Frauen schienen sehr zufrieden und ihre Augen strahlten. Ich fand das überaus beeindruckend. Und im Bericht hiess es, dass es für die Frauen nur wichtig ist, verliebt zu sein. Die Sexualität folgt dann dieser Liebe. Also erst der Liebeszauber, dann die Sexualität. Und dort zählt nur die Liebe, die Magie. Finanzielle und andere materielle Interessen sind vollkommen unwichtig. Streit und Eifersucht gibt es fast nie. Ganz anders als in unserem System. Und dieses materielle Denken macht ja sehr viel kaputt.

Die Frauen dort verlieben sich und dann nehmen sie den Mann mit in ihre Hütte. Mal nur eine Nacht, mal länger. Je nach dem, wie lange die Liebesengergie da ist. Und das ist scheinbar sehr viel näher an der Natur als unser System. Denn sowohl die Frauen waren zufrieden und glücklich, als auch die Männer. Wieso auch nicht! Haben genug zu essen, leben in gesicherten sozialen Strukturen und das Beste: sie sind fast immer verliebt. Und hatten die Möglichkeit, diese Liebe auch zu leben.

Wenn Kinder aus solchen echten Liebes-Beziehungen entstehen, werden sie in der Familie der Mutter aufgezogen. Die Väter spielen keine Rolle. Oft weiss man garnicht, wer der Vater ist. Die männlichen Vorbilder sind Brüder, und andere Verwandte der Mutter oder der Großmutter. Und die können sicher sein, dass zumindest 25% des Erbgutes ihres ist. Eine wollte ein Kind vom Reporter, aber der wollte nicht, weil er eben, ganz europäisch, ein Vater für sein Kind sein wollte. Die Frau konnte das garnicht verstehen. Und noch eines ist interessant: es gibt keinerlei Problem mit Homosexualität. Im Gegenteil. Der Schwulenhass ist ja ein Kind des Patriachats, das wiederum auf einem falschen Männerbild fußt.

Mir scheint das eigentlich die ursprüngliche Lebensform des Menschen zu sein. Der Islam ist dann wieder das totale Gegenteil. Und in Europa ist es auch eine weitestgehend patriachalisierte Form mittlerweile. Das war ja vor 2.000 Jahren hier noch ganz anders.

Ja, und wahrscheinlich gehen diese männlichen Systeme und das, was wir wirklich im Leben als Erfüllung brauchen, nicht zusammen. Irgendetwas scheint in unserer Gesellschaft jedenfalls grundsätzlich nicht zu passen! Sonst wären die Menschen glücklicher.

Es ist auch logisch: wenn sich der Mensch und seine Liebesbedürfnisse in weitestgehend rohen Matriachaten entwickelt hat, kann er nicht erwarten, im gekochten Patriachaten Erfüllung zu finden. 

Und auch im rohen Patriachat, Stichwort Montramé, gings gehörig in die Hose!

Es braucht also wohl beides: Rohkost und matriachale Strukturen, wo der Liebeszauber wieder Platz hat und die Magie ebenfalls. Nur: wir könnten fast nicht weiter davon entfernt sein als wir sind.

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