Tour zum Vulkan Conception

24.12.2013 07:52

Gestern hab ich mir mal das Touristenprogramm gegeben und eine Tour zum Vulkan mitgemacht. Die Besteigung ist nicht ganz ungefaehrlich, da es sehr oft wolkig und neblig ist und man sich grade beim Absteig sehr leicht verirren kann. Es gibt enorme Erossionsrinnen, Loecher und keine wirklich markierten Wege. Deswegen sollte man das nur mit Guide machen. Klar gehts auch ohne, aber vor zwei jahren ist wohl mal ein Deutscher alleine los, fiel in ein Loch und musste dort zwei Tage ausharren, bevor man ihn fand und retten konnte, was sich auch schon schwierig genug herausstellte. 

Eigentlich wollte ich ja garnicht hochgehen, aber dann gab es einen Tag vorher den Vorschlag, man suchte noch Leute, da man ab sechs Leuten nur 15 Dollar bezahlt und da hab ich mal spontan ja gesagt. Am Ende waren wir wohl zehn junge Leute. Eine gemischte Gruppe aus Deutschen, Kanadiern, einer Taiwanesin, die, wie ich rausstellte, ein echt "toughes cookie" war und die Kanadier echt abgehaengt hat, drei einheimische Fuehrerm, ein Belgier, eine Oesterreicherin und noch eine Niederlaenderin. Vierlleicht hab ich noch wen vergessen, aber ist ja eh wurscht. Ach ja, ein Brasilianer und einen Deutschen mussten wir zuruecklassen, die waren noch zu besoffen von der Nacht davor und den ging dann recht schnell die Puste aus. 

Los gings 5 Uhr morgends mit den hiesigen genial alten und klapprigen Bussen. Gute 10 Minuten spaeter dann ging die Wanderung los. Erst geht man 45 Minuten recht flach bis zum Fuss des Vulkans. Dann gehts bis auf 1000m auf recht verschlungenen Pfaden durch den tropischen Trockenwald, bevor es richtig steil bis auf 1.610m hoch ueber Geroell, Schutt und Stein hochgeht. Die Witterung war anfangs recht unangenehm. Erst war es im Wald schwuel warm, dann wurde es auf den Geroellfelder sehr windig, bewoelkt und kuehl. 

Wie immer sind die Deutschen vorneweg! Ein Kanadier hat sich auch koestlich darueber amusiert. Pausen? Brauchen wir nicht, weiter gehts..lol. Die Guids waren auch sehr nett und haben auch einiges ueber die natur zu erzaehlen gehabt. Auf dem Vulkan hat man dann auch aufgrund der Wetterbedingungen kaum was gesehen. Aber das war eigentlich wurscht, da die Spitze fast immer in den Wolken liegt. Oben war es dann auch extrem windig und kuehl. Gefreut haben wir uns aber dennoch, dass wir es geschafft haben. Zu stolz braucht man da aber nicht zu sein, die Guids gehen in der Saison innerhin fast jeden Tag rauf. 

Leider, oder Gottseidank haben wir beim Aufstieg wenig gesehen, dafuer gab es beim zugegebenermassen schwierigen Abstieg echt magische Momente, wenn ploetzlich die Wolken aufreissen und man den Vulkanfuss mit seinen tiefen Erosionsrillen, die Insel und den Nicaraguasee erblickt. Das hatte echt etwas grandioses an sich. 

Auf dem Weg runter war die Stimmung dann auch sehr geloest und wir haben uns insgesamt sehr gut unterhalten. Die drei Kanadier waren auch echt lustige Typen. Die sind nur im Tshirt und kurze Hose hoch. Mit einer ausgesprochene "Ist doch nicht kalt, zuhause sinds grade minus 30 Grad, also habt euch mal nicht so!" Attituede ... lol. Ich war beeindruckt! Ich hatte schon lange ne lange Hose und einen Pullover an. Nach gut 7 Stunden mit einigen Pausen waren wir dann schoen entspannt wieder im Hostel. 

Sonntagabend gab es auf einer Kreuzung zwei Bloecke weiter auch einen Unfall. Zwei Einheimische, beide anscheinend besoffen haben sich gegenseitig mit dem Motorrad uebern Haufen gefahren. Da musste ich, weil ich zufaellig vorbei kam, erstmal mit Erste Hilfe leisten. Ok, der eine war dann wohl nur angeknockt vom Unfall, anscheinend so aber ok, den anderen haben die dann, so wie man es von Fernsehbildern aus Palestina gewohnt ist, hektisch in ein grade vorbeikommendes Auto gepackt und ins Krankenhaus gefahren. Schon krass, wenn man das mal so aus naechster Naehe sieht, wie das hier gehandhabt wird. Ich hab aber gehoert, dass beide wohlaufsind. Schien mir auch so in dem Moment. Klar hatten die Schuerfwunden und waren erstmal vollkommen KO, aber gebrochen war nichts. 

Was mir auch hier in Mittelamerika aufgefallen ist, dass es kaum mal weinende, schreihende oder zeternde Kinder gibt. Selbst im vollen Bus, da muckt keiner. Die Kinder sind hier wirklich sehr ausgeglichen und zeigen kaum etwas von der westlichen Nervositaet und Quengelei. Ja, keine Ahnung wieso das so ist, aber ich finde das schon sehr schoen! Aber genausogut hab ich bisher noch keine gestressten Eltern gesehen. Niemand ist voneinander genervt, alle, Eltern wie Kinder, wirken freundlich, ausgeglichen und wenn sie Lust haben, strahlen sie dich an. Fuenf Wochen Mittelamerika und ich hab drei mal Kinder weinen gesehen oder gehoert. Aber selbst dann hab ich nie genervte oder gar strenge Eltern gesehen. Die wurden relativ entspannt getroestet und das wars. Beeindruckt mich schon irgendwie. 

Und manchmal sollte man einfach den Hinweisen des Universums folgen. Als ich gestern in mein Bett gehen wollte, war meine Matraze weg. Ok, das Hostel wird von einer etwas zerstreuten Veganerin geleitet, die mir die geklaut, na ja, hat wohl vergessenm dass da wer drin schlaeft. Aber statt mich einfach in ein anderes bett zu legen, der Deutsche liebt ja seine Gewohnheiten, hab ich mir eine andere Matraze besorgt. Mitten in der nacht wache ich dann auf, weil das Bett schaukelt. Im ersten Moment dachte ich wirklich: verdammt, ein Erdbeben, die gibts ja hier ab und an, dann hab ich aber realisiert, dass ein Paerchen unter mir im Bett lag. Die haben nichts gemacht, aber eben durch die Bewegungen im Schlaf hat das Bett gewackelt. Wie hier im Hostel oft passiert, lagen die auch ohne Bettdecke da. Oft wird einfach vergessen, nach dem Saubermachen einfach wieder neue hinzulegen. Ich muss ja echt zugeben, etwas mehr Zug koennte das Hostel schon vertragen. Ich bin dann aufgestanden und hab denen ne Decke besorgt. Und was machen die, im Schutze der Decke fangen die an zu fummeln. Ich hab dann gesagt, Freunde, so gehts nicht! Dann war Ruhe...dann ist der Typ, ein wirklich unansehnlicher, ja haesslicher Spanier, aufgestanden. Musste wohl aufs Klo. Ich war grade am Einschlafen und dachte so, ach, drehste dich mal auf die andere Seite. Da muss just in dem Moment das Maeuschen unter mir einen Furz gelassen haben, so einen richtigen Bierfurz, der dann an der Wand auf dieser Seite zu mir hochzog. Ich dachte, meine letzte Stunde hat geschlagen! Alter Schwede: NASTY!!! Ich war pappesatt, das kann ich euch sagen. Tja, haette ich mir einfach ein anderes Bett gesucht, waere mir das wohl erspart geblieben.

Was auch lustig ist: man erkennt die Herkunft der Leute zum Teil doch recht schnell. Vorgestern abend war ich im Schlafsaal und unterhielt mich ueber die geplante Tour zum Vulkan mit der Volunteerin hier. Ploetzlich kam ein junger Mann ins Zimmer. Deutscher, eindeutig. Ohne ein Wort zu sagen, einzig aufgrund seiner Art, sich zu bewegen oder was auch immer. Ich hab ihn gleich mal auf Deutsch angesprochen. Und siehe da. Volltreffer. Er kam dann mit auf den Vulkan und wie sich rausstellte, war es ein sehr angenehmer Mensch, der ebenfalls grade durch Mittelamerika reisst...So dass mal fur heute. Ach, ist ja heilig Abend heute...dann wuensche ich euch allen von Herzen ein besinnliches Weihnachtsfest.

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