Übers Wirtschaften

07.11.2019 21:32

Neulich habe ich einen interessanten Artikel auf analitik.de gefunden:

Es war einmal, da sind die Menschen als Wildbeuter (Jäger und Sammler) durch die Lande gezogen. Und dann, so erzählen es uns die Soziologen, haben die Menschen die Landwirtschaft entdeckt und sie sich sofort angeeignet, weil das Leben mit Landwirtschaft viel leichter und sicherer wurde als der knallharte Überlebenskampf der Wildbeuter.

analitik.de/2016/01/27/ueber-verschiedene-arten-des-wirtschaftens/

Wir werden im Grunde komplett verarscht. Man hat in England Knochen eines Homo erectus gefunden, die zeigen, wie gesund die waren. 1,80m groß und von athletischer Figur. Mit Ackerbau- und der Viezucht gabs ja erstmal eine Kariesschwemme und die Verzwergung der Menschen.

Es ist ja bis heute ungeklärt, wieso die bei dieser Mangelkost geblieben sind. Wahrscheinlich lag es wirklich an den Exorphinen, sprich: die sind alle opiatsüchtig geworden. Bei den ganzen Heroinjunkies sieht man ja auch den Verfall. Und sie bleiben dabei. So mag es dem Menschen wahrscheinlich auch ergangen sein.

Siehe dazu vertiefend hier: www.rohkostwiki.de/wiki/Die_Urspr%C3%BCnge_der_Landwirtschaft

Das ist nachweislich falsch. Die Nachweise gibt es aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Medizinische Knochenanalysen jahrtausendealter Knochen zeigen etwa, dass Wildbeuter einen mindestens gleichwertigen Gesundheitszustand hatten im Vergleich zu Bauernkulturen, tendentiell sogar einen besseren.

Na ja, wenn ich nur Naturprodukte esse, voller Vitamine und Mineralien, mich dazu noch viel an frischer Luft bewege, dann ist man auch gesund. Meine Theorie ist ja, dass die ältesten Heilkünste wie Yoga und Ayuveda da entstanden sind, wo man zuerst den Bedarf hatte, sprich, wo man zu erst krank geworden ist. Yoga lässt sich ja gut als Mittel gegen Verspannungen deuten, vor allem, wenn man stundenlang auf dem Feld zu tun hatte und irgendwann die Knochen kaputt waren.

Es gibt ja auch einen Grund, wieso wir so weit in der Medizin sind. Weil wir es mussten, um zu überleben. Man stelle sich mal unser Konsumverhalten ohne gleichzeitige medizinische Versorgung vor. Lebenserwartung 35 Jahre wahrscheinlich.

Besonders spannend: Mitte letzten Jahrhunderts sind Völker- und Menschenkundler sprichwörtlich mit der Stoppuhr zu den letzten Wildbeutern hingegangen und haben gemessen, wie lang die Wildbeuter “um ihr Überleben kämpfen” mussten. Das Ergebnis: 4 bis 8 Stunden Arbeit am Tag, Haushaltskram (Kochen, Putzen usw.) eingeschlossen. Vergleichen Sie das mit Ihrem Leben: 8 Stunden Arbeit plus Fahrtzeit, dazu noch Haushalt. Man muss bedenken, dass die untersuchten Wildbeuter im letzten Jahrhundert bereits Restpopulationen waren, von uns Zivilisierten verdrängt in die unwirtlichsten Regionen. 4 bis 8 Stunden Arbeit täglich sind damit der worst case bei Wildbeutern (die 8 Stunden waren bei einer in der Wüste lebenden Kultur gemessen worden). Als die Wildbeuter noch die guten Jagd- und Sammelreviere bewohnen durften, war die Arbeitszeit entsprechend noch kürzer.

Das ist auch genau die Arbeitszeit, die Spaß macht. So 4-8h Stunden, dann alles erledigt und dann Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Es könnte alles so einfach sein. Aber nein...

Das hört sich nicht nach Überlebenskampf an. War es auch nicht. Der Mythos vom Überlebenskampf der Wilden ist Quatsch, der von Leuten ausgedacht wurde, die nie selbst mit Wildbeutern in Kontakt kamen und auch kein Interesse an Wildbeutern hatten, und die Wildbeuter mehr der Vollständigkeit halber in ihre Theorien einbezogen, um keinen weißen Fleck auf der Zeitleiste zu hinterlassen. Das Leben der Wildbeuter war in Wirklichkeit sehr chillig. Den Großteil der Zeit verbrachten sie mit Muße, Tänzen, Gesängen, Ritualen. Mit Kultur also.

Machen wir uns nichts vor, aber heute sehen die Tage der Menschen eher so aus: aufstehen, zur Arbeit fahren, sich da abrackern, Stress, dann wieder nach Hause, abends fernsehen, am Wochende mal saufen. Sich auf den Urlaub freuen und dann kriegt man da die Scheisserei, weil man einen Eiswürfel in der Cola hatte, bevor es wieder ins Hamsterrad geht.

Es gibt einen Grund, wieso immer mehr Menschen einfach keine Lust mehr auf so ein Leben haben. Die einen steigen bewusst aus, die anderen werden krank und werden zur Umkehr gezwungen.

Mal ehrlich: was hat man denn von seinen SUV? Von seinem Wohn-Palast? Ich war den Tag bei einem ehemaligen Tischlermeister im Nachbarort. Herrliches Haus, schön ausgebaut, großes Grundstück. Er wohnt da jetzt alleine, Frau verstorben, Kinder und Enkel wohnen weiter weg. Und jetzt sitzt er da alleine und harrt der Dinge, die da kommen. Viel wirds nicht mehr sein.

Dieser ganze überbordernde materielle Hokuspokus ist doch im Grunde ein vollkommen fehlgeleiteter Fortpflanzungstrieb. Man schmückt sich da mit großem Auto, baut gigantische Nester, häuft massiv finanzielle Mittel (Fettreserven) an und schminkt sich auf jung und attraktiv, obwohl die Partnerwahl und die Fortpflanzung schon abgeschlossen ist. Oft die Kinder schon aus dem Haus. Man bleibt da aber irgendwie dauerhaft in dieser Balz-, Revier- und Fortpflanzungschiene.

Ergebnis: Überbevölkerung und Ausbeutung des Planeten aufgrund sinnlosem Balz- und Schmuckgehabes.

Dem gegenüber stehen oft diejenigen, die man Lebenskünstler oder generell Künstler nennt. Die sind oft nicht reich oder wohlhabend, aber sie haben noch diese Verbindung zur Macht, also zu höheren Energien. Wie konnte ein Wagner solche Musik schreiben, wenn er nicht irgendwo angebunden war an etwas Essentielles, Nicht-Materielles? Oder all die anderen Talente bis in die Neuzeit.

Wenn man sich mal Wagandts Ausführungen von vorgestern anschaut, wo er meint, dass Sicherheit am Ende alles abtötet und das Leben an sich unsicher ist, dann ist es kein Wunder, dass die, die die größten Werke geschaffen haben, die wirklich den Solarplexus öffnen und wo man spürt, so klingt das Leben, oft in extrem unsicheren Verhältnissen gelebt haben. Weil nur so war es wahrscheinlich überhaupt erst möglich, sowas zu erschaffen. Etwas, mit denen sie dann das Leben der Mitmenschen LEBENDIGER gemacht haben.

Und nochmal: es geht nicht darum zu faulenzen und auf Kosten anderer zu leben, sondern wie Reich es ausdrückte:

Hier "leben und wirken die natürliche Sozialität und Sexualität, die spontane Arbeitsfreude, die Liebesfähigkeit ... die einzige reale Hoffnung, die der Mensch hat, das gesellschaftliche Elend einmal zu bewältigen.

Spontane Arbeitsfreude vs. Zwangsarbeit. Und das ist auch der selbst auferlegte Zwang, nicht nur der gesellschaftliche.

Wenn das Leben als Wildbeuter so gemütlich war, warum hat man es nicht dabei belassen? War das Bauernleben etwa noch gemütlicher? Keinesfalls. Das Bauernleben war härter und entbehrungsreicher. In einer Bauernkultur musste man mehr arbeiten. Gleichzeitig mussten frühe Bauern häufiger und schlimmer hungern als Wildbeuter. Das ist nicht so paradox wie es klingt. Wildbeuter beuten im Laufe des Jahres unterschiedlichste Nahrungsquellen aus. Ihre Nahrungsquellen waren diversifiziert, wie man heute im Wirtschaftssprech sagt. Wenn eine Quelle ein schlechtes Jahr erwischt hat und wenig Ertrag lieferte, hatte man noch die vielen anderen. Im Gegensatz dazu waren die Bauernkulturen auf wenige oder sogar nur eine Hauptnahrungsquelle angewiesen. Eine schlechte Ernte mündete zwangsläufig in einer ernsten Hungersnot. Und schlechte Ernten gab es häufig. Häufig sogar über mehrere Jahre hintereinander. Die Geschichtsbücher sind voll davon.

Ich hatte das mal hier im Blog (oder zumindest wollte ich es mal im Blog schreiben.. wenn nicht, kommt dann noch. :-)) anhand einer Population von Jägern- und Sammlern in Dänemark. Da hat man genau das gesehen: im Laufe des Jahres haben die ganz unterschiedliche Quellen genutzt und sind mal ins Inland gezogen, mal haben sie an der Küste gelebt. Die haben da nie gehungert. Irgendwas gabs immer.

Warum also der Wechsel vom Wildbeutertum zur Landwirtschaft? Weil Wildbeutertum nur eine sehr beschränkte Bevölkerungsdichte erlaubt. Pro Quadratkilometer maximal 1 Person. In der Regel deutlich weniger. Deutschland hat eine Fläche von knapp 360 Tausend Quadratkilometer. Mit wildbeuterischer Lebensweise könnten in Deutschland also höchstens 360 Tausend Menschen leben. Mehr ist einfach nicht drin, wenn man den Lebensraum nicht bewirtschaftet, sondern sich einfach nimmt, was die Natur von sich aus zu bieten hat.

Ich würde mal sagen 200.000 ist das Maximum in Deutschland. Und da gibts schon einen gehörigen Druck auf die Wildtierpopulationen.

Aber da sieht man mal, wie wir es geschafft haben, immer wieder noch etwas mehr rauszuholen und die Bevölkerungszahlen entsprechend hochzufahren.

Im Landesmuseum für Vorgeschichte, welches ich wirklich liebe, hat man das mit vielen Gipsmasken verdeutlicht, die plötzlich an der Wand hängen, wenn man von den Jäger- und Sammlerräumen zu denen mit den ersten Ackerbauern geht. Das haben die da recht anschaulich dargestellt. Auch wie karg das Leben dann war, wie die ersten Kriege und viele Krankheiten aufkamen, die vor allem von den Tieren auf den Menschen übersprangen.

Eibl-Eibesfeld, den ich vor 20 Jahren viel gelesen habe, schrieb in seinem Buch: "Das verbindende Erbe" sinngemäß: die Wildbeutergesellschaften der Kalahari, gemeinhin als Buschleute bezeichnet, sind die letzten "unschuldigen" Völker. Jede neue Entwicklungsstufe, und dazu zählte er dann die Gartenbaukulturen wie in Papua-Neuginea, neigen schon zur Aggression und Gewalt.

Aber es gibt auch friedliche primitive Ackerbaukulturen.

Die Subsistenzweise ist eine wichtige Grundlage für das Sozialverhalten, entscheidend ist jedoch im Endeffekt das jeweilige Wertesystem, auf dem die Kultur beruht.

de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4ger_und_Sammler#%E2%80%9EKrieg_und_Frieden%E2%80%9C_in_vorstaatlichen_Gesellschaften

Man hat also mit harter Arbeit und unter Aufgabe vieler Freiheiten die Bevölkerung enorm gesteigert.

Und jetzt mal ein richtiger Augenöffner:

Ein großer Zweck des Wirtschaftens, der uns nicht bewusst werden muss, liegt darin, die Bevölkerungskapazität des Lebensraumes zu erweitern, indem der Lebensraum aktiv und unter Einsatz von Energie und Arbeitskraft gestaltet wird. Wir reden uns gern ein, dass es um Wohlstand geht. Und wir reden uns ein, dass Wohlstand zu Glück führt. Es ist durchaus funktional, dass wir uns das einreden, denn wir müssen weitermachen. Wenn wir aufhören mit harter Arbeit, wenn wir aufhören mit der intensiven Bewirtschaftung unseres Planeten, müssen die meisten von uns sterben. Weder gibt es so viele Freiwillige, noch kann man so etwas mit Gewalt durchsetzen, also müssen wir weitermachen. Die harte Arbeit wird erträglicher, wenn wir uns einreden, dass es uns glücklicher macht und dass es die “Wilden” früher viel schlimmer hatten als wir heute. Deswegen gedeihen falsche Theorien über die Entwicklung des Menschen so prächtig. Sie sind funktional in ihrer Falschheit.

Das ist ja auch genau das, was der Danisch geschrieben hat, dass wir jetzt schon an eine kritische Grenze kommen und viele nur noch mit intensiver Landwirtschaft ernährt werden können. Deswegen hat man in Simbabwe die weißen Farmer zurückgeholt, aber nicht wegen ihrer Hautfarbe, sondern weil die die Hochleistungslandwirtschaft händeln können, die es braucht, um die Menschen da zu ernähren.

Das geht alles nur noch mit intensivster Produktion.

Vor etwa 10000 Jahren begannen die ersten Menschen mit Landwirtschaft. Erst vor wenigen hundert Jahren setzte die industrielle Landwirtschaft ein, so dass wir auf etwa zehn Jahrtausende “traditionelle” Landwirtschaft zurückblicken können. Was passierte da? Da passierte ein zyklisches auf und ab in verschiedensten Regionen der Erde. Die einfachste Landwirtschaft wurde durch Bewässerung verbessert, was die Bevölkerungskapazität des Lebensraumes verdoppelte. Es folge weitere Effizienzsteigerung, die auch damit verbunden war, dass der Anteil der Arbeitskraft, der in die Landwirtschaft investiert werden musste, von 95% auf bis zu 70% fiel. Das heißt bis zu einem Drittel der arbeitenden Bevölkerung konnte für andere Tätigkeiten als die Nahrungsversorgung freigestellt werden. Es entwickelten sich Hochkulturen. Jede Hochkultur basierte darauf, dass sie die Landwirtschaft intensivierte, die Ernteerträge immer weiter steigerte und gleichzeitig immer weniger Arbeitskräfte für die Landwirtschaft benötigte. Die freigewordene Arbeitskraft wurde reingesteckt in den Bau von Tempeln, Städten, in spezialisiertes Handwerk.

Man wurde größenwahnsinnig. Da sieht man auch, dass da im Sexuellen etwas schief gelaufen sein muss, denn diese ganzen Tempel, Pyramiden, aber auch Großsteingräber und was es da nicht alles gibt, zeigen da immer so etwas: Wir haben den Größten.

Wir stecken da ja immernoch mitten drin. Jeder will das größte Gebäude, den höchsten Turm, den höchsten Wolkenkratzer. Früher das größte Großsteingrab, den größten Ring, den schönsten Tempel, die höchste Pyramide, den größten und prächtigsten Dom. Und alle wollten sie Weltreiche. Die Welt und alles darin beherrschen.

Und heute?

Wir sind immernoch fett in dieser Entwicklung.

Die Frage, ab welchem Zeitpunkt das schief ging und was da die tieferen Auslöser waren, das liegt weiterhin im Dunkeln. Opiate scheinen eine Erklärung zu sein.

Intensive Bewirtschaftung des Bodens hat ein Problem. Sie laugt die Böden aus und irgendwann bricht die Ernte weg. Dieses Problem wird in einer Hochkultur dadurch verschärft, dass durch die Entstehung der Städte der natürliche Stoffkreislauf – Düngen durch Scheißen auf das Feld – ausgehebelt wird. Geschissen wird woanders, als der Dünger gebraucht wird. Das Problem ist übrigens nach wie vor aktuell, wir haben es bis heute nicht gelöst. Wir kompensieren es dadurch, dass wir Dünger industriell herstellen.

So ist es. Ich sag ja, wir stecken mitten drin in der Fehlentwicklung. Schlimmernoch: wir scheissen nicht nur ins Klo und spülen das mit sauberem Wasser weg, wir benutzen auch noch Duftzeugx und diese Dinger, die man ins Klo hängt, dazu dann Unmengen an Duschgel und Waschmittel und alles geht zusammen in die Kläranlagen, so dass man die Nährstoffe erst mühselig von den chemischen Begleitstoffen befreien muss.

Na ich scheisse mittlerweile in ein Humusklo hier.

Zurück zu den Hochkulturen. Sie stiegen auf, erreichten einen Höhepunkt und verschwanden wieder von der Bildfläche, als sie die Kapazität des Lebensraumes überreizten. Überall auf dem Globus das gleiche Bild. Hochkulturen entstanden und kollabierten. An anderer Stelle (aus naheliegenden Gründen oft nicht weit entfernt) konnte eine neue Hochkultur entstehen, die zu gegebener Zeit auch kollabireren musste. Regional schwankte die Bevölkerungszahl dadurch beträchtlich, global stieg sie langsam an und näherte sich dem Maximum, der durch traditionelle Landwirtschaft gegeben war.

Dann geschah der entscheidende Sprung. Die Menschen verbanden Industrie und Landwirtschaft. Mit Hilfe der Industrie pumpte man bis dahin unvorstellbar große Mengen Energie in die Landwirtschaft und konnte damit die Erträge erneut erhöhen – und vor allem dauerhaft hoch halten.

Wir stecken da in einem Teufelskreis. Im Grunde müssten wir das langsam wieder re-abwickeln. So Geburten senken, dazu dann wieder alles Stück für Stück die Sache zurückfahren. Man muss sich vorstellen: wir haben nur noch diese Erträge, weil wir Phosphatdünger importieren. Diese Lagerstätten neigen sich aber auch schon dem Ende zu und man muss nun schon tiefer schürfen, so dass man auch mehr und mehr uranhaltiges Phosphat ausbuddelt und hier auf die Äcker streut. Das weiß kaum einer.

Deutschland war da auch einem guten Weg. Bevölkerung runter, Erneuerbare Energien, Biolandwirtschaft. Dann kümmert man sich mal eine Generation mehr um die Alten, danach ist man auf einem nachhaltigerem Niveau. Aber nein, die Gier hat es verhindert und man hat Millionen Migranten ins Land gepumpt und pumpt weiterhin.

Damit die Wirtschaft nicht schrumpft, die jetzt aber, nachdem die Migranten hier sind, schrumpfen muss, weil ... Klimawandel und so.

Das ist alles nur noch verrückt. Aber jeder will eben den Größten haben.

Die gigantischen Energiemengen stammten aus fossilen Brennstoffen. Kohle war natürlich schon vorher bekannt, aber vor ein paar Jahrhunderten kam man auf die Idee, damit die Landwirtschaft zu befeuern. Seitdem gilt: Wir verbrauchen beim Landwirtschaften viel mehr Energie, als wir an Ernteerträgen wieder herausholen. Das ist nur dank Nutzung fossiler Energiequellen möglich geworden. Früher mussten die Felder mit menschlicher oder tierischer Muskelkraft bestellt werden. Diese eingesetzte Muskelkraft hat einen Teil der Ernteerträge wieder verbraucht. Selbstredend musste der Kaloriengehalt des Ertrages höher sein als die investierten Kalorien der Feldarbeit, sonst wären unsere Vorfahren verhundert. Der Intensität der Bewirtschaftung waren damit Grenzen gesetzt. Dank fossiler Energien, zu Beginn der Entwicklung war es Kohle, konnte man viel mehr Kalorien (die in Kohle gespeicherte Energie kann man auch in Kalorien messen) in die Landwirtschaft investieren, als es je möglich war. Viel mehr auch, als man an Ernte-Kalorien wieder zurückbekam. Dieser kuriose Umstand erlaubte es, mehr und intensiver zu landwirtschaften, bei gleichzeitig zurückgehender investierter Arbeitskraft. Konnten Hochkulturen früher bis zu 30% der Arbeitsbevölkerung von der Landwirtschaft freistellen, stieg dieser Anteil seit der Industrialisierung an. Wo früher fünf Bauern mit Pferden pflügen mussten, reichte nunmehr ein Bauer mit dampfkraftbetriebenem Traktor aus. Heutige Industriegesellschaften beschäftigen weniger als 5% der Arbeitskraft in der Landwirtschaft.

Da kann man sich vorstellen was passiert, wenn wir mal bei vegan möglichen 20 Milliarden sind und dann geht uns das Öl aus. Das große Problem, was wir haben es: es gibt kein Einhalt, keine Besinnung, keine Überlegen. Es gibt nur Kopf runter, arbeiten, weitermachen, bis wir an die jeweilige ökologische Grenze gelangen. Die sich aber auch je nach Ressourcenverfügbarkeit, verschiebt. Also auf fruchtbaren Böden ist die ökologische Grenze eben höher als auf ausgelaugten Böden, oder solange es Öl gibt, ist sie höher als wenn das Öl zu Ende geht.

Heute stecken wir mehr Energie in die Landwirtschaft, als das wir rauskriegen, aber diese Zusatzenergie ist eben nicht endlos, zumindest sind das die herrschenden Theorien, verfügbar.

Man sieht hier eben auch, dass der Mensch immernoch stark im Tierischen verhaftet ist und sich wie eine Bakterie in Nährlösung, oder eine Gnuherde in der Savanne verhält. Vermehrung bis zur ökologischen Grenze.

Mit der industriellen Landwirtschaft setzte eine Dynamik ein, die uns in wenigen Jahrhunderten in die heutige Welt katapultiert hat. Die industrielle Nutzung von Kohle löste Energieprobleme und setzte Arbeitskräfte frei. Auch für die Wissenschaft, die parallel mit der Industrie ihren steilen Anstieg nahm, der bis heute andauert. Mit Hilfe der Wissenschaft und der grenzenlos vorhandenen Energie wurde das Problem der Bödenerschöpfung durch Kunstdüngung gelöst. Mittels Industrie und industrieller Landwirtschaft hat es die Menschheit geschafft, die Kapazität des Lebensraumes Erde noch mal auszuweiten. Damit begann die Bevölkerungsexplosion, die bis heute andauert.

Was auffällt: mit jeder Entwicklungsstufe konnte man zwar mehr Menschen "produzieren", aber gleichzeitig hat man auch immer neue Probleme und Schattenseiten geschaffen. Es ist ja nun nicht so, dass Kunstdünger keine erheblichen negativen Effekte hätte. Das ist ja nicht alles nur segensreich. Zum Teil ist es nur ein Spiel auf Zeit.

Die ersten Ackerbauern wurden kleiner und hatten Karies. Die Mundflora wurde geringer. Darmflora dito.

Ackerbau und Viehzucht hat dann als Abfallprodukt Krieg produziert. Krankheiten und auch mehr verbogene und gepanzerte Seelen. Man konnte nicht mehr so frei und mit innerlich frei fließender Energie SEIN wie noch als Wildbeuter.

Und die Industrie hat ja nun vieles vieles mehr an schadhaften Abfallprodukten.

Ich habe ja eh schon mal geschrieben, dass wir die Grenzen immer wieder mit neuen Technologien etwas rausschieben. Aber wir lösen die Probleme nicht, sondern die Fallhöhe wird nur etwas größer.

Es fehlt da wirklich an mehr Menschlichkeit, sprich weg vom Tierischen, hin zu mehr Bewusstsein und entsprechendem Handeln.

Der Schlüssel dafür ist in mehrerer Hinsicht die Nutzung fossiler Energien. Wir verbrennen viel mehr Kalorien beim Landwirtschaften, als wir an Ernte-Kalorien wieder einfahren. Die Steigerung der Ernteeffizienz steht in keinem guten Verhältnis zur Steigerung des Energieverbrauchs, aber das ist uns egal, weil Energie im Überfluss vorhanden ist. Weiterhin erlaubt es der Energieüberfluss, Maschinen einzusetzen, so dass Arbeitskraft in einem bis dahin undenkbaren Ausmaß für andere Tätigkeiten frei wird. Unter anderem in die Entwicklung der modernen Medizin, welche die Kindersterblichkeit dramatisch reduzierte und damit ebenfalls entscheidend zur Bevölkerungsexplosion beigetragen hat.

Der Artikel fasst die Entwicklung sehr gut zusammen.

Das Kochen fehlt noch als Faktor. Roh sind ja die meisten Grundnahrungsmittel schlichtweg ungeniessbar. Mais, Getreide, Soja, Reis.. roh nicht in großen Mengen essbar. Geht nur gekocht. Und für die sich daraus ergebenden Probleme wurde die Medizin erfunden. Und je schlimmer es wurde, desto besser wurde die Medizin.

Hier müsste man auch mal schauen, wie die Energiebilanz ist. Würde mich nicht wundern, wenn wir da auch mittlerweile mehr Energie reinstecken, als dass wir rausbekommen in Form von Arbeitsleistung oder Produktivität. Viele sind ja nun schon in jungen Jahren chronisch krank und brauchen Medikamente und ständige Betreuung. Das sind ja auch alles recht neue Entwicklungen.

Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum und der Industrialisierung etablierte sich ein neues Wirtschaftssystem: Kapitalismus. Er war schon vorher bekannt, entstand zumindest in Ansätzen schon in allen vorhergehenden Hochkulturen jeweils im letzten Abschnitt des Höhenfluges. Ausgeklügelte Finanzsysteme, Bank- und Kreditwesen, herrschende Geldeliten – das alles haben wir nicht erst im Zuge der Industrialisierung erfunden, das alles gab es schon zig mal vorher in der Menschheitsgeschichte. Es ist jedes mal untergegangen mit dem Untergang der Hochkulturen. Auf darunterliegenden Organisationsebenen macht Kapitalismus als Wirtschaftsform einfach keinen Sinn.

Ich hatte hier im Blog ja schonmal gezeigt, wie Bevölkerungsentwicklung, der Aktienindex Dow-Jones, der Energieverbrauch und die CO2-Entwicklung zusammenhängen, korrelieren. Und tatsächlich macht Kapitalismus erst so richtig Spaß, wenn Energieüberschuss, Bevölkerungswachstum und Zivilisation zusammenkommen. Dann geht das richtig ab! Genau das ist ja auch passiert.

Nirgends vorher hat das so gezündet wie jetzt.

Aber das Feuer erlischt ja schon langsam und wir haben eine Krise nach der Nächsten.

Wann macht Kapitalismus denn Sinn? Kapitalismus ist eine Wirtschaftsform, die schnelles Wachstum fördert und schnelles Wachstum benötigt. Zusätzlich benötigt Kapitalismus ein hohes Level an Arbeitsteilung, viel freie Arbeitskraft und damit einhergehend eine Größe von realisierten Projekten, die nicht wie früher von Familienbetrieben umgesetzt werden können. Das größte, was man in Gesellschaften unterhalb von Hochkulturen baut, ist ein Haus, eine Werkstatt, eine Mühle, ein Tempel. Dafür trommelt man Familie und eventuell die Dorfbewohner zusammen (quasi erweiterte Familie) und macht es. Familie und Gemeinde helfen bei sowas mit, weil sie umgekehrt die gleiche Hilfe erhalten und sich darauf auch verlassen können. Den Bau von gigantischen Tempelanlagen, Burgen, Fabriken und anderen Großprojekten, die in einer Hochkultur notwendig werden, kann man als Dorfgemeinde nicht mehr stemmen. Es wird so viel Arbeitskraft benötigt, dass man unbekannte Leute hinzuziehen muss. Haben Sie schon mal Freunden beim Umzug geholfen? Und haben Sie schon mal Fremden beim Umzug geholfen? In den meisten Fällen werden Ihre Antworten “ja” und “nein” sein und Sie können selbst erspüren, warum Zusammenarbeit unter anonymen Bedingungen etwas ganz anderes ist als Zusammenarbeit im Kreis von Freunden und Verwandten. Warum sollten die Bewohner eines entfernten Dorfes zu uns vorbei kommen, um bei uns eine riesige Kirche mit zu bauen? Wer garantiert ihnen denn, dass wir ihnen im Gegenzug auch helfen, eine riesige Kirche zu bauen? Die auf persönlichen Beziehungen basierenden Gegenseitigkeiten und Kontrollsysteme, die in Familien und Dorfgemeinden greifen, haben in großem Maßstab keine Wirkung, weil sie sich zu leicht unbestraft aushebeln lassen. Die Anonymität der Großstadt gebiert neue Probleme und verlangt nach Lösungen. Aus diesem Grund entstand parallel zu vielen anderen neuen gesellschaftlichen Systemen auch ein Rechtssystem und in der Folge auch ein Staatssystem. Veränderungen an einer Stelle haben Veränderungen an anderen Stellen des gesellschaftlichen Lebens notwendig gemacht – so entstand eine Dynamik, die eine Kaskade von neuen Institutionen und Organisationsformen mit sich brachte. Diese Entwicklung ist noch immer nicht abgeschlossen.

Der Analitik hat gute Artikel im Blog. Der ist auch gut, weil er es schafft, ein komplexes Problem begreifbar zu machen. Eine wundervolle Gabe!

Ich möchte nicht jeden Absatz kommentieren, nur noch zwei:

Wir können nicht mehr weiter wachsen. Ein bisschen Wachstum geht noch, aber das Ende ist schon absehbar. Die aktuelle weltweite Wirtschaftsflaute ist weder zufällig noch vorübergehend. Wenn wir nicht mehr wachsen können, macht eine kapitalistische Wirtschaftsweise keinen Sinn mehr. Sie ist nur für Wachstum gut. Für den Erhalt des Erreichten ist die kommunistische Wirtschaftsweise die geeignete. Man wird sie uns unter einer anderen, emotional unbelasteten Bezeichnung kredenzen (wie wäre es mit “Nachhaltige Marktwirtschaft”?), aber sie wird kommen. Sie werden sie daran erkennen, dass der Anteil der Produktionsmittel in öffentlicher Hand zunehmen wird.

So siehts aus. Das Ende des Wachstums steht kurz bevor. Sieht man ja auch überall. Negativzins zum Beispiel. Das heisst ja nur, dass niemand mehr Kredite haben will und wenn, dass er damit keinen Zins mehr erwirtschaften kann. Der Zins IST ja das jeweilig neue Wachstum. Oder die ganzen ökologischen Folgen. Auch scheint sich die Kurve des Weltbevölkerungswachstums langsam abzuflachen.

Im Grunde ist jetzt wirklich die Zeit für die großen neuen Ideen, wie Maaz es ja forderte. Wie wollen wir in Zukunft leben?

Na ja, ich weiss, wie ich leben will, und ich lebe ja schon so irgendwo, aber die Frage ist eben, was der Rest der Truppe will.

Aber die Grenzen des Wachstums, des Kapitalismus sind nun schon sehr auffällig und nicht mehr zu leugnen. Und man wird dann wirklich neue Arten des Wirtschaftens und Zusammenlebens brauchen.

Dass wir im Moment noch in die entgegengesetzte Richtung streben, wird uns den unausweichlichen Übergang umso schwerer machen, je weiter wir noch in neoliberaler Richtung vorstoßen. In dieser Hinsicht sind Russland und China sehr viel besser für die Zukunft vorbereitet als der Westen.

Wir sind ja anglo-amerikanisch geprägt (American Dream) und da war ja Kapitalismus pur angesagt. Die Russen und Chinesen haben da ja seit der Wende anders agiert.

Schauen wir mal... wie immer werden die Übergange wahrscheinlich sehr ungemütlich, auch weil da bisher keiner wirklich forscht, wie man das machen könnte, und der Kapitalismus wird sich im Todeskrampf winden. 

Würde mich nicht wundern, wenn man irgendwann mal Silvio Gesell rauskramt und ein System mit umlaufgesichertem Geld etabliert.

Aber schauen wir mal...

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