Übrigends...

28.09.2018 11:41

...noch eine Anmerkung zu den Mimosen des gestrigen Beitrages: ich hatte auf dem Rohkosttreffen in Frankreich vor zwei Jahren auch mal das Vergnügen, ein solches labiles Exemplar zu bewundern.

Der Sohn eines langjährigen Rohkostfreundes, 18 Jahre alt damals und gerade fertig mit dem Abitur, war auch da und wollte vom Camp dann mit einer Schulfreundin zu einer Tour durch Europa starten. Besagtes Mädel kam, ich hatte sie noch vom Bahnhof abgeholt, und schlug ihr Zelt neben denen der Rohkostfamilie auf. Soweit, so gut.

Einen Tag späer dann kam der Junge zu mir und frug, ob ich sie nicht nach Bourg-en-Bresse fahren könne, sie wolle unbedingt in einem Hotel schlafen, bevor sie anderntags dann aufbrechen. Ich sagte klar und fuhr sie dann in die Stadt. Während der Fahrt hat sie mir dann erzählt, dass zelten nichts für sie wäre, auch gab es wohl einen kleinen Disput mit einer anderen Besucherin... also im Grunde alles Lapalien, bzw. Sachen, die man sich vorher überlegen könnte.

Was mich dabei so erschreckte waren Stimme und Tonfall und wie sie auf mich wirkte. Die war echt fertig, nervlich auch ziemlich am Ende und heilfroh, endlich wieder "festen Boden unter den Füßen zu haben", als ich sie am Hotel absetzte.

Also so kleine Schweirigkeiten des Lebens haben die vollkommen aus der Bahn geworfen.

Ich habe auf der Rücktour dann noch zum frisch gebackenen Abiturienten gesagt: "Na mit der Mimose wirst du viel Spaß haben in den kommenden Tagen!". Ein Jahr später erfuhr ich, dass sie keinen Kontakt mehr haben.

Die war von einem Windhauch des Lebens platt, entwurzelt, fertig, aufgelöst, wollte wieder zur Mami.

Was ist da schiefgelaufen?

Wieso war das früher nicht so?

Sind das die Helikotereltern, die nur um die Kinder schwirren? Ist es der Schrott, den die sich reinziehen?

Das Leben stellt ja immer Fragen und wir müssen dann antworten. Und ihre Antwort war eher kleinmütig. Dabei gab es nicht mal wirklich ein Problem. Da war nichts Schlimmes. Aber selbst da: fertig mit den Nerven.

Also wenn man das mal erlebt hat (sowas kenne ich ja eigentlich garnicht und es ist echt schwer, damit erstmal klarzukommen), dann kann ich mir wirklich auch die Schüler vorstellen, die dann hyperventilierend rumliegen und nach Hause geholt werden müssen.

Im Grunde sind die nicht wirklich lebensfähig.

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