Und noch eine Ergänzung

12.07.2017 00:13

Wenn man sich mal mit einem Thema beschäftigt, kommen ja nicht alle Gedanken immer auf einmal, sondern Schritt für Schritt erschliesst sich ein Thema.

Die destruktive Gewalt, die sich beim G20 Gipfel offenbart hat, ist ja hier dahingehend von Interesse, weil zur Rohkost eben auch die Liebe, Natürlichkeit und Harmonie gehört. Und wenn diese Harmonie massiv gestört wird, dann ist das ein paar Gedanken wert. Auch nützt aus meiner Sicht die Rohkost nicht viel, wenn man nicht auch in anderen Bereichen lebendiger wird, sprich an seinen Blockaden und Panzerungen arbeitet.

Der Gefühlsstau - dieser Begriff ist mir das erste mal bei Hans-Joachim Maaz aufgefallen. Dieser Begriff ist überaus treffend und kann nochmal einige Dinge bildlich machen, wieso junge Menschen destruktiv werden.

Nun gibt es ja einige Theorien, die sagen, dass das angestiftet wurde, dass da Geheimdienste mitgemischt haben, dass es nun dem Überwachungsstaat in die Hände spielt...das mag auch alles irgendwo zustimmen. Aber man darf eines nicht vergessen:

"Die Brutalität des Weltkrieges (und vielleicht er selbst) wäre unmöglich gewesen, hätte nicht das Machtbedürfnis einiger weniger Führer den Anschluss an die latente Grausamkeit des Einzelnen gefunden“ Wilhelm Reich

www.grin.com/de/e-book/88830/wilhelm-reich-zu-den-theoretischen-grundlagen-der-sexualpaedagogik

Und das ist hier ja genauso. Ohne den Anschluss an den vorhandenen Gefühlsstau hätten "Anführer" jeglicher Coleur wohl keine Chance. So aber finden sie bei den jungen Menschen eben genau das, was sie brauchen, um sie für ihre Zwecke zu nutzen. Vorausgesetzt, es war so.

Wie auch immer, diese (und andere) Jugendlichen vermissen offensichtlich etwas Grundlegendes. Etwas, was ihnen die Gesellschaft nicht gibt. Und das macht sie anscheinend über alle Maßen wütend.

Gleichzeitig können sich viele Kinder und Jugendliche nicht entfalten, werden in Kindergärten und Schulen eingepfercht (ich frage mich bis heute, wieso die dafür nicht mal Geld bekommen, schließlich ist es ein Zwang und Leistung müssen sie auch noch erbringen, und später wird ihre Ausbildung zumeist von anderen ausgenutzt, aber das ist mal ein anderes Thema), wo sie ihre Talente, ihre Neugierde, Kreativität, Schöpfergeist, Wissensdurst, Inspiration nicht wirklich ausleben und entwickeln können. Ja, oft wird das sogar negiert und regelrecht abgetötet. Außer die Alten haben genug Geld, um die Kinder auf eine Schule zu schicken, wo diese Punkte berücksichtigt werden. Aber der Rest...

Ich sehe das gerade in der Bekanntschaft. Die Tochter eines Freundes hat ein unglaubliches Talent, mit Tieren umzugehen. Ich habe ihn dann gefragt, ob das in der Schule mal erkannt und gefördert wird? Schließlich scheint das ja ihre Berufung, ihr Talent zu sein. Nö. Dafür bekommt sie Sachen aufgetischt, die ihr nicht schmecken, die schwer im Magen liegen, oft unverdaulich sind und auch noch Kopfschmerzen bereiten. Zeit, ihre Talente und ihre Interessen auszuleben wird dadurch massiv beschnitten. Der Weg ist vorgezeichnet. Schule, Ausbildung oder vielleicht Studium und wenn sie Glück hat, hat sie dann die Gelegenheit, ihr Talent zu entwickeln, wenn es nicht schon zu spät ist.

Und ich kann mir zumindest vorstellen, dass es bei vielen auch so ist und es deswegen zum Gefühlsstau kommt. Sprich, die Wut, die Enttäuschung, der Frust und das Gefühl, dass etwas fehlt, sind vorhanden, dürfen aber nicht entsprechend ausgedrückt werden.

Im Film Avatar sagt der Held an einer Stelle, dass die Navii nicht handeln werden und den Wohnbaum nicht verlassen werden. Er fragt, für was sollen sie es denn eintauschen. Light-Bier und Blue-Jeans? Und genau das ist es auch, was heute nicht wirklich verstanden wird, dass die Jugendlichen zwar alles haben, aber etwas Wesentliches eben auch nicht. Siehe Kritik an den Schulen.

Und bei einem gewissen Prozentsatz bricht sich das eben periodisch destruktiv Bahn. Der Gefühlsstau löst sich und wird vollkommen destruktiv ausgetobt.

Natürlich müssen die Menschen, die da alles kurz und klein geschlagen haben auch zur Rechenschaft gezogen werden, keine Frage. Irgendwie muss man denen ja zeigen, dass es so eben nicht geht!

Nur, ich frage mich manchmal wirklich: Blair, Bush, Chaney, Rumsfeld, Albright und wie die alle hießen, haben mit Sanktionen 500.000 KINDER im Irak umgebracht, was eine unaussprechliche Gräueltat war, und dann mehrere Kriege mit 1,5 Millionen Toten vom Zaun gebrochen, alles auf Lügen aufgebaut, ganze Regionen ins Chaos versetzt, und den Ländern die Ressourcen unter Arsch weggeklaut.

Und die laufen alle noch frei rum!

Was ist das eigentlich für ein verheerendes Signal an die Jugend?

Also das macht doch auch wütend (wie viele andere Ungerechtigkeiten auch, die es so gibt, vom Hartz4-Zwangssystem bis hin zur neuerlichen Glyphosatzulassung - die Reihe ist ja endlos) und es kommt zum Gefühlsstau, weil man man diese Wut nirgends mehr ausdrücken darf, und wenn man es macht, wird man gleich als Wutbürger bezeichnet. Und irgendwann bricht sich das Ganze eben destruktiv Bahn. Zumeist wenn man auch merkt, dass demokratische Wege irgendwie nichts bringen. Man wählt und wählt und wählt und nach der Wahl gilt nicht mehr das, was man vorher versprochen hat. Ein Beispiel: die Grünen in Hamburg. Die hatten damals ihren ganzen Wahlkampf auf ein Nein zum Elbausbau aufgebaut und als die Macht winkte, haben sie das aufgegeben.

Wir schaffen es als demokratische Gesellschaft nicht, Schwerstverbrecher und Massenmörder zu bestrafen, aber wenn ein paar Jugendliche Fensterscheiben einschmeissen, rufen wir laut nach harten Strafen.

Ich überspitze gerade, wie hoffentlich klar wird, aber das ist ja kaum noch zu verstehen.

Unsere Gesellschaft muss erst mal mit den ganzen Verbrechern an der Spitze klar kommen. Die werden aber von einer mitläuferischen Mehrheit aus Angst, dass Alternativen den Lauf der Megamaschine stören, immerhin hängt die eigene Existenz zumeist zu 100% an diesem Funktionieren, immer wieder im Amt bestätigt.
"Weiter so!"

Also dass da einige irgendwann Hass kriegen und sich dieser Hass vollkommen destruktiv Bahn bricht, ist aus meiner Sicht mehr als verständlich. Man fragt sich, dass nicht noch viel mehr passiert, aber das verhindern Computerspiele und Smartphones und Pornos offensichtlich ganz gut.

Es ist eigentlich alles ein grandioses Scheitern, eine gigantische Tragödie, aber ich kann es zumindest teilweise nachvollziehen. Deswegen mein Bemühen, die Ursachen zu verstehen und diese anzugehen. Sonst drehen wir uns im Kreis. Ich habe nämlich absolut keine Lust, irgendwann selber Opfer von vollkommen destruktiver Gewalt zu werden, noch selber irgendwann destruktiv zu sein.

Deswegen gehe ich da mit Maaz, Reich, Hüther und Senf konform, dass man präventiv agieren muss. Sprich den Kindern und Jugendlichen das gibt, was sie wirklich brauchen und somit schon das Aufkommen von Wut und Hass verhindert.

Nur, wie soll das gehen in dieser Gesellschaft? Denn wenn man es richtig macht, bricht das System zusammen. Dann werden die Kinder und Jugendlichen sehr schnell was Neues erschaffen und dann ist es aus mit Umverteilung von unten nach oben. Die würden ganz kreativ, spontan, lebendig etwas Neues erschaffen, von dem wir noch garnichts wissen, sie würden spielen und machen, was ihnen Spaß macht. Sie wären dabei äußerst produktiv und hätten noch Freunde dabei, nur die Banken und andere Systemgewinner würden ziemlich leer ausgehen.

Das muss man natürlich verhindern, bzw. so in Bahnen leiten, die man kontrollieren und gewinnbringend ausnutzen kann. Deswegen wehrt sich das Systemauch massiv gegen die Alternativen wie Homeschooling, Unschooling, Permakultur, Nicht-Impfen, Tauschkreise usw, wenn es über ein bestimmtes tolerierbares Maß hinausgeht.

Aber die Folgen sind eben solche Ausbrüche von destruktiver Gewalt. Und nicht nur rein materiell. Wenn man sich die Texte vieler Rap-Songs anhört, dann sieht man, wo sich das noch alles zeigt.

Es ist eben wirklich tragisch, dass man einfach nicht mal fragt, was da mit den Kids passiert ist. Aber das kann man wahrscheinlich auch nicht, weil es eben das ganze System in Frage stellen würde.

Also Deckel drauf und zu.

Wie immer wird die Alternative also nicht aus dem Mainstream kommen, sondern irgendwo abseits davon.

Zumindest kann man das nur hoffen.

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