Verbrecher

22.02.2017 19:44

Also ich halte ja die meisten Chemiefirmen, die ihren Mist in die Umwelt abgeben, schlichtweg für Verbrecher. Im Studium hatte ich auch das Fach "Ökotoxikologie" und war entsetzt, wie wenig man eigentlich über bestimmte Stoffe weiß, die aber dennoch in die Um welt kippt. Tonnenweise zum Teil.

Das Ganze ist alles ein riesiges Humanexperiment und die Dimensionen sind einfach erschreckend. 

Hier das nächste Beispiel:

Die DuPont-Fabrik in Parkersburg, West Virginia, hatte das Trinkwasser der Gegend mit Perfluoroctansäure (PFOA) kontaminiert und zu Gesundheitsbeschwerden unter den Klägern geführt, die dieses Wasser mitunter jahrzehntelang nichts ahnend zu sich nahmen.

Da hat man also wieder ohne Bedenken den giftigen Schrott in die Umwelt gekippt und Menschen vergiftet. Das Ganze kostet dann nur ein paar Millionen, angesichts der Gewinne ja lapidar.

Perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien (PFC) mit oberflächenaktiven Eigenschaften werden seit mehr als 60 Jahren produziert. Überall, wo Umweltchemiker heute danach suchen, werden sie fündig. Sie finden die Substanzen im Blut oder den Organen des Atlantischen Lachses und der Forellen des Ontariosees, in Eisbären und in Kegelrobben, in Kormoranen und in Seeadlern. Ob in der Ostsee oder im Mittelmeer, ob in der Arktis oder auf den Midway-Inseln inmitten des Nordpazifiks: PFC sind mittlerweile überall anzutreffen - auch im Menschen.

PFC haben sich im Trinkwasser und in nahezu jedem Winkel der Nahrungskette bis auf weiteres verewigt - weltweit. Sie reichern sich nicht wie die meisten langlebigen organischen Schadstoffe (Persistent Organic Pollutants - POPs) im Fettgewebe, sondern in Muskelgewebe, Niere, Leber und Gallenblase an; außerdem vermögen sie Bindungen mit Proteinen des Blutserums einzugehen.

Klasse, oder? Und jetzt nennt man Naturvölker in liebevollen Gemeinschaften primitiv, verunglimpft unsere Vorfahren als "wie die Neanderthaler" oder spottet über Menschen, die sich dem widersetzten (Ökofritzen, Spinner). Das macht man, während man selber die Ökosphäre vollkommen ungebremst mit irgendwelchen giftigen Schrott anreichert, und das bis in die Neuzeit hinein. Jetzt ist ja die Mikroplastik ein Problem und die ganzen Altlasten zirkulieren immernoch in der Umwelt.

Und immer wieder gibt es einen Hinweis: reichert sich in der Nahrungskette an. Kommt da niemand mal drauf, da den Zusammenhang zwischen eigener Vergiftung mit giftigen Molekülen und der Vergiftung der "Mutter Erde" zu sehen? Das eine hängt ja stark mit dem anderen zusammen.

Es fehlt einfach auch an Weitblick. An Weisheit, das eigene Handeln auch mal abzuschätzen. Aber grundsätzlich sehe ich das Geldsystem als relevante Ursache, die zwingt alles und jeden, sich dem Diktat der Gewinnmaximierung zu unterwerfen. Und dann ist sowas eben das Ergebnis.

In Säugetieren können Perfluortenside wie PFOS und PFOA nach Aufnahme leicht die Blut-Hirn- sowie die Blut-Plazenta-Schranke überwinden. PFC wurden in Föten und Neugeborenen nachgewiesen. Sie werden kaum ausgeschieden. Die biologische Halbwertszeit von PFOS im menschlichen Blutplasma wird mit 8.7 Jahren beziffert, für PFOA beträgt sie 4.4 Jahre. Forscher zeigten, dass diese Verbindungen an Labortieren Krebs verursachten und die geschlechtliche Entwicklung störten. Epidemiologische Forschungen legen nahe, dass ähnliche Effekte auch beim Menschen zu erwarten sind.

Wie muss man eigentlich jemanden nennen, der sowas absichtlich in die Umwelt und später dann in die Nahrungskette gibt? Wieso gibt es da immer nur Geldzahlungen und nie wirkliche Haftstrafen?

Wenn ich meinen Nachbarn irgendwas ins Wasser kippe und der geht drauf, dann muss ich doch auch in den Knast. Macht man das im großen Stil, dann passiert nicht wirklich was.

Zieht euch mal den Schwachsinn rein:

Die in der Umwelt angetroffenen Konzentrationen gelten zwar nicht als akut toxisch. Bei Studien zur subchronischen Giftigkeit an Nagetieren und Primaten fand man jedoch schon bei niedrigen Konzentrationen leberschädigende, immuno- und neurotoxische Reaktionen. Besonders kritisch werden die Befunde der Tierversuche hinsichtlich der Beeinträchtigung der Entwicklung bewertet. Die Verbindungen gelten mittlerweile als endokrine Disruptoren.

Ach so. Gelten nicht als akut toxisch, aber sind es doch. Es wäre vielleicht besser, es wäre akut toxisch, dann geht es einem richtig schlecht, man kotzt, muss ins Krankenhaus und das Zeug wird identifiziert. So aber ist das wieder so ein unterschwelliger, schleichender Vergiftungsprozess. Typisch Kochkost eben. Da ist es ja auch so... schön langsam und schleichend geht da die Vergiftung.

Und jetzt kommt es: die wussten das!

3M und DuPont hatten über mehrere Jahrzehnte geheime medizinische Untersuchungen über PFOA durchgeführt. 1961 erkannten DuPont-Forscher, dass die Chemikalie die Leber bei Ratten und Kaninchen vergrößern konnte. Ein Jahr später fanden sie ähnliche Ergebnisse bei Hunden.

Hat die aber nicht davon abgehalten, das Zeug weiter zu verkaufen.

(...)

DuPont hat all diese Warnhinweise nicht publik gemacht, auch nicht bei der US-Umweltschutzbehörde EPA.

Klasse, oder?

In den 1990er Jahren hatte man bei DuPont erkannt, dass PFOA in Labortieren Hodenkrebs, Bauchspeicheldrüsen- und Lebertumoren hervorrief. Eine Laborstudie legte mögliche DNA-Schäden durch PFOA-Exposition nahe, eine andere verband die PFOA-Exposition von Arbeitern mit Prostatakrebs. DuPont beeilte sich nun, eine Alternative zu PFOA zu entwickeln. Eine innerbetriebliche Kurznachricht vermeldete 1993 eine erfolgversprechende Substanz, die weniger giftig schien und im Körper über eine viel kürzere Zeitspanne verblieb als PFOA. In der Unternehmenszentrale von DuPont wurden Gespräche geführt, um den Umstieg auf die neue Chemikalie zu diskutieren, doch letztendlich fiel die Entscheidung dagegen aus. Das Risiko war zu groß: Produkte, die auf PFOA basierten, waren ein zu wichtiger Teil des DuPont- Geschäfts.

Es ist nur noch abartig. Jetzt mal ohne Scheiß... ist das System kaputt oder ist es kaputt? Wenn es nur noch um Geld und Macht geht, dann ist es wirklich schrottreif. Und damit sind auch die Gerichte, die Umweltämter, die Ministerien und wer da alles noch mit drin hängt gemeint. Und im Grunde sogar die Menschen, die das letargisch über sich ergehen lassen. Denn jetzt kommts:

2005 einigte sich DuPont mit der EPA, die das Unternehmen beschuldigt hatte, das Wissen über die Toxizität und die Verbreitung von PFOA in der Umwelt verborgen zu haben. DuPont hatte damit gegen den Toxic Substances Control Act verstoßen. Das Unternehmen wurde jedoch nicht zur Anerkennung einer Haftung verpflichtet. Die verhängte Strafe von 16.5 Millionen Dollar galt bis dahin als größte von der EPA in ihrer Geschichte verhängte zivilrechtliche Ordnungsstrafe - weniger als 2 Prozent der DuPont-Gewinne in diesem Jahr, die durch PFOA eingespielt wurden.

Erinnert mich an Bewährungsstrafen für Körperverletzung oder Vergewaltigung. Das Opfer hat lebenslang damit zu kämpfen, während der Täter nichts wirklich zu befürchten hat.

Das die Behörden da Teil des Problems sind, war mir schon lange klar:

2001 kam es zu einer Sammelklage gegen DuPont. Zu diesem Zeitpunkt war in der Öffentlichkeit nur wenig über die Folgen von PFOA im Trinkwasser bekannt. Erst 2009 setzte die EPA einen vorläufigen Grenzwert von 0.4 ppb für eine kurzzeitige Exposition über das Trinkwasser fest. Ende 2016 gab die Behörde einen Richtwert für die Wahrung einer lebenslangen Gesundheit vor, der als summierte Konzentration von PFOA und PFOS bei 70 ppt liegen soll. Der Wert ist als Ratschlag zu verstehen; er ist nicht gesetzlich bindend.

Teil des Problems.

2006 schließlich stufte die EPA PFOA als "wahrscheinlich kanzerogen" ein. Um die Substanz allmählich auszumustern, lancierte die EPA das 2010/2015 PFOA Stewardship Program, in dem sich die größten nordamerikanischen, europäischen und japanischen Hersteller von Organofluorchemikalien (Arkema, Asahi, BASF (als Nachfolger von Ciba), Clariant, Daikin, DuPont, 3M/Dyneon, and Solvay Solexis) verpflichteten, darauf hinzuarbeiten, ihre globalen PFOA-Emissionen herunterzufahren und die Chemikalie bis 2015 aus der Produktion und aus Produktverunreinigungen zu verbannen. In Europa wurde PFOA 2013 in die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe gemäß der EU-Chemikalienverordnung REACH aufgenommen.

2013, und man weiß seit Anfang der 60er, dass da was nicht stimmt. Man hat also fast 50 Jahre das Zeug in die Umwelt gekippt. Und macht es bis heute. Denn anders als bei einem Einzeltäter, den man in den Knast steckt, ist es hier so: "Ok Buddy, wir wissen, dass du mit deinen Handlungen die Leute vergiftest, wir wissen aber auch, dass du davon lebst, also geben wir dir Zeit dass ganze allmählich umzustellen."

Ja, so ist das in dieser Welt.

Wisst ihr, was ich ganz erschreckend finde: es gibt viele Menschen, die machen sich trotz dieser Auswirkungen zu Anwälten des Systems, dass sie massiv gesundheitlich beeinträchtigt. Ist das irgendwie das Stockholm-Syndrom? Mir ist das in vielen Diskussionen aufgefallen, dass sich anscheinend ganz normale Menschen, die anscheinend nicht irgendwie von Gentechnik, Chemiekram und anderen Sachen profitieren, dass die sich stark Pro positionieren.

Die haben also NICHTS davon, verteidigen aber den ganzen Irrsinn.

Das hat mich immer wieder gewundert.

Wenn ich sowas lese, macht es mich wirklich wütend, weil ich mich machtlos fühle. Ich kann ja oft nicht mal im eigenen Umfeld wirklich was bewirken, geschweige denn in großem Maßstab und muss dann mit diesen Tatsachen leben, dass das Zeug und vieles andere, gibt ja mehrere zehntausend Substanzen, die künstlich erzeugt werden, weiter hin in die Umwelt gekippt werden. Mikroplastik ist der neueste Irrsinn.

Ich bin da wirklich froh, dass es Menschen gibt, die da kämpfen und mit viel Kraft und Ausdauer gegen diese Chemieriesen angehen.

Da muss man mal herzlich DANKE! sagen.

Aber wie lebt es sich als Manager, als Verantwortlicher? Wie fühlen die sich, wenn die da in Meetings sitzen und Ergebnisse in die Hand bekommen?

Ein normaler Mensch sagt doch da sofort: verdammt, das können wir nicht machen! Eben weil er Empathie hat und das potentielle Leiden, was da passiert, "mitfühlt". Offensichtlich sitzt da ein Gemisch aus eiskalten Managern, empathielosen Anwälten und Menschen, die vielleicht noch einen Restbestand an Empathie haben, den aber schön unterdrücken.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass in der Steinzeit anhand genetischer Untersuchungen herausgefunden wurde, dass es damals nur 0,0irgendwas Psychopaten gab, heute aber rechnet man mit 5% der Population.

Und wer hat Schuld?

Die Frauen!

Die suchen sich nämlich die Erfolgreichen als Paarungspartner und wenn das System die Psychopaten begünstigt, dann vermehren die sich auch entsprechend.

Ich halte deswegen das System für schrottreif!

Das ist es alles nicht wert!

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