Vielfalt oder Wüste

18.10.2018 12:00

Ich habe ja immer so die Idee, dass es im Grunde auf Vielfalt ankommt, damit man Stabilität erreicht. Monokulturen sind ja zumeist sehr anfällig und benötigen enorme Mengen an Pestiziden und anderen Wirkstoffen, um sie zu erhalten, während der Biogarten oder die sogenannte Agroforstwirtschaft, hier viel weniger Chemie benötigen, einfach weil mehr Nischen entstehen, die dann auch von Nützlingen besetzt werden, die wiederum die Schädlinge in Schach halten.

Diese Kombination aus Obstbäumen, Nutzflächen, Sträuchern und essbaren Hecken ist auch für meinen Garten das Vorbild.

Das Foto ist vom September 2017. Man sieht hier aber mal schön diese Kombination aus Bäumen und Nutzflächen.

Das Ganze hat tatsächlich folgende Vorteile:

  • Lebensraum für Tiere (Nützlinge und Schädlinge; je größer die Artenvielfalt, desto weniger störanfällig ist ein Ökosystem häufig).
Also auch ein Garten ist ein kleines Ökosystem. Und je mehr Nischen man bietet, desto stabiler wird das Ganze. Deswegen dürfen bei uns auch die Spatzen in jeder Ecke am Haus brühten und sich im Garten ihre Nahrung suchen. Deswegen liegen dort zwei Totholzhaufen und es wird gleich in den Beeten eine Flächenkompostierung durchgeführt. Je mehr Arten sich einfinden, desto besser. Desto stabiler wird das Ganze.
 
Aber klar: es bleibt immer ein Kulturraum, aber man kann sich zumindest an der Natur orientieren.
 
Ich muss auch sagen, dass ich vieles garnicht "bewusst" mache, sondern oft kommt es so instinktiv zu mir. Die Anlage und Gestaltung war und ist auch immer etwas gefühlsabhängig: wie fühlt es sich an, wenn ich es so oder so machen will?
 
Das ist auch so ein bisschen eine Kombination aus Fachwissen und intuitiver Verbundenheit zum Ganzen.
 
  • Verringerung der Bodenerosion eines Feldes durch den Windwiderstand der Bäume (damit auch gleichzeitig Verdunstungsverringerung; mehr Wind in Bodennähe, führt zu stärkerer Verdunstung).
Das ist noch ein Problem, weil wir den Westwind aus erster Hand bekommen und die angelegte Hecke einfach noch nicht groß und dicht genug ist. Aber die habe ich schon als Windschutz angelegt. Nur dauert es eben, bis die diese Aufgabe gut erfüllen kann.
 
 
Wir haben hier ja die Abfolge "Essbare Hecke", Beete, Obstgehölze, Nutzgarten (im Foto oben stehe ich vor der Hecke deswegen sieht man die nicht).
 
Es wird noch dauern, bis die Hecke so dicht und hoch ist, dass sie wirklich ihre Funktion erfüllen kann. Bis dahin muss es ebenso gehen.
 
  • Zugleich erleichtern Bäume bzw. ihre Wurzeln das Eindringen von Wasser in den Boden und tragen so zur Verminderung der Wassererosion bei. Sie dienen außerdem der Überschwemmungsprävention, indem sie den Oberflächenabfluss nach Regenfällen minimieren, und können zur geringeren Gewässerverschmutzung durch landwirtschaftliche Düngemittel beitragen.
Betrifft uns hier nicht so...
 
  • Erhöhte Beschattung, was bei kombinierter Tierhaltung (Kombination von Weideland mit Bäumen) dem Schutz und dem Komfort der Tiere dient. Gleichzeitig wird durch den Schatten vor allem im Sommer auch der Boden kühl gehalten, was wiederum zu einer verringerten Verdunstung führt (erst bei größeren Bäumen möglich; wichtiger Faktor in trockenen Gebieten).
Hühner sind der nächste Schritt. Die können dann unter den Bäumen rumpicken und sind gleichzeitig vor Raubvögeln geschützt. Milane sind da nicht zimperlich und haben schon so manches Huhn in der Nachbarschaft geschlagen.
 
Die Hühner waren ja schon heuer geplant, aber die lange Trockenheit hat dann den Plan doch etwas geändert..lol
 
Aber ich bin wirklich ein Fan solcher Kombinationen, so dass man pro Fläche eben einen hohen Nutzen hat und vieles miteinander kombiniert, so dass sich unendliche Synergieeffekte einstellen und man mit gleichem Aufwand mehr Nutzen hat.
 
  • Lieferung von kostenlosem Dünger (d. h. geringer bzw. kein Einkauf von Kunstdünger), da Bäume (je nach Art) mit ihren tief im Boden verankerten Wurzeln pflanzliche Nährstoffe nach oben befördern und nach dem Laubfall diese Nährstoffe wiederum an die oberste Bodenschicht und damit über Destruenten an die dort wurzelnden Nutzpflanzen abgeben. Da zudem dieser natürliche Dünger für die Bodenfauna besser geeignet ist (wirkt anregend), wird diese gestärkt und sorgt ihrerseits wiederum für eine bessere Bodenqualität (Krümelstruktur).
Es ist schon auch so, dass den Menschen zum Teil einfach das Gefühl für solche banalen ökologischen Zusammenhänge abgeht. Meine Oldies haben jedes Jahr das Laub geharkt und irgendwohin entsorgt. Damit habe ich natürlich SOFORT aufgehört, als ich das hier aufgebaut habe und jetzt wird jedes Blatt kompostiert und das ergibt wirklich den besten Humus.
 
Der Wald produziert ja seinen Humus permanent über diese Eigenblattdüngung quasi selber.
 
Wie man auf die Idee kommt, das Laub zu entsorgen und sich noch über den Laubfall zu ärgern, ist für mich nur durch eine enorme Entfremdung von natürlichen Zusammenhängen erklärbar.
 
  • Kühlung im Sommer durch den Verdunstungseffekt über die Blätter des Baumes (wie oben entsteht der Effekt erst durch eine gewisse Baumgröße). Die Wurzeln sind auch in der Lage aus tiefliegenden Wasserschichten Wasser nach oben zu befördern. Pflanzen werden dadurch vor allzu starkem Hitzestress geschützt (beispielsweise bei Extremereignissen wie dem Hitzesommer 2003). Auch Bodenorganismen werden bei allzu große Hitzeeinwirkung beeinträchtigt, was durch Kühlung verhindert werden kann.
Dazu müssen die Bäume schon eine gewisse Größe haben, was bei meinen Halbstämmen wohl nicht der Fall ist. Also eine echte Kühlwirkung habe ich so im neuen Garten noch nicht beobachten können. Nur dort, wo die zwei Eschen und die große Kirsche steht, war es tatsächlich im Sommer signifikant kühler und feuchter und somit auch länger grüner als auf den restlichen Flächen.
 
Für diese Effekte braucht es also schon eine gewisse Baumgröße.
  •  Bäume in Agroforstsystemen sind wesentlich leichter zugänglich als in Waldgebieten und können dadurch besser gepflegt und „geerntet“ werden.
  • Da die Baumreihen relativ weit auseinanderstehen, erhalten diese Bäume wesentlich mehr Licht als innerhalb eines Waldgebietes. Zudem bestehen solche günstigen Wachstumsbedingungen bis sie geerntet werden. Dadurch wachsen die Bäume sehr gleichmäßig, im Unterschied zur üblichen forstwirtschaftlichen Praxis, bei der Bäume regelmäßig aus einer Baumgemeinschaft entfernt werden, was zu Wachstumsschüben in den Nachbarbäumen führt. So entsteht in Bäumen aus Agroforstsystemen eine feine und gleichmäßige Maserung des Holzes, was nicht nur ihren Verkaufswert steigert, sondern gleichzeitig zu einer größeren Holzfestigkeit führt (höhere Bauholzqualität).
Betrifft mich jetzt nicht so, weil wir ja keine forstwirtschaftlich relevanten Bäume nutzen.
  • Aufwertung des Landschaftsbildes, das vielgestaltiger wirkt als eintönige Monokulturflächen.
Also es ist einfach paradisischer, erholsamer und wirkt ausgleichend und harmonisierend auf die Psyche, wenn man Bäume, Sträucher und Gartenflächen gut miteinander kombiniert.
 
Da braucht es aber auch ein bisschen ein Gefühl für Harmonien und für Proportionen. Wenn das passt, dann wirkt es schon sehr viel harmonischer als dass, was wir früher da mal hatten: erst einen reinen Kartoffelacker, später dann eine Rasenfläche mit ein paar Ziersträuchern.
  • Nährstoff-Kreislauf bleibt erhalten

Ganz wichtig!!!

Ich bin ja auch erstaunt, wieviel Dünger man als Mensch selber produziert. Ich habe in den letzten Wochen mal meine flüssigen Ausscheidungen gesammelt und, 1:10 verdünnt, als Düngung genutzt. Ein Freund von mir, ebenfalls roh und gartenbautechnisch versiert, hat mich dazu mal angehalten. Und das hat wunderbar funktioniert und die so gedüngten Pflanzen stehen kräftig und gesund da.

Warum auch nicht?

Ich ernähre mich 100% rohköstlich und scheide nichts aus, was mit Tablettenrückständen, Maillardmolekülen, Pestizidrückständen und ähnlich unnatürliche Stoffe belastet ist. Oben Äpfel und Salate rein, unten natürliche Düngung wieder raus.

Und wieso sollte ich damit das Trinkwasser verschmutzen und dieses dann verschmutzte Trinkwasser auch noch wegspülen und am Ende muss ich das auch noch teuer bezahlen? Das ist doch der pure Irrsinn. Da kann ich es auch so machen und spare mir den Wasserverbrauch und halte die Nährstoffe auf der Fläche.

Selbiges geht dann mit einem Humusklo natürlich noch besser.

Aber klar, es gibt wie immer, auch Nachteile dieser an die Natur angelehnten Methode:

  • Die Vielzahl der Produkte bei jeweils verhältnismäßig kleinen Mengen erschwert die Vermarktung und erhöht somit die Transaktionskosten für die Produzenten.
Also das ist wirklich ein wichtiger Punkt! Für mich persönlich ist es ja OK, dass man viele Produkte in überschaubaren Mengen hat. Große Auswahl, ohne zuviel wegwerfen zu müssen, ist eh ideal.
 
Wenn man aber noch etwas verkaufen wollte, wirds schon schwieriger. Das geht eigentlich nur gut mit Leuten, die auch Auswahl und Vielfalt haben möchten und die man aus den Überschüssen versorgen kann. Massenproduktion geht so nicht gut. Deswegen sind so produzierte Produkte zwar gesünder, auch für die Natur, aber eben auch teurer.
 
Man darf auch die Arbeit nicht unterschätzen.
 
In der Agrarwüste kann ein Mensch plus Traktor relativ schnell große Flächen bearbeiten und mit entsprechenden Pestizideinsatz die Kulturen frei halten. Das geht so in einem Agroforstsystem in dem Umfang nicht. Da bräuchte es im Grunde mehr Arbeitskraft, um die gleichen Mengen zu produzieren. Die wären dann zwar weitaus gesünder, auch für die Natur, aber eben auch teurer.
 
Das Problem ist ja, dass bei der Preiskalkulation in der normalen Landwirtschaft die Folgekosten nicht eingepreist sind. Ich hatte das ja hier (rohkost4.webnode.com/news/immer-wieder-die-zigarettenbilder/) schonmal ausführlich dargelegt. Würde man die ganzen Folgekosten wirklich auf die Produkte umschlagen, wären diese über Nacht weitaus teurer und Produkte aus gesünderen Strukturen hätten ein echte Chance.
 
Das passiert aber nicht, weil es nicht gewollt ist.
 
  • Landwirte müssen sich zusätzlich mit wesentlich mehr Themengebieten rund um die Aufzucht der Bäume beschäftigen bzw. weiterbilden (Aufzucht, Baumschnitt, Fälltechnik, Vermarktung). Was langfristig auch von Vorteil sein kann, da der Landwirt ein breiteres Wissen besitzt, mit dem er auf Veränderungen reagieren kann.
Na gut, das kann ja eigentlich kein Nachteil sein. Es macht schon Spaß, sich mit der Breite des Wissens beschäftigen zu müssen. Das geht beim Baumschnitt los und der Frage, ob das überhaupt notwendig ist und endet beim Klima und der Meteorologie. Auch hier ist Vielfalt Stabilität.
 
  • Die Aufzucht der Bäume erhöht den Arbeitsaufwand pro Hektar Feldfläche und Jahr. Dazu zählt auch ein gesteigerter Rangieraufwand für die Erntemaschinen wegen der Bäume.
Betrifft mich auch, wenn ich mt dem Handwagen und der Karre rumrangieren muss!! lol
 
  • Da die Bäume erst ab einem gewissen Alter „geerntet“ werden können, kann dies unter bestimmten Bedingungen zunächst auch zu einer Ertragseinbuße pro Hektar führen. Die positiven Auswirkungen des Agroforstsystems – d. h. sein Zusatznutzen, der einen Teil des Verlustes ausgleichen kann – machen sich erst nach einigen Jahren bemerkbar

Stimmt.

Wenn ich ein Feld anlege und Mais für Gasanlagen produziere, habe ich im ersten Jahr den vollen Ertrag. Das ist bei solchen natürlicheren Systemen nicht der Fall. Da dauert es eben, bis die Obstbäume tragen und bis der Baum am Ende seinen vollen Nutzen bringt.

Da muss man eben langfristiger planen und schauen, wie sich das ausgleicht.

Das große Problem sind ja heute die Subventionen. Es ist ja politisch gewollt, dass die Lebensmittel so billigst wie möglich produziert werden, damit eben vom Einkommen der restlichen 98% der Bevölkerung, die nicht in der Landwirtschaft arbeiten, genug übrig bleibt, um die ganzen anderen Industrieprodukte kaufen zu können.

Es ist eben so: mit einem natürlichen Anbau habe ich dann zwar insgesamt bessere und gesündere Strukturen geschaffen, aber die bringen kein Geld! Bzw. sind eben im Vergleich zur konventionellen Methode ungleich teurer, ohne dass man eine einzige Kalorie mehr auf dem Tisch liegen hat.

Es gibt ja einen Grund, wieso es eine so rasante Fahrt auf den Abgrund zu gibt. Weil die Strukturen so sind, dass eben immer das schlechtere belohnt wird.

Wer industriemäßig ohne Rücksicht auf Verluste produziert und das auch noch subventioniert bekommt, na der setzt sich am Markt einfach durch. Die Masse greift dann (so ist es ja beabsichtigt) zu diesen Produkten und das führt dann eben zu den ganzen Problemen, während die gesünderen Strukturen hier im Wettbewerb eigentlich keine Chance haben oder erst dann, wenn die konventionelle Produktion solche Probleme gemacht hat, dass es so nicht mehr geht.

Bis dahin sind das hochpreisige Nischenprodukte.

Ich schaue gerade so nebenbei Phönix vor Ort mit Debatten aus dem Bundestag. Ton ist aus, ertrage das Geschwafel nicht, aber Bild läuft. Und wenn ich mir die Gestalten da mal so anschaue, so diese zum großen Teil alten, verfetteten und aufgetakelten Figuren, dann weiß ich, dass von denen keine politische Wende in der Hinsicht zu erwarten ist.

Manchmal fährt die Kamera so in Nahaufnahme durch den Plenarsaal und was man da zu sehen bekommt, kann man mit dem Wort "schön und gesund" nicht beschreiben. Die haben alle so diese Getreideesserfigur. Die Weizenwampe und zum Teil haben viele gar kein Kinn mehr, also zum Teil richtig deformierte Gesichter.

Na ja, und da muss man sich natürlich fragen, ob man da etwas anderes als das, was wir geboten bekommen, erwarten kann.

Wahrscheinlich nicht.

Ich seh das ja bei mir: nur durch einen entsprechenden Leidensdruck kam ich zur Rohkost und in weiterer Folge dann eben zum Naturschutz, zur Ökologie und dann eben auch zu der Frage, wie kann ich mich angesichts des Schrottes in den Supermärkten, der für einen Rohköstler weitestgehend nicht essbar ist, selber versorgen? Viele wollen dann auswandern... klar... aber für mich war das irgendwie keine Option und so versuche ich hier entsprechend was zu machen.

Und dann landet man eben bei solchen Themen wie hier behandelt.

Ich mache manchmal so Gedankenspiele und stelle mir vor, wie die Typen da im Bundestag auch mehr Rohkost essen (oder trinken) würden, statt Kaffee, Kuchen, Kantine und ich bin mir sicher, dass alleine das zu gravierenden Veränderungen im Bewusstsein und in weiterer Folge dann der Politik führen würde.

So aber sind wir eben in der Masse permanent im Mangel (körperlich, seelisch, energetisch), deswegen gierig, süchtig und verfressen und kommen dann immer wieder zu Entscheidungen, die genau diese Gier und diese Sucht ausdrücken.

Der Maaz hat das ja angesprochen, dass die meisten ein Gefühl haben, falsch zu leben, es aber aufgrund der gesellschaftlichen Zwänge sehr schwer ist, ein gesünderes Leben überhaupt zu führen, weil man dann sofort weniger konkurrenzfähig ist in dieser süchtigen Gesellschaft.

Deswegen werden wir wohl noch mit einigen Entwicklungen konfrontiert werden (müssen), die man gemeinhin als schlimm betrachten würde, die aber wohl notwendig sind, um am Ende wieder zu einem gesünderen Leben zu gelangen. Wir sind ja gesamtgesellschaftliche gerade auf der Stufe des Selbstbetruges. So wie ein Alki, der nicht wahrhaben will, dass er Alki ist und versucht, die Fassade noch aufrecht zu erhalten, obwohl er schon zwei, dreimal mit vollgepisster und vollgeschissener Hose irgendwo aufgewacht ist.

Und bevor das wirklich eine Umkehr hin zu einem gesünderen Leben geben kann, stehen "uns" wirklich noch sehr sehr schmerzliche Einsichten bevor.

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