Vollkommener Größenwahn

24.09.2019 18:17

Ich wollte eigentlich nichts dazu schreiben, aber nun habe ich mich doch hinreissen lassen, weil mir die Absurdität des Ganzes erstmal richtig wie Schuppen von den Augen gefallen ist.

Es geht um Greta und ihre emotionale Rede vor der UN. Wer will, kann sich das bei Youtube anschauen.

Was viele vergessen haben: 1992 gab es schon einmal einen vergleichbaren Auftritt einer jungen Frau. Siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=oJJGuIZVfLM
Damals hiess sie nicht Greta, sondern Severn Cullis-Suzuki. Der Wortlaut war fast gleich. Hört euch das mal an.

Was ist daraus geworden?

Nun ja, in Europa wurde darauf hin die Richtlinie 92/43/EWG, kurz FFH-Richtlinie, erlassen, die dann in die nationale Gesetzgebung einfloss.

Da ich ja aus der Branche komme und das damals erlebt habe, wie das so ab 2002 ernstlich eingeführt und umgesetzt wurde, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es für den Erhalt der Lebensräume und Arten rein garnichts, bzw. mit viel Wohlwollen betrachtet, nur sehr wenig gebracht hat.

Was es aber brachte, war WACHSTUM.

Im Zuge der Umsetzung der FFH-Richtlinie schossen Planungsbüros wie Pilze aus dem Boden, die nun die Managementpläne ausarbeiteten, die nun das Monitoring durchführten und die nun die Belange des Naturschutzes in der Planung berücksichtigten.

Es wurden hunderte Leitfäden erarbeitet, jedes Bundesland für sich, manchmal nur für bestimmte Sektoren wie Straßenbau, es gab Bücher, Konferenzen, Seminare, Lehrgänge, Investitionen in neue Computertechnik und es wurden Berichte geschrieben... ich erinnere mich, kein Scherz, dass für ein mittelgroßes Steinbruchprojekt in Östereich die Unterlagen MIT EINEM TRANSPORTER zur Behörde gefahren wurde.

Hat sich in den betreffenden Gebieten (FFH-Gebiete) oder für die betreffenden Arten (Vögel und FFH-Anhangsarten) etwas grundlegend verbessert?

Nö.

Ich habe manche Gebiete ganz direkt betreut. Es wurde viel Geld MIT den Gebieten verdient, aber es gab kaum wirkliche Umsetzung von Maßnahmen, um die Arten in einen guten Erhaltungszustand zu bringen. Zu konfliktträchtig, da es ja immer auch Nutzungseinschränkungen bedeutete. Und wo man das durchbringen konnte, wie im Wald und auf Grünlandflächen, zumeist über Vertragsnaturschutz, wurde es für den Steuerzahler teuer. Denn der Landwirt / Waldbesitzer hat sich den Ertragsausfall ja bezahlen lassen. Oder eben die Landschaftspflege. Das wurde dann auch bezahlt.

Ich habe selber erlebt, wie für Miniprojekte, die man mit einer Besprechung, einer Vor-Ort-Begehung und einem Protokoll abhandeln hätte können, 400 Seiten Berichte, von mehreren Leuten erstellt, ausgearbeitet wurden. Von den Kosten wollen wir garnicht erst reden.

Das war alles nur Fake. Bullshitjobs wurden kreiiert, das war nur ABM und das Aufblasen eines Wirtschaftszweiges, nämlich der Planungsbüros.

Im Grunde hat man sich an der Natur einen runtergeholt.

Hat sich der Erhaltungszustand nach 1992, passend zur Konferenz in Rio, grundlegend zum Positiven geändert?

Nö.

Vielen Arten gehts es heute nicht besser als gestern. Aber es hat alle Projekte sehr viel teurer und zeitaufwendiger gemacht. Und Studien haben gezeigt, dass 70% (!!!) aller Ausgleichs.- und Ersatzmaßnahmen nicht funktionieren.

Und die größten Verursacher des Artensterbens, die Land- und Forstwirtschaft, hat man vollkommen ungeschoren gelassen.

Und jetzt, wo man die nächsten Maßnahmen im großen Rahmen umsetzen will, kommt wieder eine junge Frau und wird uns mit fast gleichem Text präsentiert. Ähnlich dramatisch, ähnlich emotional.

Kurioserweise ist die Generation 1992 nun Anfang / Mitte 40, also genau die, die nun die Konsumgesellschaft bilden. Die hatten doch die Chance, das alles zu ändern. Haben sie aber nicht, trotz dass da eine junge Frau eindringlich warnte, das ihre Generation später leiden wird.

Und nun greift Greta genau diese Elterngeneration an, die damals ihre Eltern angegriffen haben.

Ich halte das alles für Fake. Für Strategie, für Lug und Trug und ein großes Theater.

Ich habe später meinen Job wegen Bullshithaftigkeit gekündigt und hier angefangen, meinen Kram zu machen. Ich habe die Diversität durch einfache Maßnahmen steigern können und den Verbrauch an Pestiziden und Zeugx auf NULL gesenkt.

Damit habe ich in wenigen Jahren mehr erreicht, als in den ganzen Jahren in der Planung.

Was kaum einer weiß: viele Maßnahmen funktionieren genau deswegen nicht, weil man sie umsetzt, zwei drei Jahre begleitet und dann sich selber überlässt. Oft werden Wiesen dann wieder umgebrochen, Wälder wieder umgebaut, Flüsse und Bäche wieder begradigt und trockengelegt.

Ich halte das aus eigenem Erleben schlichtweg für Fake und Nonsens.

Ich will hier die Planer nicht bashen, die sind ja alle zumeist mit dem Herzen bei der Sache. Wobei ich gerade bei langjährigen Experten einen gewissen Zynismus festgestellt habe. Aber das Gro ist da echt engagiert.

Nur: Man hat so den Artenschwund nicht in den Griff bekommen, und man wird auch so das Klima nicht retten.

Dazu bedürfte es einer ganz anderen, viel tiefergreifenden gesellschaftlichen Umstrukturierung in etwas, wo wir alle noch nicht wissen, wie es aussehen kann, wie es im Dteail funktioniert und wie wir die fehlende Dopaminausschüttung durch den dann fehlenden Konsum in den Griff bekommen.

Sowohl Severn Cullis 1992 und nun Greta haben es bestimmt ernst gemeint. Ich will das denen nicht absprechen. Aber wer meint, dass sich dadurch ausser mehr Bürokratie und Bullshitjobs etwas ändert, der wird enttäuscht sein.

Außer einer aufgeblähten Bürokratie und Abzocke durch verteuerte Projekte, die dann dennoch umgesetzt werden, ist nicht viel passiert.

Ähnliches befürchte ich auch jetzt.

Noch mehr Bürokratie und verteuerte Produkte.

Dabei wissen wir eben NICHT mit schlussendlicher Sicherheit, wie groß der Einfluss des Menschen aufs Klima ist und ob es nun nur das CO2 ist.

Was wir wissen, und zwar mit ziemlicher Sicherheit, sind die Gründe für den Rückgang der Arten. Das sind vor allem Lebensraumverlust, Nachstellung / Nutzung, Invasive Arten vor allem in Inselökosystemen, intensive Land- und Forstwirtschaft und dann auch der Klimawandel. Der kommt aber erst ganz am Schluss.

Das muss man sich vorstellen: 1992, riesige Konferenz, große Emotionen und danach Maßnahmen zum Schutz. Und hat es was gebracht? Nö. Nur ganz begrenzt. Aber teuer wars.

Der letzte Bericht zum Erhaltungszustand für Deutschland:

Für den Nationalen Bericht 2013 zur FFH-Richtlinie wurden für die drei biogeografischen Regionen insgesamt 363 Bewertungen des Erhaltungszustands von Arten sowie 11 Bewertungen von Artengruppen vorgenommen (zusammen 374 Bewertungen), wobei zahlreiche Arten beziehungsweise Artengruppen in mehreren Regionen auftreten.

Insgesamt ist bei 25 Prozent der Arten der günstige Erhaltungszustand erreicht. 29 Prozent zeigen einen schlechten und 31 Prozent einen unzureichenden Erhaltungszustand. Besonders ungünstig ist der Zustand bei Amphibien, Wanderfischen, Schmetterlingen und Moosen.

In der alpinen Region wurden die 80 bewerteten Arten am günstigsten beurteilt. Gleichzeitig existieren hier aber noch die meisten Datenlücken. In der atlantischen und kontinentalen Region befinden sich nur rund ein Fünftel der bewerteten Arten in einem günstigen Zustand. Dies spiegelt den allgemein höheren Nutzungsdruck auf die Flächen dieser Regionen im Vergleich zur alpinen Region (außerhalb der Tallagen) wider.

https://www.bfn.de/infothek/daten-fakten/zustand-der-natur/tiere-pflanzen-und-pilze/ii-22-3-zusammenfassung-erhaltungszustaende-der-arten-in-dl.html

Das ist von 2013, aber die aktuellen Daten werden nicht besser sein. Wer will, kann ja hier schauen: https://www.bfn.de/themen/natura-2000/berichte-monitoring/nationaler-ffh-bericht/berichtsdaten.html

Macht euch das klar: nach 25 Jahren Rio, massiven "Anstrengungen", dazu Leitfäden, Planungshandbücher, Gesetze, Maßnahmen, Gebietsbetreuungen, Workshops, Weiterbildungen, Handbüchern, Richtlinien, Urteile des EuGH und eine Vielzahl von Planungsbüros und TONNEN AN PAPIER stehen wir kaum besser da als zu Beginn.

Und einen Frosch zu schützen ist vergleichsweise Pillepalle. Das könnte alles MORGEN in einem guten, in Problemfällen übermorgen in einem guten Erhaltungszustand sein.

Haben wir nicht geschafft.

Haben wir nicht schaffen wollen.

https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/natura2000/Dokumente/Nationaler_FFH_Bericht_2019/Arten/AMP_KON_FFHBericht_2019.pdf

So siehts bei den Amphibien aus.

Wir kriegen es nicht in den Griff, und das in einem reichen und vergleichweise umweltbewussten Land wie Deutschland, eine Rotbauchunke so zu unterstützen, dass die Zukunftsaussichten nicht "bad" sind.

Aber jetzt retten wir das Klima.

Das ist so absurd. So irrational und schlichtweg surreal, dass es einem die Sprache verschlägt.

Wir können keine Unke in einen guten Erhaltungszustand bringen... aber wollen nun das Klima retten.

Völliger Größenwahn.

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