Von was träumt ein Rohköstler?

21.01.2019 20:53

Das ist, vor dem Hintergrund der "Größenwahn"-Beiträge mal ein interessanter Punkt. Wie verändern sich die Werte, die Wertigkeiten, die Prioritäten.

Nun muss man unterscheiden zwischen Rohköstlern, die auf einer Mangeldiät leben und denen, die einigermaßen vollständig und ausgewogen essen. 

Und bei den Letzteren überwiegt zumeist der Wunsch nach Gemeinschaft, nach einem natürlichen Leben, nach mehr Lebendigkeit, nach mehr Freiheit, nach mehr Beziehungen, nach mehr von dem, was man immaterielle Werte nennen könnte. Je zufriedener und befriedigter der Körper ist, desto mehr will dann auch der Geist ernährt werden. Und das geht eben am besten in Gemeinschaften, bei den Buddhisten ist ja die Shanga, die Gemeinschaft, eine der drei Juwelen (Buddha, Dharma und Shanga).

Es geht dann eigentlich wieder rückwärts, wenn man so will. Nicht mehr hin zu immer mehr Versingelung und Kaufsucht, sondern wenn der Körper satt und zufrieden ist, merkt man, dass es eben auch geistiger Nahrung bedarf und dass NICHTS diese geistige Nahrung ersetzen kann. Kein Bissen mehr von dem guten Sachen, kein Fernseher, kein Auto, kein Euro mehr auf dem Konto, kein großes Haus. NICHTS kann das ersetzten, was andere Menschen, Beziehungen und Liebe an geistig-seelischer Nahrung bringen.

Viele teilen deswegen instinktiv den Traum der rohen Gemeinschaft. Und immer wieder kommt dieses Thema quasi auf den Tisch und immer wieder wird es auch irgendwie probiert.

Wenn man auf der zellulären Ebene satt und zufrieden ist, nimmt die Gier nach materiellen Werten massiv ab. Großes Auto, großes Haus, Millionen auf dem Konto... dieses ganze Streben danach nimmt, so meine Beobachtung, ab. Es braucht ein Auskommen, ganz klar, aber diese Gier nach Reichtum lässt doch enorm nach. Viel wichtiger werden eben Liebe, Gemeinschaft, sinnvolle Arbeit, Kooperation, Erfüllung... also zusammenfassend gesagt: geistige / spirituelle Zufriedenheit.

Und damit steht man dann plötzlich ziemlich alleine da. Gemeinschaften gibts nicht, die Welt rings rum ist wie verrückt auf materielle Werte geeicht, diejenigen, die anders drauf sind, sind meist in spirituelle Gruppen zusammen, wo aber auch fleißig gekocht wird, was dann auch wieder energetisch nicht 100%ig passt.

Und viele fallen deswegen auch wieder in die Kochkost zurück. Aus Mangel an dem, was NACH der Rohkost kommen sollte.

Es ist wie es ist: für viele Rohköstler, die damals in der Gemeinschaft auf Montramé lebten, war es trotz allem eine schöne, für viele die schönste Zeit. Und die Treffen waren auch immer sehr schön mit guter Energie. Und damals das Forum und der Chat waren auch erfüllend und eine kleine Online-Gemeinschaft, aus der dann auch Treffen usw erwuchsen. Und das machts eben auch einfacher. Ich schrieb ja schon oft, dass Facebook und Co. das eigentlich kaputt gemacht haben und jeder postet da jetzt seinen Egokram... ich überlege eh, Facebook zu kicken, also das ist mir einfach mittlerweile zu destruktiv. Nur noch Ausländergewalt, AfD-Bashing, Linken-Bashing, Parteiengezänk, zitierte Twitterscheisse von irgendwelchen Haubentauchern wie die Bärbel Höhn von den Grünen neulich, dann wieder verstümmelte Tiere, vergewaltigte Frauen, entführte Kinder, zusammengeschlagene Rentner, demolierte Autos ... und immer wieder irgendwelche Empörungswellen.

Das Problem: man kann für sich selber die Rohkost machen, aber man kann es nicht für andere.

Für die gesellschaftliche Entwicklung wäre es aber sicherlich heilsam, wenn mehr Menschen in diese Richtung gehen würden und dann auch entsprechende Änderungen ihrer Prioritäten, Werte und Wünsche erleben würden, die dann von ganz alleine passieren, quasi aus dem Bauch heraus, nicht vom Kopf her.

Es gibt immer Ausnahmen für das Geschriebene, aber 8 von 10 Menschen, die ihre Ernährung auf eine ausgewogene Rohkostdiät umstellen, gehen in diese Richtung. Und scheitern eben dann oft, weil diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Dann fällt man einfach wieder zurück. Mit Kochkost kann man auch viele Bedürfnisse dämpfen und man ist auch energetisch wieder auf einem Level mit der Masse der Menschen. Und vielleicht verändern sich diese Bedürfnisse dann wieder auch... Stichwort Größenwahn. Vielleicht werden Liebe und Gemeinschaft plötzlich wie von selbst nicht mehr so wichtig, sondern das Anhäufen von materiellen Sachen (im Grunde waren ja die ganzen Hünengräber und Pyramiden angehäufte Materie) rückt wieder in den Vordergrund und dann will einer den anderen übertreffen.

Aber was ist mit den Trobriandern?

Sieht auch nicht gut aus!

Glückliche Menschen, freie Liebe, geldloser Tauschhandel – was ist geblieben vom romantischen Südsee-Paradies auf den Trobriand-Inseln? Eine Reise auf den Spuren der Freundschafts-Ökonomie.

Sind wir hier in Fettland? Die Männer haben dreilagige Speckwülste im Nacken und Füße wie Flossen, ihre Frauen hauen sich schon in aller Frühe mit Mayonnaisetoasts voll, die übergewichtigen Kinder futtern tütenweise Junkfood. Vier Mal die Woche fliegt Air Niugini von Port Moresby, der Hauptstadt von Papua Neuguinea, auf die Trobriand-Inseln. Passen diese Einheimischen überhaupt in die Sitze, und sind sie nicht auch bekannt dafür, besonders brutale Krieger zu sein? Aber in der Dash 8 ist genug Platz für alle, und die braunen Kolosse erweisen sich als überaus liebenswürdig.

In der Zivilisation angekommen, würde ich sagen.

Die Stadt Losuia, einfach „station“ genannt, besteht aus einem Pier, einer Grundschule, einer Polizeiwache, zwei Kirchen, einem Bolzplatz und ein paar großen Bäumen. In ihrem Schatten findet der Markt statt. Frauen mit Kleinkindern auf dem Schoß kauern auf der Erde, auf einem Stück Pappe Yams, Süßkartoffeln, Brotfrucht, Kürbisse, Wassermelonen, grüne Tomaten und Mangos. Männer verkaufen Tabak, zu Zöpfen geflochten, in Häufchen und in Zeitungspapier zu Zigaretten gerollt. Alle kauen Betelnüsse. Das färbt Spucke und Zähne rot, die abfaulenden Stummel und das Zahnfleisch schwarz. Statt aufzuputschen scheint das Betel die Leute in eine zeitvergessene Apathie zu versenken. Sie sind teilnahmslos in einem heiter dumpfen Nirgendwo.

www.fr.de/panorama/trobriand-inseln-reichtum-zeigt-sich-durch-grosszuegigkeit-a-358036

Auch hier: in der Zivilisation angekommen. Und das ist eben überall zu beobachten: da wo die Zivilisation einzug hält, wird alles zersetzt. Wie Säure wird alles in einen gleichförmigen Brei verwandelt, und dann schauen wir auf diese Menschen, die irgendwo in einer grauzone sitzen, nicht mehr ursprünglich, aber auch nicht so wie wir, mit Verachtung herab.

Die haben ja nichts erfunden! Die sind faul!! Schaut, wie es da aussieht!!!

Malinowski blieb drei Jahre, lernte die Sprache Kiriwinisch, studierte die Bräuche, die matrilineare Erbfolge der Eingeborenen, die den Frauen die Hoheit über die Kinder und die Yamsgärten gibt. Das hängt mit der freien Sexualität zusammen: Weil die jungen Leute es ab Geschlechtsreife kreuz und quer miteinander trieben, blieb die Rolle der Erzeuger lange Zeit unbekannt, zumindest war unklar, wer der Vater des jeweiligen Nachwuchses war, deshalb gehörte der zur Mutter. Das ist bis heute so, aber die paradiesische Nacktheit ist bedeckt und die aufreizenden Baströckchen werden nur noch zu besonderen Festivitäten angezogen. Aber der Mythos von den „glücklichen Inseln“ hatte durch Malinowskis Beschreibungen eine quasi wissenschaftliche Grundlage bekommen.

Vorbei, im Großen und Ganzen, wenn man das liest.

Statt der Kanus von den Nachbarinseln legen jetzt eben Urlaubertanker an, statt dem kollektiven Geprasse und den Orgien der freien Liebe ist nun der Gelderwerb das gesellschaftliche Ereignis. Die Cash-Ökonomie hat das Paradies der Tauschwirtschaft überholt – ohne einzuholen. Uns scheint, dass die Trobriand-Insulaner mit ihrem Vertrauen auf das gegenseitige Geben und Nehmen gegen die Härten der Geldwirtschaft besonders wehrlos sind. Der Kapitalismus kam wie eine „Mulukwausi“, eine fliegende Hexe, über sie. Alles, was sie selbst erzeugen, ist fast nichts wert. Für zehn Kina gibt es einen fünfpfündigen Thunfisch oder 100 Süßbananen, 50 Betelnüsse, 50 in Zeitungspapier gerollte Zigaretten, einen Tabakzopf, 20 Kokosnüsse, zwei Kilo Reis, zwei Liter Benzin oder eine Dose Bier. Nur ihre Bilder haben sie zu verkaufen. Fotos von Yams-Hütten müssen wir immer mit einer Gabe an den Mächtigsten, also den mit den wenigsten Zähnen, entgelten.

Unsere Form des Wirtschaftens und die sich daraus ergebenden Mechanismen und Wirkungen zersetzen am Ende alles.

Das ist wie eine Seuche, die sich immer weiter ausbreitet. Überall sitzen noch potentielle Kunden, Produzenten, Konsumenten, warten "Traumstrände" darauf, "zu Geld gemacht zu werden". Ökonomisierung total. 

Und das zersetzt nach und nach eben alle ursprünglichen Gesellschaften.

Dann kommt Landflucht und städtisches Krebswachstum. Teilung der Gesellschaft in Gewinner und viele Verlierer. Armut und Reichtum oft eng beisammen.

Zumindest haben die Trobriander nicht diesen ausgemachten Größenwahn entwickelt, obwohl ihre Ernährung, da habe ich nämlich gerade gegoogelt und dabei diesen deprimierenden Artikel entdeckt, auch größtenteils aus erhitzten Kohlenhydraten bestand. Vielleicht haben sie das durch Sex irgendwie kompensiert. Das wird jetzt ein Geheimnis bleiben.

Man sieht aber auch, dass man eigentlich nirgends mehr hinfahren braucht, weil im Grunde alles "verdorben" wurde, wenn man so will. Ich habe den Tag ein Video über die Musou in China gesehen, und da zieht auch die Marktwirtschaft ein und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es eben auch da die entsprechenden Entwicklungen gibt.

Aber irgendwie ist das auch alles logisch und nachvollziehbar. Der Kapitalismus hat sich hier im Westen entwickelt, sich von hier global ausgebreitet und zu einem massiven "kulturellen Artensterben" (Bernd Senf) geführt. Und es geht nur über eine Bewusstwerdung, die wahrscheinlich wieder aus den Zentren der Megamaschine kommen wird, dass wieder zu ändern.

Und die Rohkost scheint mir dabei eben eine große Rolle zu spielen, weil man sich nicht mehr selber so dämpfen kann und dann tritt halt klar und deutlich alles zutage, was man NICHT auf einer materiellen Ebene befriedigen kann.

Wenn man sich mit rohen Produkten satt ist, dann ist jeder weitere Happen sinnlos und man wird sich eben bewusst, was es DANACH braucht, um sich weiter wohl zu fühlen.

Schauen wir mal, wie sich die Dinge entwickeln!

So... ich bin die nächsten Tage unterwegs und muss schauen, ob ich einen Internetzugang habe. Mein Laptop scheint pünktlich nach 4 Jahren, wie wahrscheinlich vom Hersteller vorgesehen, das Zeitliche zu segnen... ich muss also schauen.

Ansonsten: bis dann!

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