Warum ich keine 100% Rohkost mehr mache!

08.12.2018 13:24

Oder anders: das Vegane Scheitern geht weiter.

Ok ok... ich habe jetzt auch mal so eine reißerische Überschrift gewählt...lol

Aber wer kennt sie nicht, die Videos, wo sich irgendwelche Youtuber, die jahrelang eine vegane Rohkost praktizierten und zum Teil 5-stellige Klickzahlen hatten (woher kommen diese Zahlen???), plötzlich ein Video mit einem Titel wie: "Warum ich keine 100% Rohkost mehr mache!" produzieren und darin blumig und weitschweifig erklären, wieso das, was sie jahrelang als das Nonplusultra verkauften, nun plötzlich doch nicht mehr so gut sein soll und sie nun irgendwas anderes machen, ganz sicher aber weiter vegan, aber nun eben gekocht.

Gestern nun habe ich mir (nicht bis zum Ende), das Video der Leipzigerin Silke Leopold angeschaut, wo auch sie die Abkehr von der Rohkosternährung hin zur "Schleimfreien Heilkost" bekannt gibt.

Man kann die Natur nicht betrügen.

Das ist mein Fazit aus dem, was ich da seit Jahren beobachte. Man kann die Natur nicht austricksen, nicht umgehen, nicht betrügen. Das kann man mal ne Weil emachen, das geht mit Tricks und Kniffen eine Zeit lang, aber am Ende kann nur ein ganz natürlicher Lebensstil stehen. Und im Bereich der Ernährung sehe ich da nur eine ausgewogene omnivore (Rohkost-) Ernährung als natürlich an.

Nun mag es Menschen geben, die auch vegetarisch gut klar kommen und dann eben ihre Bedürfnisse über Milchprodukten und Eier decken. Wer das will. Ich habe mal eine Zeitlang (ca. 1 Jahr) mit Rohmilchbutter experimentiert und fand die erstmal OK, aber irgendwie auch für meinen Körper unpassend. Irgendwie hat sich das nicht gut angefühlt.

Die vegetarische Ernährung ist, wenn man genau hinschaut, eine Bauernkost. Während die Jäger- und Sammler noch alles Wild für sich hatten und zum Teil eben erhebliche Proteinmengen konsumierten, mussten die Bauern aufgrund des Bevölkerungswachstums mit weniger Proteinen aus Wild klarkommen und deswegen eben auf Milch und Eier umsteigen. Wild war dann nur noch für den Adel.

Das war also im Grunde schon eine Notnahrung, die den Proteinmangel irgendwie abfedern sollte, weil nun die Populationsgröße so anschwoll, dass die einzelnen Individuen aus der Natur alleine nicht mehr zu versorgen waren. Deswegen hielt man sich dann Tiere, die man nicht mehr auffraß, sondern die man anders nutzte. In Afrika wird da noch das Blut abgezapft. Oft wurden die Tiere dann auch zu "Familienmitgliedern", bekamen Namen und wurden gehegt und gepflegt. Wurde doch eines zum Verzehr im Winter geschlachtet, gab es sogar oft Tränen und Leid.

Solche Gefühle kennen Jäger- und Sammler nicht. Da steht am Ende der Jagt die Endorphinausschüttung, die Belohung, weil man erfolgreich war. Das ist eben noch eine ganz natürliche Räuber-und Beute-Beziehung. Der Geist des Tieres wird beruhigt/ beschwichtigt und bis in unsere Zeiten haben sich Ehrerweisungen an das erlegte Tier erhalten.

Und aus der Bauernkultur, die eben schon entsprechende Probleme mit sich brachte, entstand dann die Massentierhaltung als logische Folge der Industriealisierung und dann als Folge dieser Entwicklungen dann eben der Veganismus.

Man sieht hier eigentlich eine Abfolge der Aufspaltungen.

Während die Jäger- und Sammler holistisch, also ganzheitlich lebten und alles nutzten und es in der Gruppe teilten, spaltete sich in der Bauernkultur dann die vegetarische Ernährung ab, die ja zumeist das Fleischessen ablehnt, weil die Tiere irgendwie zu "Familienmitgliedern" werden. Und der Veganismus hat sich nun als noch extremere Form herausgebildet, weil wir die Tiere nun nicht mal mehr als Familienmitglieder betrachten oder so empfinden, sondern sie als Sklaven halten und auch so behandeln.

Man sieht hier deutlich wie mit der Abkehr von einem natürlichen Weg auch die Spaltung in der Gruppe voranschreitet und sich diese Gegensätze oft unversöhnlich gegenüberstehen.

Ich persönlich sehe die Jäger- und Sammlerkulturen als letzen Stand natürlicher, also genetisch korrekter, Lebensweisen an. Danach setzte die Kultur ein und übernahm die Kontrolle.

Nun kann man sagen, und ich hatte kürzlich eine Diskussion mit einem Rohkostfreund darüber, dass die Jäger- und Sammler schon das Feuer benutzten. Ja, tun sie.

Aber: welchen Unterschied in der Ernährung gäbe es, wenn sie nicht das Feuer nutzen würden?

Das ist eine interessante Frage!

Nehmen wir die Hazda in Afrika. Da wieß man anhand von Untersuchungen, was die so alles essen: Was würden die anders machen, wenn sie roh leben würden? Sie nutzen jetzt schon alles, was ihnen die Natur gibt. Was würden sie da anders machen?

Oder die Pygmäen im Kongo. Was würden die anders machen? Mehr Früchte essen?

Oder die Inuits? Was würden die anders machen?

Man kann also selbst von das Feuer benutzende Völker lernen, wie man sich natürlich ernährt und welche Nährstoffe die zu sich nehmen. Eben weil sie schon alles nutzen. Die nutzen alles essbare Wild, alle essbaren Wildkräuter, alle essbaren Knollen, alle essbaren Wildfrüchte. Vielleicht würde es sich etwas verschieben und von dem einen würde mehr, von dem anderen weniger gegessen werden, aber grundsätzlich nutzen Jäger- und Sammlerkulturen immer alles, was die Natur an Wildprodukten auf den Tisch packt.

Die Feuernutzung hat da wohl eher so subtile Auswirkungen, dass es eben roh nicht mehr so gut schmeckt und man es deswegen eben wieder ins Feuer wirft, um es "geniessbar" zu machen. Aber die Nährstoffaufnahme wäre wohl, egal ob roh oder angeröstet, ähnlich.

Und deswegen kann man, so mein Verständnis, aus dem, was Jäger- und Sammler so essen (und auch wie sich sich bewegen), lernen, wie eine einigermaßen natürliche Ernährung und ein einigermaßen natürliches Bewegungspensum und somit ein natürlicher, den Genen entsprechender Lebensstil, aussieht.

Dass man das adaptieren muss und der modernen Welt anpassen, ist keine Frage. Aber man kann beobachten, schauen und lernen, um wieder auf allen Ebenen mehr Natürlichkeit zu erlangen.

Ich hatte ja schon geschrieben, dass mit dem Ackerbau und der dann einsetzenden Kochkost (Jäger- und Sammler kochen nicht in dem Sinne, sondern da wird Fleisch oder Knollen im Feuer angeröstet) im Grunde die große Verwirrung begann. Es war aber nicht nur das Kochen, sondern eben auch das Züchten, das Manipulieren, der ganze Kram, der dann zu dem Ergebnis führte, dass man sich immer eine Natur vorstellt, wo überall Cherimoyas wachsen. Das ist so das Rohkostäquivalent zur Vorstellung vieler Stadtkinder, Kühe seien lila.

Alles ist mittlerweile verwirrt.

In dieser Welt funktoniert NICHTS mehr. Rein garnichts. Eine gigantische Verwirrung. Wer kann heute wirklich sagen, was gesund ist? Wie man leben sollte? Was gut ist? Rohkost, Paleo, Vegan, Vegetarisch, Makrobiotisch, Industriekost usw usw... keine Sau hat da noch den Durchblick. Alles verwirrt, die Gehirne von der Industrie gehackt, die Gedanken mit alten Überzeugungen und neuen Ideen gefüllt. Niemand weiß mehr, was richtig ist... Blätter im Wind.

Bis zu den Jägern und Sammlern wusste man noch, was funktioniert und jeder Stamm hat sich ausgewogen und omnivor aus seinem Stammesgebiet versorgt. Und das war immer hochdivers. Je nach Habitat und immer wieder kam eine gesunde Generation nach der Nächsten auf die Bildfläche, lernte das Überleben und alle Tricks, um klarzukommen. Dann kam der Ackerbau und die Probleme fingen an. Karies. Kleinwüchsigkeit. Arthrose. Rückenschmerzen. Die ältesten Heilkunden und Sachen wie Yoga kommen daher, wo man als erstes anfing, Ackerbau zu betreiben und wahrscheinlich unter Rückenschmerzen zu leiden. Da fing man an, sich zu verrenken und merkte, das hilft.

Aber auch die wussten irgendwann wieder, wie es funktioniert und wie man mit den Problemen klar kam (erste Zahnärzte usw).

Heute ist es vollkommen aus.

Keiner weiß mehr, was noch funktioniert, was gesund ist, was nicht, wie man essen sollte, was gut ist. Züchtungen, Manipluationen, Süchte und Abhängigkeiten, tausende Tipps, Videos, Ratgeber, TV-Sendungen wie "Hauptsache gesund" ... keiner weiß es.

Ich weiß es auch nicht!!!

Ich probiere auch nur aus. Ich schaue, ich beobachte, ich folge meiner Intuition.

Mehr habe ich auch nicht. Dem Instinkt vertrauen... tja... das mag bis zu den Jägern- und Sammlern noch funktioniert haben. Heute mit den ganzen Zuchtprodukten?

Also der Wissenschaft vertrauen.

Hat schon irgendwer mal versucht, sich durch die wissenschaftliche Literatur zu quälen? Vollkommen sinnlos! Dauernd sich widersprechende Studien, Kritik an Studien, dazu wirtschaftliche Interessen!!! Lobbygruppen...

Ein Amerikaner sagte mal: das Einzige, was alle Studien zeigen ist, das viel Gemüse gesund erhält. Ansonsten widersprechen sich die Studien alle.

Kann man also auch vergessen.

Und jetzt sehen wir eben immer deutlicher, das Vegan und vegane Rohkost immer wieder scheitern. Einer nach dem anderen produziert Videos mit "Warum ich keine 100% Rohkost mehr mache!" oder "Warum 100% Rohkost doch nicht so gut ist!".

Ich habe schon viel mit anderen Rohies diskutiert, die auch so drauf sind wie ich und die sind nach ein paar Jahren alle recht demütig geworden, weil sie merken, dass es alles so einfach eben doch nicht geht.

Was wir heute machen, ist einen Weg aus der Verwirrung suchen.

Wir versuchen alle gemeinsam irgendwie einen Weg aus der Irrenhaus, aus dem Gefängnis, aus dem Irrgarten zu finden. Und alle, von Leuten wie Derek Nance oder Sv3rige bis zu den Rohveganern auf der anderen Seite, sind Menschen, die hier individuell versuchen, aus dem selbstgeschaffenen Labyrint einen Ausweg zu finden.

Und ich habe noch 20 Jahre nur zwei für mich brauchbare Erkenntisse gewonnen: vegan scheint (!!!) eine Sackgasse zu sein. Eine ausgewogene omnivore Rohkost scheint (!!!) bisher die besten Ergebnisse zu bringen.

Aber was da jeder im Einzelnen essen soll... das muss jeder für sich rausfinden.

Egal ob bei den Neanderthalern oder bei den modernen und archaischen Jäger- und Sammlern. Viele Wege führten nach Rom und die Ernährung war schon immer hochdivers und an den jeweiligen Lebensraum angepasst.

Klar, die Menschen hoffen auf einen Alten mit Lampe, der sie durch Moria führt, wie im Herrn der Ringe symbolisch dargestellt. Der Magier, der Zauberer, der weise Führer. Aber den gibts (noch?) nicht. Wohin hat Burger seine Leute geführt? Wohin haben die modernen Burgers auf Youtube ihre Leute geführt? Kann man denen vertrauen, oder sind da wieder nur narzisstische und finanzielle Interessen dahinter?

Eine gigantische Verwirrung.

Da bleibt nur eins. Auf sich selber vertrauen und jeder muss seinen Weg selber finden. Burger macht jetzt seit 60 Jahren 100% ige Rohkost, seine Kids von Geburt an, zum Teil weit über 40 Jahre... das scheint also erstmal der bisher weiteste Weg aus dem Irrgarten sein sein. Andere, die ihm folgten, haben sich aber doch wieder arg verlaufen...so einfach ist es also auch wieder nicht.

Jeder muss also hier immer wieder selber schauen, was für ihn passt.

Und sich auch der eigenen Süchte (Zucker zum Beispiel, Exorphine usw), Fehlprägungen, Überzeugungen usw bewusst werden.

Der ganze Blog hier ist ein Zeugnis der Suche. lol

Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse, neue Hinweise, man muss adaptieren, was Neues ausprobieren usw...

Da bisher keiner wirklich den Weg aus der großen Verwirrung gefunden hat, muss eben jeder selber losgehen und schauen, wie es funktioniert.

Man kann nur schauen und beobachten und dann für sich selber wieder Rückschlüsse ziehen. Einen anderen Ausweg gibts da derzeit nicht.

So, ich geh zum Sport und dann Einkaufen... die moderne Form der Jagd! :-)

 

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