Wenn einer eine Reise tut - Teil II - Mas Depres

13.02.2020 17:19

Das Gute ist leicht. Alles Göttliche läuft auf zarten Füßen.

Friedrich Nietzsche

Wie gestern schon geschrieben, führte meine Reise in den Süden über Frankfurt, Basel, Genf und Montpellier nach Perpignan, genauer gesagt, nach Elne, wo es eine kleine Rohkostgemeinschaft gibt, die dort lebt. Gleich mal mein Fazit vorneweg: ich kann es nur empfehlen! Mas Depres, so der Name des Anwesens, ist wirkliche einen Besuch wert.

Es gibt auch eine Homepage, wo man sich informieren kann: masdespres.com/

Das Wetter war sehr schön, sehr frühlingshaft, die Leute sind cool und mein Zimmer war absolut top. Die Umgebung ist auch angenehm, es gibt Kultur zu besichten, was mich immer sehr befriedigt, dazu dann das Meer, die Berge und einen Haufen anderer Rohies, die dort leben. Eines hat mich gestört, dass ist aber ein Problem, was man mittlerweile überall antrifft: kläffende Hunde in der Nachbarschaft. Wobei mich nicht so die Hunde an sich stören, die machen ihr Ding, sondern die Weigerung der Besitzer, diese Tiere entsprechend zu erziehen. Hinter jedem Kläffer steht immer Gleichgültigkeit den Mitmenschen gegenüber.

Ansonsten würde ich da aber gerne wieder runterfahren, wenn es sich ergibt. Ich war ja schon vor 5 Jahren mal da. Und wie gesagt, die Leute dort sind umgänglich und im Grunde recht problemlos, soweit ich dass in den knapp 12 Tagen mitbekommen habe.

Ich habe da auch etwas mitgearbeitet, was eh Spaß gemacht hat. Und ich habe da mal wieder richtig klassisch Instincto gelebt, zumal Jörg dort seine Produkte hat und sie von einem lokalen Metzger gutes Fleisch bekommen.

1. Es gibt auf der Homepage ja schon einige Fotos von Mas Depres, deswegen hier nur ein paar, zu denen ich auch etwas schreiben kann:

Rohkost mit baumgereiften Früchten - ja, Instinktive Rohkost ist ein Schlüssel, der eben eine große Tür aufmacht, aber auch da muss man noch Schlüssel finden, um nicht Schiffbruch zu erleiden. Wie ich schon schrieb, man darf einfach nicht ins Fressen und Ficken geraten. Ordinär, aber genau das trifft es. Und genau daran scheitert es eben wirklich zumeist. Sowohl beim Essen (ich kann da das große Maul haben, nachdem ich ja schon x-mal vom Seil gefallen bin, nachdem ich ins Fressen geraten bin), als auch in Liebesdingen. Sowie man da abrutscht, die menschliche, feinenergetische Ebene verlässt, fällt man vom Seil und muss sich neu hocharbeiten.

Ich habe dort wirklich wieder mal gut praktizieren können. Mittags eine Frucht ausgewählt, dazu Wildkräuter, und Gemüse entweder davor oder danach, abends gutes Rindfleisch.

Dazu mal eine Woche Internetabstinenz, viel Gitarre spielen und insgesamt kein Stress, hat sich sehr gut angefühlt.

Mit scheint ein Schlüssel zu sein, dass man wirklich nur eine Frucht pro Tag isst. Dazu eben Kräuter und Gemüse. Bei Gemüse kann man ruhig mehrere Sachen essen, Kräuter sowieso, aber Früchte wirken sich irgendwie wohltuender aus, wenn man es bei einer Sorte pro Tag belässt. Abends dann mono Rindfleisch war auch sehr befriedigend.

Hat gut gepasst.

Irgendwie muss ich im Januar durch die milden Tage hier zuhause schon angeregt gewesen sein, denn ich hatte echt Lust auf Cherimoyas und, danke liebes Universum, ich habe dort einer rohen Bekannten geholfen, ihre Feigenbäume zu verschneiden und sie hat mir, Ta-Ta, eine reife Corrosol geschenkt! Die war echt genial und ich schrieb ja, dass es das Einzige war, zusammen mit der Brotbaumfrucht, was ich aus Costra Rica esstechnisch vermisst habe. Und da war sie. Und krass, es hat eine Mahlzeit gereicht, um "die Sehnsucht" verblassen zu lassen. Ich habe sie mir eh noch mit den Kids geteilt und eine Mahlzeit hat voll genügt. Cherimoyas dito: da gab es drei Mahlzeiten und dann war ich da wirklich abgesättigt.

Ich hatte auch mal wieder ein paar Avocados. Ich glaube, es waren zwei Mahlzeiten, an denen ich ein paar Avocado fuerte gegessen habe. Nach Monaten ohne diese Fettfrüchte. Hat gepasst, war absolut Ok, aber ich präferiere als Abendmahlzeit lieber tierische Produkte. Befriedigt einfach mehr und tiefer. Ab und an sicher Ok, aber nicht mehr so als Grundnahrungsmittel, wie ich es früher mal hatte. Und es ist eben auch eine Frucht und wenn man schon andere Früchte hatte ... :-)

2. Cool finde ich, dass man dort auch gut Sport treiben kann. Sie haben dort einen kleinen Fitnessbereich, der aber vollkommen ausreicht, wenn man da im Urlaub ist. Ich habe zumindest jeden Tag trainiert. Zumeist so 30-40 Minuten Brust - Arme, Rücken - Schultern und Beine - Bauch im Splittraining. Ging mit den vorhandenen Gerätschaften problemlos und man kann ja immernoch vieles mit dem eigenen Körpergewicht machen.

Klar, nach oben gibt es keine Grenze, aber ich bin flexibel und war erfreut, dass ich dort gut trainieren konnte. Dazu gibt es auch Räder zum Ausleihen und da war ich auch ein paarmal gut mit dem Rad unterwegs.

Sport ist eben ein weiterer Schlüssel, der wieder neue Türen aufmacht, um wieder zu mehr Gesundheit und Lebendigkeit zu kommen. Und auch da gilt es, auf dem Seil zu bleiben, also nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel zu machen.

3. Natürlich war ich auch am Meer. Aber ach...

Der letzte Sturm hat dort massiv Treibholz angeschwemmt, was sich auf dem ganzen Strand abgelagert hat. Wahnsinn! Die Einheimischen haben da auch fleissig gesammelt.

Aber irgendwie war es auch voll cool, da zwischen den Treibgut herumzuwandern. Irgendwie macht es den Strand interessanter zu dieser Jahreszeit. Man findet da wirklich ganz interessante Hölzer...lol.

Zum Baden war es mir dann doch einfach zu kalt.

4. Die Berge sind auch fantastisch!

Die Ecke dort unten hat wirklich alles. Gutes Wetter, Meer, Berge, etwas Kultur zum Besichtigen... und eben eine kleine Rohkostgemeinschaft.

5. Apropos besichtigen. Hier ein paar Fotos meiner Radtouren in die örtliche Umgebung:

... weiter in Teil 3.

Insgesamt also eine sehr schöne Gegend, um mal auszuspannen.

Die Glücklichen sind neugierig.

Friedrich Nietzsche

Keine Ahnung, wieso ich gerade über Nietzsche gestolpert bin, aber da hat der Mann einfach Recht. Es macht mich wirklich glücklich, neugierig zu sein und immer wieder mal Neues zu entdecken, quasi neue Schlüssel zu finden und damit neue Türen zu öffnen, die mich wieder etwas näher zu dem bringen, wer ich eigentlich bin.

Und roh essen in einer durch und durch gekochten Gesellschaft ist wirklich überaus spannend und interessant. Das hat fast etwas von dem Gras, dass da auf dem Beinsteig in Frankfurt wächst, von der Natur, die in den Beton einbricht und diesen aufbricht, die neues Leben aussendet und verkrustete Strukturen auflockert und sprengt.

Und wie immer: das Leben ist unsicher. Man muss sich mal überlegen, wie lebendig sich so eine Graspflanze mitten auf dem Bahnsteig (Foto von gestern) fühlen muss, wenn es da so Neuland (zurück)erobert, ganz alleine quasi, weil das Leben es da hingeweht hat und da steht sie nun, wurzelt in einer Spalte und ist permanent der Gefahr der Vernichtung ausgesetzt und doch...

Da kann man nur seinen Hut ziehen. Wie sehr sind wir doch als Gesellschaft im Sicherheitsdenken verhaftet.

Eine der Gründe, wieso so viele Menschen an der Rohkost scheitern. Sie wollen es sicher haben. Na ja, diese Sicherheit gibts aber nicht. Dafür tauscht man eben Sicherheit gegen mehr Lebendigkeit. Nun ist Lebendigkeit wieder etwas, vor dem sich die meisten Menschen fürchterlich fürchten. Angst vor dem Leben in einem selber ist es dann auch, wieso so viele zurück zur Kochkost gehen. Garnicht mal echte Probleme, die kann man zumeist lösen. Probleme in der Rohkost sind zumeist nur Balanceprobleme. Man isst zuviel von dem einen und zuwenig vom anderen. So einfach ist es zumeist. Wenn man seine persönliche Ausgewogenheit hinkriegt, passt es zumeist. Das erfordert etwas Arbeit an sich selber, aber pendelt sich dann ein. Das zeigen ja viele wirklich langjährige Rohies.

Aber mit der Rohkost kommt eben auch die Lebendigkeit zurück.

Schon krass, man will gesund sein und werden, aber wenn diese Gesundheit dann kommt, wenn man wieder wilder und lebendiger wird, wenn man auch wieder LIEBENDER wird, denn genau DAS ist ja Gesundheit, dann erschrecken viele und springen erschrocken zurück in den Kochtopf!

Hilfe!

Das wollte ich aber nicht!!

Die Lebendigkeit drückt sich dann eben auch in Gefühlen, Heilkriesen, in der Liebe und vieles andere aus. Da brechen dann die Strukturen auf, da will das Leben raus und lebendiger werden.

Genau das ist es, was vielen dann Todesängste beschert.

Das klappt nicht mit der Rohkost, dass funktioniert nicht ... dabei hat man nur Angst vor der mit dem Leben einhergehenden Unsicherheit. Es gibt keine Lebendigkeit ohne Unsicherheit und keine Gesundheit ohne Lebendigkeit.

Man schaue sich nur die Natur an: da springen die jungen Antilopen im Gras, rennen die Rehe und Pferde aus purer Lebenslust über die Wiesen und doch kann hinter jedem Busch der Löwe hocken.

Es bringt einfach nichts, das Leben in sich selbst zu unterdrücken.

Kochkost ist im Grunde eine Unterdrückung des Lebendigen.

Alles lebt, was man als Rohkost in den Mund steckt. Äpfel, Kirschen, Wildkräuter, rohes Fleisch, roher Fisch, Muscheln, Sellerie... alles ist Leben. Probleme entstehen zumeist nur durch mangelnde Balance und Ausgewogenheit. Aber Rohkost an sich ist LEBEN.

Und vor diesem Leben haben die Menschen Angst.

»Versucht nicht, die Menschen zu retten. Eure Bewunderer werden euch in Versuchung führen, die Menschen zu retten. Lasst die Menschen sich selber retten. Das ist der einzige Weg zur Erlösung, zur wahren, echten, alles umfassenden Erlösung, zur wahren, echten, alles umfassenden Erlösung. Das Leben ist stark genug, sich selbst zu helfen. Lebt ihnen einfach euer Leben vor.«

Wilhelm Reich

Genau das ist es, was mit der Rohkost passiert. Man rettet sich selber, zumindest versucht man es. Man beginnt, selbst einen Weg aus dem Misere zu suchen und es bringt rein garnichts, einem Lehrer oder einem Guru zu folgen. Man muss es in sich selber finden, was der richtige Weg ist, und man muss in sich selber die Schranken niederreissen, die einen den Weg ins Paradies versperren.

Ja, und dieses Wiederfinden verloren gegangener Schlüssel hat sich auch im materiellen Leben gezeigt: es wurden auf Mas Depres zwei verloren geglaubte Schlüssel wiedergefunden. Einen hab eich beim Sport entdeckt. Damit konnte man Türen öffnen, so dass das Leben wieder ungehinderter fließt...

Wahrscheinlich ist das hier wirklich alles ein gigantisches magisches Spiel! :-)

In seinem Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" hat Douglas Adams die Antwort "42" in eine schräge Geschichte verpackt, die zumindest im Roman ins Absurde führt. Eine außerirdische Kultur baut einen riesigen Computer, der ihnen die Antwort auf die Frage aller Fragen liefern soll, nämlich auf die Frage nach "dem Leben, dem Universum und allem", wie es wörtlich im Roman heißt. Nach einer Rechenzeit von 7,5 Millionen Jahren spuckt der Computer lediglich die Zahl 42 aus.

Mit dieser Antwort wissen die Fragesteller im Buch nichts anzufangen. Aber wir, die wir uns von roher Nahrung ernähren, wissen mit ihr etwas anzufangen. Für uns ist die 42 sehr wichtig. Ab 42°C denaturieren nämlich viele Enzyme und Eiweiße, die in natürlicher Nahrung enthalten sind, so daß hier die Grenze zwischen Rohkost und Kochkost verläuft.

Ferner werden ab dieser Temperatur auch die Eiweiße im menschlichen Körper beschädigt, denn ein Fieber von 42 Grad oder mehr ist fast immer tödlich. Es gibt nur sehr wenige Lebewesen auf der Erde, die eine Körpertemperatur von deutlich über 42 Grad haben, beispielsweise die Wüstenameise oder Tiefseebakterien, die an heißen Quellen leben. Für alle anderen ist nahe 42 Grad das Ende des Lebens erreicht. Ferner ist Nahrung, die über 42°C erhitzt wurde, in freier Natur nur äußerst selten auffindbar, beispielsweise nach einem Waldbrand, siehe dazu auch der Artikel Was ist 100% Rohkost?

So erweist sich also die im Roman als scherzhaft oder absurd hingestellte Antwort auf einmal als höchst sinnvoll und weitreichend. Sie ist in der Tat für fast alle Lebewesen auf der Erde sowohl die Antwort auf die Frage nach dem Leben selbst als auch die Antwort auf alles andere, denn durch den Verzehr von über 42 Grad Celsius erhitzter Nahrung gerät die Gesundheit und anschließend das Sozialverhalten dermaßen aus den Fugen, daß wir bis heute nicht sagen können, wie das Leben auf der Erde aussehen würde, wenn alle Menschen sich artgerecht roh ernähren würden. Im Artikel über die Memik wird ebenfalls über diese Frage nachgedacht.

Douglas Adams hatte die Antwort auf die Frage aller Fragen, ohne es zu wissen, in äußerst kompakter Form bereits 1979 gefunden.

www.rohkostwiki.de/wiki/42_oder_die_Antwort_auf_die_Frage_aller_Fragen

Wahrscheinlich sind die Glücklichen deswegen neugierig, weil man eben immer wieder Schlüssel und Antworten findet, die einem Türen öffnen und die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem, einfach näher bringt...

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