Wenn einer einer Reise tut - Teil I.

12.02.2020 17:22

Nun bin ich wieder zuhause, nachdem ich gute zwei Wochen unterwegs war, einfach, weil ich mal wieder Lust hatte, zu reisen und dabei auch Freunde zu besuchen. Im Grunde ist das meine Lieblingsform des Unterwegsseins.

1. Los gings am Freitag, den 24.01.2020 spät am Abend von Bitterfeld mit dem ICE nach Frankfurt / Main, und von dort weiter nach Basel. Das Ganze hat mich 29,90€ gekostet. Also die Bahn hat zum Teil wirklich einmalige Angebote! Ich nutze dazu die Seite "Sparpreisfinder". Wer da flexibel ist, kann unglaublich günstig mit dem Zug reisen.

Mitfahrgelegenheiten finde ich nicht so toll, auch Busfahrten mag ich nicht so besonders. Am Entspanntesten finde ich tatsächlich Zugfahren oder selber mit dem auto reisen. Ich bin schon mehrfach mit Leuten mitgefahren, die einfach nur Raser waren, und dass macht einfach keinen Spaß. Danach brauchte ich zwei Tage, um die verkrampften Wirbel wieder zu richten. Zugfahren ist mir schlichtweg am sympathischten.

Und so stand ich dann auf dem menschenleeren Bahnhof in Bitterfeld und dann gings auch irgendwann los ...

2. In Frankfurt war es dann neblig und ich konnte die Hochhäuser nur diffus erkennen.

Es war erstaunlich, dass auch mitten in der Nacht dort noch einiges an Menschen unterwegs ist. Aber ich war nie und werde kein Stadtmensch mehr. Dieser ganze graue Beton und ... irgendwie ist mir das nichts. Ich stand dann so da, ich hatte 30 Minuten Aufenthalt, und schaute auf die vernebelten Wolkenkratzer ...

... die man mehr erahnen als sehen konnte und man spürt so diese dunkle Energie, die davon ausgeht. Etwas, was nie schläft... was immer lauert und arbeitet und Macht gewinnen will. Tatsächlich, das sah ich aber erst auf dem Rückweg, der wieder über Frankfurt, wahrscheinlich die eigentliche Hauptstadt Deutschlands, ging, dass über Frankfurt tatsächlich so eine dunkle dreifache Pyramide thront.

Nennt sich Messeturm: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/01-01-2014_-_Messeturm_-_trade_fair_tower_-_Frankfurt-_Germany_-_04.jpg

Ich meine: WTF.

Und ich habe den nicht gesehen im Nebel und ich wusste auch nicht, dass es da so eine Struktur in Frankfurt gibt, aber man spürte diese Energie. Faszinierend. 

Und dann stand ich da, mitten in der kalten Nacht, Nebel, Beton, Neonlichter, Sirenen irgendwo im Hintergrund, die Geräusche der Nacht in der Stadt und dann sah ich das:

Und da war ich beruhigt.

Meine ich total ernst, der Anblick von LEBEN dort mitten in der Betonwüste, hat mir ein seltsames Gefühl von Frieden und Sicherheit vermittelt. Und das Wissen, dass irgendwie alles gut wird. Und es zeigt mir, dass ich doch irgendwie in Ordnung sein muss. lol

Na ja, es ging dann von Frankfurt weiter nach Basel und von dort zu einer befreundeten Rohkostfamilie, wo wir uns zur Weiterfahrt nach Frankreich trafen.

3. Wir sind dann Sonntag los und haben Zwischenstopp in Genf gemacht, wo wir eine Rohkost-Familie besuchten. Es ist erstaunlich, da meinte man, man kennt schon alle, aber dann wird man doch immer wieder überrascht. Dort lebt nämlich ein Paar,  sehr künstlerisch und sympathisch, das schon über 25 Jahre instinktive Rohkost praktizieren und mittlerweile drei Kinder hat. Der älteste Sohn ist 21, dann eine Tochter im Teenageralter und noch einen kleinen Sohn unter 10 Jahren.

Alle sehen gesund und fit aus und sie hatten einiges an Geschichten auf Lager. Wir haben gleich einen Draht zueinander gefunden und hatten einen schönen Abend. Ich habe sie dann auch gleich zum Treffen eingeladen, auch weil die Kids doch etwas wenig Gleichgesinnte haben.

Ich habe dann gefragt, ob es schwer ist, instinktive Rohkost so alleine zu praktizieren und mir wurde gesagt, dazu braucht es eben Charakterstärke. Und das fand ich gleichmal sehr sympathisch. Weil es genau das ist. Das ist der Schlüssel: Charakter und die Stärke, dass zu leben, was man für richtig hält, statt faule Kompromisse und sich an eine nicht gerade gesunde Gesellschaft anzupassen, nur um dazuzugehören.

Sie haben dann erzählt, dass sie sogar mal vor mehr als 20 Jahren auf Montramé wochenlang nur jeweils 1 Produkt pro Tag aßen. Immer so gegen vier Uhr haben sie dann ein Produkt ausgerochen und nur das gegessen. Sie war damals sogar mit dem ersten Kind schwanger. Scheint ihm nicht geschadet zu haben. Sie brauchten dann unglaublich wenig Schlaf und haben extrem viel gelesen.

Erstaunlich fand ich auch, dass gerade solche künstlerischen Menschen die Aussage von Burger, dass Menschen Visionen haben können, bestätigen konnten. Tatsächlich hatte er sogar extrem viele und hatte deswegen auch später viel Kontakt zu GCB. Er ließ aber kein gutes Haar an GCB, weil der alles verdrehte und für sich auslegte. Also da fast diabolisch agierte und die Hinweise, die er bekam, inklusive der Aussage, was es bedeutet, negierte und für sich so auslegte, so dass es für ihn passt. Das betraf vor allem auch die Theorie der Metapsychoanalyse, die in Teilen ja wohl eher eine Rechtfertigung für seine Neigungen war. Hier sagten die Visionen ganz klar, dass es in den Abgrund führen wird. GCB hat es aber genau andersrum ausgelegt. Und am Ende gings ja dann auch ab in den Knast.

Für mich war es extrem interessant, da mit jemanden zu sprechen, der da quasi das "Medium des Meisters" war. Und dass er eben wirklich auch sagte, dass da jemand agierte, der sich seine Theorien so zurechtlegte, dass es vor allem mal für ihn passt. Der hat da wirklich auch einiges an Illusionen und falschen Vorstellungen zerstört.

Gut so!

Na ja, am Ende haben wir noch eine Runde Tischfussball mit den Kids gespielt, viel gelacht und hatten einen schönen und interessanten Abend.

4. Weiter gings dann später am Abend von Genf in die Nähe von Montpellier.

Und wie es der Zufall wollte, haben wir die Tochter von GCB, Nathalie mitgenommen. Da ich nicht fahren musste, konnten wir uns lange unterhalten und ich erzählte, dass ich im Herbst eine längere Phase "karnivor" gegessen hatte, mir aber Sorgen machte, ob dass wirklich gesund ist, da ihre Mutter ja angeblich am Fleisch verstorben ist und ihr Vater da alle warnte. Sie hat mich dann aber doch eine ganz andere Gesichte erzählt und dass wohl ganz andere Gründe für die Krebserkrankung ihrer Mutter verantwortlich waren. Da mag der Fleischkonsum eine Rolle gespielt haben, aber es waren wohl vor allem vorangegangene seelische Schmerzen, die auch der damaligen Gruppenstruktur geschuldet waren, die dann zu der Erkrankung führte.

Sie war da recht klar in ihrer Aussage, dass ihr Vater sich da eine Rechtfertigung zusammengebastelt hat, um nicht als Hauptverantwortlicher dazustehen.

Und als Ärztin ist sie da auch mit einem entsprechendem Fachwissen ausgestattet.

Wir waren dann zwei Tage bei ihr und ich hatte auch Gelegenheit, mal die Umgebung zu erkunden.

Wenn man reist, dann kommt man natürlich immer auch auf neue Gedanken, weil man ja nun wieder neuen Imput bekommt.

Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben.

Friedrich Nietzsche

Ich esse ja nun seit letztem Sommer auch wieder alles mono und praktiziere instinktive Rohkost. Es fällt mir auch leichter als früher. Man wird eben auch weiser und gelassener und hat nun einiges Stolpersteinen schon erkannt und vieles aufgearbeitet, was sich eben negativ ausgewirkt hat. Im Grunde gibt es zwei Regeln, die für alle Lebensbereiche zu gelten scheint: man darf nicht ins Fressen und Ficken kommen. Also nicht ins Gierige und Tierische abrutschen. Schon fällt man vom Seil!

Tiere kommen, wenn etwas da ist, recht schnell ins Fressen. Menschen ebenfalls. Wenn man Angst hat, dass etwas zur Neige geht, wenn man befürchtet, dass man zu kurz kommt und was auch immer eine Rolle zu spielen scheinte, dass alles kann auslösen, dass man ins Fressen und ins Ficken kommt. Also ins Tierische abrutscht und ins Tierische zurückfällt.

Der wirkliche Mensch scheint mir aber eher herauszustehen und man wird einfach mehr "Mensch", wenn man nicht ins Tierische abrutscht. Und das vor allem beim Essen und im Sexualleben, was die beiden großen natürlichen Lustquellen des Menschen sind. Diese beiden Grundenergiequellen haben sich nur in alle anderen Lebensbereiche transformiert. Im Grunde sind wir ja als Gesellschaft vollkommen ins haltlose Fressen (Konsum ohne Begrenzung) und Ficken (Kriege, Rivalität, Ressourchenkampf, Konkurrenz) abgedriftet.

Und um das zu heilen, braucht es einfach auch etwas Selbstbeobachtung, Selbstliebe und -annahme, Charakterstärke und eben viel Liebe, Vergebung und Heilung.

Dann kann man auch, wie ein Lotus mitten im Schlamm, das Leben erblühen sehen, Schönheit und Liebe.

Ich habe mich immer gefragt, was das Lotusgleichnis im Buddhismus bedeutet. Jetzt weiß ich es.

(Im Buddhismus zählt der Lotos zu den acht Kostbarkeiten und ist Symbol für den Lauf der Zeiten (mit den Einzelphasen Frucht, Blüte und Stängel) und für die Wirkung der Lehre Buddhas (die Wurzeln sind im Schlamm, auf der Oberfläche erblüht jedoch der Lotos).

Diese Welt ist ja, wenn man genau hinschaut, einfach nur verrückt, verdreht, krank, die Menschen zum Teil erschreckend unbewusst, rauchen, saufen, fressen, Pornos, Konsumsucht ... also nicht gerade erbaulich.

Und doch kann (und tut es) Liebe, Schönheit und Erhabenheit erblühen.

Und je mehr Menschen sich wieder (vernünftig!!!) roh ernähren und anfangen, ihre Wunden und Traumatas zu heilen, desto mehr wird der Lotus erblühen. Wenn ich das als ganz normaler Durchschnittsmensch erlebe und erkenne, wieso nicht alle anderen auch? Ich bin nichts besonderes.

Instinktive Rohkost ist da ein Schlüssel, der, wie in einem großen magischen Spiel, eine ganz wichtige Tür aufmacht.

Aber natürlich wäre es ein langweiliges Spiel, wenn es nur einen Schlüssel gäbe. Und wie sagte ein langjähriger Rohie auf Mas Depres: Ich will alle Schlüssel finden! Das ganze Schlüsselbund.

Was, wenn, wenn dieses Leben genau das ist? Ein magisches Spiel, wo man immer wieder Schlüssel finden muss, um neue Türen zu öffnen, um schlussendlich wieder sich selber und zurück ins LEBEN und die Lebendigkeit zu finden?

Interessanterweise war das Thema "Schlüssel" auch tatsächlich ein Thema auf dieser Reise.

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