Wenn man über die eigenen ideologischen Beine stolpert.

24.03.2018 16:14

Irgendwie wirds immer verrückter. Oder dümmer, je nachdem wie man es sieht. Der Hans Joachim Maaz hat ja mal in einem Beitrag hier gesagt, dass die ideologische Verblendung dumm machen muss, zumindest so dumm, dass man die eigenen Logikfehler nicht mehr erkennt.

Ich habe das leider in vielen Diskussionen mit Veganern erlebt, die zum Teil einfachste Logik nicht begreifen, weil das dann ihr Theoriegebäude zum Einsturz bringt. Zum Beispiel der Unterschied zwischen rohem und gekochtem / erhitzen Fleisch. Seit Pottengers Katzenversuchen, hier kurz beschrieben, weiß man, dass es da einen fundamentalen Unterschied gibt. Das wird aber in keinster Weise erfasst, weil damit sofort das eigene ideologische Problem ad absurdum geführt wird.

Oder es wird nicht begriffen, dass es unlogisch ist, das etwas schmeckt, was angeblich nicht für den Menschen gemacht ist. Ich habe da öfters mal gefragt: wenn Fleisch, Fisch oder Honig nicht für den Menschen bestimmt sind, wenn wir also reine Pflanzenfresser sind, wieso schmeckt das dann im naturbelassenen Zustand?

Ja mir schmeckt es nicht!

Ja gut, aberen schon.

Die sind noch süchtig.

Autsch. Aber wieso haben haben dann die Kinder in diesem Experiment ohne Vorgaben tierische Produkte gewählt und wieso hat die Tochter vom Burger schon gleich nach der Geburt Thunfisch gemocht?

Ja.. weil... es ist ja auch egal. Tierisches Essen ist ethisch nicht vertretbar.

Und dann kommen oft die wirklichen Gefühle zum Vorschein. Oft richtiger Hass.

Übrigens beziehe ich mich auf diese Aussage vom Burger, die sich in seinem Buch "Die Rohkosttherapie" findet:

Im Gegenteil, es war eine ziemlich bewegende Erfahrung, der eine grundlegende Rolle in der Instinkto-Theorie zukommt. Ich sehe noch diesen Winzling auf den Knien meiner Frau, der im Licht einer alten Petroleumlampe die Augen weit aufsperrte. Nicht ohne eine gewisse Besorgnis hielten wir nacheinander alle Früchte, die wir auf dem Tisch hatten, an die Nase des Babys. Keine Reaktion, weder beim Apfel, noch bei der Orange, noch bei der Birne. Als wir bei der Banane waren,  öffnet Marielle  zu  unserer  Überraschung den Mund. Wir ziehen die Banane wieder weg, und der Mund schließt sich. Wir halten sie wieder dichter an die Nase, und wieder geht der Mund auf. Nach mehreren Versuchen besteht kein Zweifel mehr daran, daß das Baby völlig kohärent reagiert. Meine Frau kaut ihm also, wie es die Bäuerinnen früher taten, einen Happen Banane vor, und sobald der Löffel dicht an der Nase des Babys ist, öffnet sich das Mündchen, und zu unserer Verblüffung fängt Marielle an zu kauen, ganz bedächtig, als habe sie das schon immer gemacht, und schluckt ihren Happen dann runter. Sollen wir weitermachen oder laufen wir Gefahr, diesen  ganz  neuen Verdauungskanal  mit einer rohen Frucht zu traumatisieren? Es heißt, daß Muttermilch nötig sei, um die Darmflora zu besiedeln...      Marielle schluckt, wieder genau  so,  einen zweiten, dann einen dritten Happen, bis sie 4/5 der Banane (eine dicke Chiquita) aufgegessen hatte. Den nächsten Löffel lehnt sie ab, der Mund bleibt geschlossen, und bei jedem Versuch wendet sie den Kopf ab. Ich überrede meine Frau, ihr noch einen Löffel in den Mund zu geben, und sofort kommt die cremige Masse wieder heraus, die kleine Zunge funktioniert umgekehrt, wie der Transporteur einer Nähmaschine beim Rückwärtsnähen. Und genau das hatte ich zu beweisen gehofft: Das Programm ist genau koordiniert, sobald der Geruch nicht mehr dazu führt, daß der Mund sich öffnet, läuft der Nahrungsreflex anders herum, so daß die Frucht wieder ausgespien wird.

Und wie hat sie sie verdaut?

Das ist noch nicht alles. Als wir sahen, daß alles ganz normal läuft, probierten wir es mit weiteren Früchten. Marielle ißt mit dem gleichen Appetit eine Viertel Papaya – eine Tropenfrucht mit der Form einer Birne, nur zweimal größer. Ihr Magen muß voll sein. Eine Frage läßt mich indessen nicht los: Kann sich ein Baby dieses Alters schon vom Fleisch eines Tieres angezogen fühlen? Also halten wir ihr an die Nase: ein Stück Fleisch, ein Eigelb, ein Sardinenfilet, eine Auster, andere Meeresfrüchte... Keine Reaktion, außer bei Thunfisch. Der Mund geht ganz weit auf, und schon schluckt dieses Neugeborene munter drei Löffel rohen Thunfischs!

Und wie ist es weitergegangen? Hat sie nicht erbrochen? Keine Koliken gehabt? An Ihrer Stelle hätte ich die ganze Nacht kein Auge zugemacht.

Nicole und ich haben uns mit der Wache abgelöst. Wir hatten alles auf eine Karte gesetzt, und jetzt blieb nichts weiter übrig, als das Ergebnis abzuwarten. Nun, Marielle schlief wie ein kleiner Engel, ohne ein Bäuerchen, ohne Seufzer, ohne irgendwelches Magenkullern. Am nächsten Morgen begann sie zu saugen und verspeiste, außer der Muttermilch, noch fast eine ganze Mango. Ihre erste Mahlzeit kam zum anderen Ende wieder heraus, gut verdaut, ohne jede Fermentierung...

Es hat mich oft erstaunt, welche geistigen Purzelbäume gemacht wurden, um diese Experimente und Erfahrungen entsprechend ideologisch einzuordnen. Nur um nicht zugeben zu müssen, dass der Mensch vielleicht doch kein Veganer von Natur aus ist.

Ich dachte aber, dass es sich auf den Bereich der Ernährung beschränkt. Da habe ich mich aber gewaltig geirrt. Gerade zur Zeit sieht man, was die ideologische Fixierung auf "Richtig" und "Falsch" alles an Blüten treibt. Das hebelt zunehmend bei vielen Menschen das logische Denken aus.

Sowas zum Beispiel:

"Offenes Neukölln - Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt - Geschlossen gegen Rechts!"

Noch mal: Autsch!

Die Macher des Plakates, von dem ich diese Zeilen übernommen habe, wähnen sich auf der Seite der Richtigen, oder des Richtigen und sehen die anderen so vollkommen auf der Seite des Falschen, dass sie nicht merken, wie absurd und unlogisch ihre Aussagen werden in dem Bemühen, "die Guten" sein zu wollen.

Wenn ich offen bin und ein Demokrat, dann grenze ich nicht aus, sondern suche den demokratischen Disput. Höre mir an, was die zu sagen haben und argumentiere entsprechend und respektiere die Meinung des anderen, auch wenn der ungeliebte Positionen besetzt.

Argumentation. Das ist auch etwas, was zunehmend abhanden kommt. Wie auch schon bei den Vegandiskussionen, wo man schnell mal der "Leichenfresser" wird, was ja eine absurde Bezeichnung ist, so ist man heute bei allen Diskussionen zum Thema Einwanderung, Islam, AfD sofort rechts. Nein, Rechtsextrem! Also Nazi. Sachlich kommen aber fast nie Argumente. Nichts. Sofort kommt die Keule, zumeist schon im ersten Satz. Und wenn nicht im ersten Satz, dann im ersten Absatz. Ich habe das bei fast 100% der Kommentare bei Telepolis gelesen. Und oft kommen Wörter wie "Idioten", "Arschlöcher", "Deppen", "Vollpfosten", "Schwachmaten". Und das auch über Menschen, die einen weit höheren Bildungsabschluss haben als der, der solche Beschimpfungen benutzt und ihre Argumentation gut überlegt haben.

Also man verliert da fast etwas den Respekt, wenn sachlich vorgetragene Argumente sofort so beantwortet werden. Wie groß muss da die Angst sein?

Es hat sich im Grunde irgendwie von der Vegandiskussion und dem begrenzten Disput zischen Linken und Rechten, die bis zur Migrationskrise 2015 ja eher wenige Menschen beschäftigte, auf die ganze Gesellschaft ausgebreitet.

Als ob die Mehrheit der Gesellschaft gerade geistig "vegan" geworden ist und irrationale Abwehrreaktionen auf Gegenmeinungen zeigt. So wie die Veganer irratonale Abwehrhaltungen zeigen, wenn sie in Diskussionen mit anderen Meinungen konfrontiert werden.

Und wie bei der Vegandisskussion zeigt sich ja auch der Widerspruch zwischen dem, was man meint es sei richtig und der Realität.

Fast jeder Veganer hat B12-Mangel und muss das entsprechend supplemieren. Und die Migration ist auch nicht das, was sich viele so versprochen haben, sondern es gibt auch hier immense Probleme in der Realität.

Und das will man nicht wahr haben! Es muss also ein immenser Wunsch bestehen, auf der richtigen, der guten Seite zu stehen! Dieser Wunsch muss so groß sein, dass man die Realitäten schlichtweg verleugnet und Kritiker, die ja immer auch etwas Wahres ansprechen, sofort diffamieren und herabwürdigen muss.

Also mich erschreckt das!

Weil ich gerne mal in der Sache hart diskutiere, aber am Ende dann immer auch den Menschen sehe und zwischen Thema und Mensch differenziere.

Aber es fällt mir immer schwerer, nicht mehr die Worte "verdummt" zu benutzen.

Die Menschen verdummen sich aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung ihres Denkens einfach selber.

Hier ein Beispiel: Auf Facebook ging heute eine satirisches Bild rum, dass einen Haufen Wildgänse zeigte und daneben stand:

"Eine neue Flüchtlingswelle rollt aus den Süden auf uns zu!
Und es werden Millionen sein, alle ohne Papiere!
Sie werden illegal über unsere Grenzen kommen!
Sie werden keine Angaben zu ihrer Herkunft machen!
Keine Mauer hält sie auf!

UND DIE KACKEN (Anm: das scheint für die Macher ganz wichtig zu sein) AUF DIE AFD!"

Die Menschen verdummen, dadurch, dass sie "die Guten" sein wollen, im rasantem Ausmaß.

Man muss kein Ökologe sein, es reichen zwei Gedankengänge, um die Absurdität dieses Vergleiches zu begreifen.

1. Wildgänse kommen vom Norden zu uns. Nicht von Süden. Die brüten im hohen Norden und überwintern dann hier. Nennt sich "Wintergäste".

2. So ziemlich ALLE Zugvögel, die vom Süden hier hochkommen, sind hier "geboren" (geschlüpft, um genau zu sein). Die Zugvögel kommen zum Brüten nach Mitteleuropa. Deswegen heissen die Brutvögel. Dann ziehen sie wieder in den Süden, überwintern dort, bevor sie im Frühjahr wieder in den Norden ziehen, um die nächste Generation aufzuziehen.

Das sind also alles gebürtige Deutsche, wenn man es mal so betrachten will, die den Winter wie viele Rentner im Süden verbringen (schade, dass die nicht sprechen können, die hätten sicher vieles zu bemängeln, was sich hier in der landwirtschaft mittlerweile für sie zum Negativen verändert hat, aber das ist ein anderes Thema).

Ja, und solche einfachen Zusammenhänge werden nicht mehr überrissen, weil man "gut" sein will. Dann schwatzt man irgendwelchen Blödsinn daher und zieht vollkommen absurde Vergleiche.

3. Die Vögel flüchten nicht von Süd nach Nord, sondern genau umgekehrt. Wie die Rentner flüchten die von Nord nach Süd, die dann in Spanien, auf den Kanaren oder den Ballearen "überwintern".

4. Vögel, die hier in Mitteleuropa überwintern, kommen aus dem hohen Norden. Das sind quasi die Schweden, Norweger, Russen, Finnen und Isländer.

Nun weiß ich nicht, ob da jemand sowas postet, um die Absurdität der heutigen Zeit aufzuzeigen, oder ob das wirklich ein erstgemeinter Beitrag war. War er ernstgemeint, polemisch, aber ernstgemeint, dann ist es ein hervorragendes Beispiel für die Selbstverdummung als Folge einer ideologischen Verblendung.

Und das Problem ist im Grunde das "Mitläufertum". Man rennt dem Massengeist hinterher, weil man schon so von sich selber entfremdet ist, dass man keine Verbindung zur eigenen inneren Instanz mehr hat.

Das kommt jetzt alles auf die Bühne und wird sichtbar!

Woher das alles kommt, siehe folgender Vortrag von Dr. Hans Joachim Maaz:

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