Wie sich der Bedarf ändert

17.05.2015 18:34

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Bedarf gradewegs an die vorliegende Ernährungsidee anpasst. Oder ist es umgekehrt? Wie auch immer, mir wird grade bewusst, dass sich meine Ernährungsintuition, also das Gespür, das Gefühl und die Eingebungen, sich vollkommen im zuckerfreien Bereich bewegen. So habe ich grade heute wieder den Impuls gehabt, mal wieder Rohmilch-Butter zu bestellen. Nach Weston Price ist ja die Butter am wertvollsten, die in der Wachstumsperiode der Vegetation gewonnen wird. Und das ist ja jetzt der Fall. Im Juni ist sie dann am wertvollsten und bei den Schweizer Bergbewohner galt sie als besonders wichtiges Lebensmittel. Also werde ich mir mal wieder welche bestellen. Ich habe einfach Lust drauf! Mir ist vor allem wichtig, dass es roh / naturbelassen und bestmögliche Qualität ist.

Die Frage ist ja tatsächlich: woher kommen die Kalorien? Wenn man Obst und Honig weglässt, bleibt in der Natur nicht mehr viel übrig, was Energie gibt. 80 10 10 zum Beispiel funktioniert ja nur mit kalorienreichen Früchten, sonst kacken die Burschen und Mädls recht schnell ab. Ohne die obligatorischen 30 Bananen pro Tag geht ja nichts. Urkost das Selbe. Ohne Früchte bricht das recht fix in sich zusammen. Wer da ein Fruktoseproblem hat, für den ist das also alles nicht geeignet. Wandmaker Rohkost dito. Übrigens, die Zeitschrift "Wandmaker aktuell" wollte mal einen Treffenbericht haben. Ich habe dann den vom Ostertreffen rübergeschickt. Da waren ja auch Fotos von nicht-veganem Essen. Schon haben sie sich nicht mehr gemeldet. LOL - Was bleibt also? Die meisten von Vegetariern konsumierten Produkte sind ja roh nicht essbar oder nur in geringen Mengen. Also sprich Getreide, Mais, Kartoffeln und Reis. Somit bleiben nur die pflanzlichen und tierischen Fette sowie Produkte wie Süßkartoffeln, Zuckermais oder Erdmandeln.

Oh Mann, ich muss grade auch dran denken, wieviele Jahre ich mich mit diesem Übermaß an Früchten selber gemartert habe. Alter Schwede!!! Dadurch, dass der Fruchtzucker ja unverdaut in den Dickdarm gelangt, wo ihn dann bestimmte Bakterien lustvoll verdauen, kommt es ja zu sehr unschönen Erscheinungen. Blähungen, Juckreiz am Arsch, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Fettansatz, Ziehen in den Zähnen, ich hatte sogar lange ein Ekzem am Arsch, dass durch diesen Zuckerüberschuss genährt wurde. Süße Sachen runter vom Speiseplan, ruck zuck war alles weg. Wobei ich einschränkend sagen muss, dass es mit den selbst geernteten Produkten zumindest zeitweise auch gut ging. Vor allem die schwedischen Mehlbeeren, Himbeeren, Mirabellen und Feigen haben hier gute Ergebnisse gebracht, wie gesagt, zumindest zeitweise. Gott sei Dank war die Saison aber immer recht kurz. Die Rollinas in Costa Rica und die Corosoll waren auch noch ok. Aber früher oder später musste ich immer wieder die Finger von den Früchten lassen, weil eben obengenannte Probleme wieder Schritt für Schritt auftraten.

Und ich habe alles probiert: mono essen, Wildkräuter dazu, ganz langsam kauen, kauen bis es flüssig wurde (das ging noch am Besten, eine Malzeit dauert aber zum Teil dann 2 Stunden), tagelang NUR Früchte (da verliert man ja vollkommen die mentale Bodenhaftung), Säfte (da konnte ich saufen bis der Magen auf vierfache Größe angeschwollen war). Es hat ALLES nicht wirklich geholfen. Ich habe auch gemerkt, dass es keinen großen Unterschied macht, wie das Verhältnis von Fructose zu Glukose ist. Vollkommen wurscht. Es kommt einzig auf die Menge an Fruchtzucker an. Andere süße Sachen, wie Zuckermais, Süßkartoffel, Erdmandeln, junge Kokosnüsse etc., die eben andere Zuckerarten enthalten, gehen ja alle problemlos, ja wirken ungemein ausgleichend und harmonisierend auf den Körper.

Aber ich war eben auch verblendet und überzeugt, dass es mal vorbei geht und dass es eben Entgiftung ist. Manchmal gings auch etwas besser und ich dachte OK, jetzt bin ich durch mit der Entgiftung, und es war ja auch insgesamt alles immer noch weitaus besser als vorher unter Kochkost, nur dass es dann auch wieder schlechter wurde, wo ich dann dachte: OK, durch diese Entgiftungszeit musst du nun noch durch. Und so blieb ich jahrelang bei dieser Ernährungsweise, die mehr oder weniger 50% Früchte enthielt. Und die eben fast täglich genossen. Und das muss man ja auch zugeben: es war die meiste Zeit absolut himmlisch! Ja, wie denn das? Die einzige Erklärung: die Bakterien im Dickdarm beeinflussen den Instinkt mehr als gedacht. Für die war es ja total cool, immer wieder schön Nachschub geliefert zu bekommen. Und wenn es mal weniger Zucker gab, haben sie mich ganz schnell ganz traurig gemacht! lol 

Aber irgendwie kam es Schritt für Schritt zu mir, und ich musste die entsprechende Konsequenzen ziehen. Mich haben da auch andere Rohies negativ beeinflusst: die ständige Sehnsucht nach Tropenfrüchten, die Schwärmereien für Südfrüchte und gleichzeitig hängen die Bäume ringsrum voll (aber daran sind wir ja nicht richtig angepasst - Alter!), die Unmengen an Kohle, die ich für diese Produkte ausgeben muss und dann werfe ich noch die Hälfte in den Kompost, die Verbohrtheit der veganen Rohköstler und der 80 10 10er, das ständige Gerede von "wir gehören eigentlich in die Tropen" (das geht mir am Meisten auf den Sack, weil es schlichtweg auf einer Ernährungsgewohnheit fußt, und nichts mit der Realität zu tun hat und hätte man sich erst gar nicht an die tropischen Sachen gewöhnt, sondern an andere Produkte, würde man auch nicht so reden), die vielen kaputten Zähne...

Und jetzt esse ich schon monatelang eine Rohkost, die zumindest zum Großteil sehr europäisch und nordisch ist. Und es geht auch! Es geht sogar richtig gut!

Heute habe ich wieder Sport getrieben, gestern auch. Ich habe da genauso Energie wie vorher auch. Ich merke da eigentlich keinen Unterschied. Arbeiten und mich konzentrieren geht auch und mein ökologisches Gewissen ist nicht mehr so nervig. Durian, Kokosnüsse, Mangos, Bananen, Jackfrucht, Chempedak, Kokosnüsse...mir alles wurscht geworden. Früher habe ich da Unmengen an Geld für ausgegeben. Jetzt habe ich geringere Kosten und mehr Gesundheit. Wenn bestimmte Produkte wie Mirabellen oder Himbeeren hier Saison haben, dann nutze ich die, den Rest des Jahres gibts dann eben was anderes. Alles nur eine Frage der Organisation und der Phantasie. Und man geht auch dieser Kariesproblematik aus dem Weg. Das hat mich ja jahrelang auch echt genervt, dass man immer irgendwie Angst haben musste, dass es einem die Zähne ruiniert. Woher die Angst kam? Na einfach vom Anblick der kaputten Zähne auf den Rohkosttreffen. Ich frage mich manchmal, ob ich mit den Zähnen knirsche, weil ich unterbewusst an diesem Kariesproblem gekaut habe. Aber gut, das sind nur Überlegungen. Und das ich nun ab und an mal Butter esse, was ja in der herkömmlichen Rohkost eher verpönt ist? Mir vollkommen wurscht! So wie es mir auch vollkommen wurscht ist, wenn mir welche die Vorzüge von veganer Ernährung nahe bringen wollen. Ich habe die negativen Auswirkungen, die Schattenseiten der früchtebetonten Rohkost und auch der veganen Ernährung gesehen, damit braucht mir einfach keiner mehr kommen.

Die "Umstellung innerhalb der Rohkost" hat sich, so mein erstes Fazit, für mich erstmal gelohnt. Es zieht nun endlich nichts mehr in den Zähnen! Der Bauch ist meist schön flach, die Verdauung OK und ich habe keinen Juckreiz mehr am Arsch.

Es brauchte aber auch eine gewisse Anstrengung, von den süßen Sachen weg zu kommen. Aber irgendwann ging es so wie zuvor einfach nicht mehr weiter. Da ca. 30% der Europäer auch diese Fruchtzuckermalabsobtion haben, muss es ja noch mehr Menschen geben, die hier vllt. nach einem Ausweg suchen. Und das ist ja das Schöne am Leben: es ist immer auch Entwicklung, Wachstum und Veränderung.

Für mich (und wenn ich die Karies- und auch die Ökoproblematik bedenke auch für viele andere Rohies) war diese früchtebetonte Rohkost einfach noch nicht das Optimum. Und jetzt heisst es also rauszufinden, wie es anders immer besser geht! Herrlich, oder? Wieder ein neues Abenteuer und eine neue Forschungsreise!!! :-D

Ich liebe sowas! :-)

Ob es am Ende darauf hinaus läuft?

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(Quelle: https://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Essen-von-der-Steinzeit-bis-heute)

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