Wir müssen uns wirklich was überlegen!

29.03.2018 21:18

Auf der einen Seite verbuschen die Almen und Trockenrasen, weil sich die Tierhaltung auf diesen Flächen nicht mehr lohnt und auf der anderen Seite roden wir den Regenwald in Brasilien für Soja.

taz.de/Regenwaldrodung-in-Suedamerika/!5494271/

In Lateinamerika werden für den Sojaanbau riesige Flächen abgeholzt. Die Ernte kommt als Nahrung für Nutztiere nach Europa.

Deutsche Rinder fressen Südamerikas Wälder. Auf diese knappe Formel lassen sich die Ergebnisse des Berichts „Die vermeidbare Krise – die Umweltkatastrophe der deutschen Fleischindustrie“ bringen, den die US-Umweltorganisation Mighty Earth vorgestellt hat. Logisch, dass die darin aufgezeigte Kausalkette länger ist als „Rind frisst Wald“.

Und auch hier zeigt sich wieder dieser Zweispalt zwischen Ökonomie und Ökologie: es macht einfach Sinn, die Tiere einzusperren und sie mit aus industrieller Landwirtschaft erzeugten Produkte zu mästen. Damit kann man eben Masse produzieren. Große Maschinen roden den Wald und mit großen Einsatz von Maschinen, Pestiziden und Gentechnik wird dann so billig wie möglich produziert. Das wird dann nach Europa verschifft. Wo die Tiere in Ställen stehen und nach Zeitplan gemästet werden.

Das ist effizient, produktiv und führt zu billigen Produkten. Ökonomisch logisch und folgerichtig. Deswegen wirds gemacht. Ökologische Kosten werden nicht in die Produktkosten einberechnet. Nur deswegen geht das. Diese Kosten werden sozialisiert. Kosten für Krebsbehandlungen aufgrund von Glyphosat, das ja im Verdacht steht, Krebs zu erregen, werden nicht eingepreist, Renaturierungen, Wasserverschmutzungen, alles was da so an Problemen anfällt dito. Das übernimmt die Gemeinschaft.

Und das geht alles noch sehr viel tiefer, wie sehr die Wirtschaft mittlerweile subventioniert wird. Hier ein sehr lesenswerter Beitrag dazu:

www.heise.de/tp/features/Die-Dreifaltigkeit-der-Tributoekonomie-3927880.html?seite=all

Mit Subventionen, leistungslosen Einkommen aus Eigentumsrechten und Aneignung durch Schulden wird die kapitalistische Maschinerie der endlosen Geldverwertung in Gang gehalten

Das Bild der "Megamaschine" stammt ja ursprünglich vom Scheider, der auch den Text verfasst hat.

Es gehörte schon immer zu den schmutzigen Geheimnissen des Kapitalismus, dass er mit freien Märkten sehr wenig zu tun hat und von Anfang an untrennbar mit staatlichen Herrschaftsstrukturen verflochten war. Die frühneuzeitlichen Staaten gewährten Händlern und Bankiers wie den Fuggern Monopolrechte als Gegenleistungen für Kredite, mit denen die Landesherren Söldner und Rüstungsgüter bezahlten. Nur durch diese Kredite konnten die sich neu formierenden Territorialstaaten ihre Macht aufbauen. Und nur durch die Monopole konnten die Händler und Bankiers die enorme Konzentration von Kapital in ihren Händen erreichen, ohne die der Kapitalismus undenkbar wäre.

Und heute sind die Verflechtungen genauso aktiv. Und eine "Dienstleistung" der Staaten ist es eben, die Kosten für die "Müllbeseitigung" zu übernehmen. Die Welt würde ganz anders aussehen, wenn wirklich mal alle Kosten in die Produkte einfliessen würden.

Lest euch den Text vom Fabian Scheidler mal durch, der ist sehr aufschlussreich, wie alles funktioniert.

Aber mal weiter zum Thema:

„Mit seinen fast 82 Millionen Verbrauchern ist Deutschland der größte Nahrungsmittelmarkt in Europa, dieser Industriezweig ist der drittgrößte Deutschlands“, heißt es in dem Bericht. Gerade die deutschen VerbraucherInnen hätten ein geschärftes Bewusstsein in Sachen Bio, Nachhaltigkeit und lokaler Erzeugung, lobt die US-Organisation. „Supermarktketten wie Edeka, Lidl, Kaufland, Aldi, Rewe und Metro, die 70 Prozent des Einzelhandelsmarktes kontrollieren“, würden deshalb ihr Wurst- und Fleischangebot auch als nachhaltig und aus heimischer Produktion stammend anbieten. Allerdings: „Das Etikett ‚Aus Deutschland‘ ist nur die halbe Wahrheit“, so Mighty Earth.

Und dann soll die Bevölkerung auch noch auf über 90 Millionen angehoben werden, oder gar auf 115 Millionen, wie gestern im Beitrag erwähnt. Wer kann das eigentlich noch nachvollziehen?

Es würde doch, trotz geschärftem Bewusstsein, Sinn machen, wenn die Bevölkerung eben auf 60 oder 50 Millionen schrumpft. Aber auch hier: Ökologie und Ökonomie gehen nicht zusammen. Und bisher geht die Wirtschaft vor. Wir haben die Probleme ja auch nicht gelöst. Zu DDR-Zeiten, die DDR hatte ja einen Staatskapitalismus, waren die Flüsse hier tot. Nach der Wende wurden die alle wieder renaturiert, indem die Betriebe, die da ungeklärte Abwässer eingeleitet haben, zu gemacht wurden oder es wurden Filter eingebaut. Ruck zuck waren die Flüsse wieder einigermaßen sauber. Es gibt immernoch Probleme, aber sie sind sehr viel sauberer als damals.

Da kann man sich freuen. Nur wird übersehen, dass die Probleme nur verschoben wurden. Jetzt sind viele Flüsse in China, Indien, Bangladesh und andere Länder verdreckt und tot. Weil ein Großteil der Produktion hierher gegangen ist. Eben weil die Umweltstandards da gering sind (sinkende Produktionskosten). Hier sind sie nun sauber, aber dort, eben weil billig produziert wird, nicht mehr.

Unter die Lupe genommen hat Mighty Earth den Chaco, ein ausgedehntes Trockenwaldgebiet, das sich über Argentinien, Bolivien und Paraguay erstreckt. Hier gehen die Abholzungen weit schneller voran als im Regenwald des Amazonas. „Über acht Millionen Hektar des Chaco wurden in nur zwölf Jahren gerodet“, heißt in dem Bericht. Das ist größer als das Bundesland Bayern.

Das geht aber auch nur, weil eben die Staaten da mitmachen und vor den Konzernen einknicken. Und hier wurden die Leute ja massiv auf billig erzogen. Geiz ist geil! Warum? Damit eben genug Geld für den Konsum für andere Industrieprodukte übrig bleibt.

Zudem wird immer wieder von gewaltsamen Vertreibungen durch Großgrundbesitzer berichtet, von Provinzregierungen, die angeblich nicht schützend eingreifen können, weil lokale RichterInnen einmal mehr zugunsten der Latifundistas entschieden haben.

Rio Reiser hat mal gesungen: Wer das Geld hat, hat die Macht. Und die Konzerne sind derzeit eben so mächtig, dass sie da machen können, wie sie wollen und wenig zu befürchten haben.

Es ist auch pervers: die bringen ja auch wirklich Arbeitsplätze und verschaffen den Menschen ein Auskommen. Deswegen haben die und die von ihnen gewählten Regionalpolitiker ja auch immer das Interesse, dass es so weiter geht, obwohl es zum Teil verherrende Auswirkungen hat.

Das ist genau das, was Reich gesagt hat, dass die Gesellschaft nicht nur das Ergebnis einer Entwicklung ist, sondern auch ihr Motor.

Hier hilft eigentlich nur Bewusstwerdung und das Denken von Alternativen.

Abgeholzt wird vor allem für den Anbau von Sojabohnen und für die Viehwirtschaft, wobei Letztere oftmals nur die Vorstufe für den späteren Anbau von Ölsaaten ist. Haben die Rinder erst die letzten Reste abfressen, folgt die Aussaat von Soja. Dabei handelt es sich ausschließlich um genmanipulierte Pflanzen, deren Anbau „enorme Mengen an chemischem Dünger und giftigen Pestiziden wie dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat“ erfordert.

Das ist die Bewusstheitsstufe, auf der sich das Massenbewusstsein befindet.

Abholzen, Gentechnik, Pestizide.

Und es ist eben auch die Folge der Struktur einer subventionierten Wirtschaft, in der eben die Folgekosten nicht eingepreist werden (müssen) und wo eben Wachstum generiert werden muss. Und das geht eben nur durch erhöhten Absatz, Preissteigerungen, Rationalisierungen und Effizienssteigerungen. Im Grunde ist es immer eine Mischung aus diesen Maßnahmen.

Mehr Absatz - hier werden eben auch mal Länder mit für die eigene Wirtschaft ruinösen Freihandelsabkommen regelrecht aufgebrochen. Oder mit Kriegen überzogen, um danach mehr absetzten zu können. Das passiert ja in Afrika im großen Stil. Denen wurden Freihandelsabkommen aufgezwungen und ihre eigenen Produktionen sind eingebrochen.

Preissteigerungen - das ist das ungeliebteste Mittel. Geht aber, wenn die Nachfrage steigt.

Rationalisierungen - geht in der Landwirtschaft eben durch Flur"bereinigungen", Monokulturen, große Maschinen, schnellere Ernten.

Effizienssteigerungen - dazu gehört Gentechnik, Pestizide, aber auch große Maschinen, Monokulturen.

Das sind die Maßnahmen, um Wachstum zu generieren. Mehr Absatz, steigende Preise bei gleichem Absatz und / oder Rationalisierungen und Effizienssteigerungen, als Reduzierung der Produktionskosten.

Und das wirkt überall und wenn die Länder keine klaren Regeln vorgeben, dann setzt sich eben das durch, was leider auch am Destruktivsten ist. Für die Natur zumindest. Weil deren Benutzung kostet nichts. Die verlangt keinen Preis. Der Fluss führt kostenlos den Dreck weg und der Boden produziert kostenlos Futter- und Nahrungsmittel. Und da immer nur die kurzfristigen Ziele gelten, Quartalszahlen, Jahresendberichte, maximal 5-Jahrespläne (die gibts ja immernoch), wird auch nur kurzfristig gedacht und es setzt sich das durch, was kurzfristig maximalen Gewinn bringt.

Und das wird sich nur durch große Krisen ändern, die einen Bewusstseinswandel erzwingen. Von ganz alleine ist zumeist noch keine Bewusstwerdung passiert.

Ich tröste mich da immer mit einem Spruch von Laotse:

In des Übels übertreibung liegt des Übels Heilung

Vielleicht muss es erst richtig schlimm kommen, bevor es besser wird. 

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