Zufall

20.08.2016 18:59

Also diesen Artikel hat mir das Universum heute zukommen lassen. Genau richtig, denn irgendwie hat mir in letzter Zeit genau das irgendwie auf der Seele gelegen: 

An alle, die glauben, sie hängen im Leben hinterher

Ich weiß nicht, wer oder was es für Dich ist: die ehemaligen Studienkollegen, die „an Dir vorbeiziehen“; die Bekannten, die schon die ganze Welt gesehen haben, während Du Urlaub höchstens auf Deinem 1-Quadratmeter-Balkon machst; die Facebook-Freunde, die immer dünner und fitter und beliebter werden, während bei Dir höchstens der BMI große Sprünge nach oben macht.

Die meisten von uns kennen wohl dieses Gefühl, im Leben hinterherzuhängen. Manchmal zieht es, manchmal beißt es, manchmal zerfleischt es … unseren Seelenfrieden … wir sollten dringend aufholen, „noch mal angreifen“, heißt es (in unserem Kopf).

Also muss mehr Motivation her, mehr WILLE, mehr Anstrengung, mehr inspirierende Zitate, mehr To-Do-Listen und Produktivitätstechniken, mehr Apps, mehr Netzwerken, mehr Ziele-Visualisieren, mehr Zeug, das uns weismachen will, wir seien nicht gut genug.

Ich kann mich davon auch nicht ganz frei machen. Ehemalige Studienkollegen machen Karriere, haben sichere Arbeitsplätze, verdienen viel Geld oder haben interessante Aufgaben, oder reisen um die Welt.

Andere Rohies ziehen tausende auf ihre Treffen, während ich keine 100 Deutschen zusammentrommeln kann, schreiben Bücher und geben Seminare und Workshops, beim Gitarrespielen kriege ich regelmäßig die Krise und mag manchmal gar nicht mehr spielen, dazu kommt keine Freundin, keinen Job, kein Einkommen, keine Kinder. 

Da denke ich auch oft: Du bist ja eigentlich voll der Looser. Hast super Noten gehabt und warst klasse im Job und jetzt? Los, jetzt raff dich auf. Mehr üben, vielleich mal ne Band gründen, mehr Leute bei Facebook zum Treffen einladen, mehr Werbung machen, Videos drehen, mehr ausgehen und flirten, mehr Bewerbungen schreiben, sich mehr anstrengen, sich mehr motivieren, wieder mehr "Instincto" leben. Ich sollte doch eigentlich viel mehr machen! Du hast doch das Zeug dazu, bist intelligent, fleissig, bist eine Führungspersönlichkeit, hast klasse musikalisches Talent ... Wieso machst du sowenig daraus?

Dabei brauchen wir eins mehr als alles andere:

Die Erlaubnis, jetzt genau da zu sein, wo wir eben sind.

Die Wahrheit ist doch:

Wir hängen nicht im Leben hinterher. Wir hängen nur Fantasien hinterher, wie wir angeblich sein sollten und was wir angeblich erreicht haben sollten.

Genau das ist es ja. Und dabei sind es nicht mal meine Fantasien! Sondern die, die man suggeriert bekommt, dass es das ist, was man wollen soll.

Genau betrachtet waren die letzten 1,5 Jahre die glücklichsten meines Lebens!

Schließlich sind wir doch Menschen und keine verfickten Roboter, die ihre Motivation nach Belieben aufdrehen können, indem sie ein bisschen an ihren Brustwarzen-Schrauben drehen. Genauso wenig haben wir immerzu Kontrolle über alles, können nicht jederzeit unsere ganze Existenz manipulieren.

Das hat mich ja immer so abgestoßen, dass man in diesem System dauernd eine Art externe Motivation braucht. Fast nichts passiert aus sich selbst heraus. Wie die Anlage des Gartens hier: das kam vollkommen aus mir selbst heraus. Da brauchte es null externe Motivation. Oder Zeit mit meinen kleinen Rohkostfreunden zu verbringen. Dazu musste ich mich nie auch nur eine Sekunde motivieren. Oder Sport treiben, wenn ich Lust dazu hatte. Ging ganz von Selbst.

Aber natürlich denke ich da oft: eigentlich müsstest du ja .... und verglichen mit ... und was brigt das ein?

Das Leben lenkt uns mal in die eine Richtung, dann in die andere, lehrt uns Dinge nach seinem Lehrplan, nicht nach unserem.

Vieles können wir weder beschleunigen, noch erzwingen. Vielleicht muss die Idee zu dem Buch, das wir schreiben wollen, erst noch weiter in uns heranwachsen. Vielleicht müssen wir erst noch etwas im Alleinsein über uns selbst lernen, bevor wir bereit sind für eine neue Liebe. Vielleicht sind uns in Wirklichkeit ganz andere Dinge wichtig als die Million auf dem Konto. Und vielleicht wird aus dem Schmerz, den wir heute haben, irgendwann etwas Großes geboren.

Was uns unglücklich macht, ist, dass wir um diese Dinge wissen, und trotzdem immer wieder und immer härter versuchen, unser komplettes Leben zu designen, als wär’s eine Scheiß Ikea-Küche.

Wir hängen nicht im Leben hinterher. Wir hängen uns auf an sinnlosen Vergleichen mit Menschen in völlig anderen Situationen. Wir hängen uns auf am Wort „Sollte“ – wir sollten doch glücklicher sein, reicher, heißer. Wie ein Seil, geknüpft aus Scham, legt sich dieses Wort um unseren Hals, nimmt uns die Luft und wir zappeln und zappeln mit den Beinen und kommen nirgendwo hin.

Zum Glück können wir diese Schlinge abnehmen. Durchatmen. Loslassen, und sei es erst mal nur ein bisschen, nur für einen Moment, in dem wir daran denken: Wir sind genug. Wir dürfen uns erlauben, dort zu sein, wo wir gerade sind. Und wenn die Zeit reif ist, wird passieren, was passieren soll.

Das Universum ist wirklich immer wieder erstaunlich!

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