Zwei Meldungen.

05.12.2019 19:22

Heute bin ich über drei Meldungen gestolpert, die eigentlich "schön" zeigen, dass in unserer Gesellschaft dringend etwas geändert werden muss. Hier die ersten zwei:

In Deutschland leiden viele Kinder unter Depressionen und Angststörungen. Die DAK fordert deshalb deutlich mehr ambulante Hilfsangebote. Denn: Die Zahlen offenbarten nur die Spitze des Eisbergs.

Sie fühlen sich schlapp, antriebslos. Selbstzweifel nagen, Angst raubt jede Energie: In Deutschland sind viele Kinder von psychischen Erkrankungen betroffen. Das geht aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK hervor. Demnach diagnostizierten Ärzte bei Kindern in 1,9 Prozent der Fälle eine Depression, in 2,2 Prozent eine Angststörung. Untersucht wurden Schulkinder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren. Mädchen waren den Kassendaten zufolge wesentlich häufiger in Behandlung als Jungen.

17 Prozent der Betroffenen bekamen Antidepressiva verschrieben, 8 Prozent kamen zur Behandlung in eine Klinik. "Im Report sehen wir nur die Spitze des Eisbergs", kommentiert Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte den Bericht. "Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus." Die meisten Kinder leiden still.

www.tagesschau.de/inland/kinder-depressionen-101.html

Wundert mich nicht... der ganze Zustand der Gesellschaft trifft am Ende natürlich auch die Kinder und Jugendlichen. Und das ist nicht erst heute so, dass war auch früher schon so, denn die Gesellschaft ist ja nun früher nur in Details anders gewesen als heute, wenn es um die grundlegenden Bedingungen geht.

Als ich Kind war, lebte man ständig mit der Bedrohung eines Atomkrieges, dann waren die Scheidungsraten hoch, es wurde viel gesoffen, es gab Gewalt und auch viele Deppen.

Das Schlimme ist: es wurde nicht besser.

Wie kann es sein, dass wir es nicht in den Griff bekommen, die relevanten Probleme dieser Gesellschaft zu lösen? Egal wohin man blickt, es funktioniert nicht wirklich.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht davon aus, dass im Vorschulalter ein Prozent der Kinder und im Grundschulalter rund zwei Prozent betroffen sind. Bei Jugendlichen stiegen die Raten dann an: Zwischen 12 und 17 Jahren seien es drei bis zehn Prozent Betroffene.

(...)

Rechnet man die Zahlen der DAK hoch, wären in Deutschland 238.000 Kinder- und Jugendliche von Depressionen und Angststörungen betroffen.

Es fehlt eben auch an spiritueller Energie, an Magie, an familiärem Halt, an ungestressten Eltern und intakten Großfamilien, an Freiheit und an vielen Sachen, so dass dann immerhin fast jeder 10. Jugendliche unter Depressionen, also im Grunde auch irgendwo unter einem Energiemangel, leidet. Der Maaz hat da ja mal gesagt, dass angestaute Wut zu Depressionen führt und dass jeder Selbstmord eigentlich ein verhinderter Mord ist. Da ist was dran, nur woher kommt denn die Wut, die da unterdrückt wird?

Und gerade bei Jugendlichen fehlt da auch etwas die gesunde Struktur einer Gemeinschaft. Haben Trobriander Depressionen? Buschleute in Afrika? Welche Gesellschaften neigen eher zu Depressionen und warum? Was ist es, was die Kinder so wütend macht, dass sie depressiv werden, weil sie diese Wut nicht ausdrücken können?

Und was ist es bei Kindern im Grundschulalter?

Nun mag das Licht eine Rolle spielen. Der Winter ist eben die dunkle Jahreszeit.. aber anscheinend ist ja das nicht auf solche markanten Zeiträume beschränkt.

Was fehlt da also bei vielen Jugendlichen?

Zu den Anzeichen für eine Depression gehören oft Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessenverlust.

Warum sind sie traurig? Wieso der Energieverlust?

Was fehlt da?

Und was schlägt die Jugendlichen nieder? Das Leben? Die Bedingungen im Habitat? Die Zustände in der Population?

10% ist eine Hausnummer und ich kann mich auch erinnern, dass ich als Teenager mit 14, 15 solche depressiven Phasen hatte.

Was war da der Grund?

Ich glaube, dass hat viel mit Liebe zu tun. Es fehlt da Liebesenergie, an Magie, an genährt werden. Zu der Zeit ist ja auch meine Oma gestorben, die so die bedingungslose Liebe darstellte und das war natürlich sofort ein gravierender Mangel. Und wer da empfindlich ist, der leidet dann unter diesem Mangel. Hinzu kommen dann heute auch die ganzen gesellschaftlichen Probleme. Leistungsdruck, Elternhaus, wo alle gestresst sind, Mobbing, Pubertät, wo eh alles durcheinander gerät...

Wie gesagt, wundert mich alles nicht.

Und das geht dann eben bis ins Erwachsenenalter:

Überlastung ist das große Thema des diesjährigen Reports mit dem Titel "Arbeiten am Limit". Vieles, was dort an Phänomenen der aktuellen Arbeitswelt angesprochen wird, wird informierten Lesern und denen, die ihr Auskommen als Angestellte verdienen, längst bekannt sein: die Überstunden, der hohe Zeitdruck bei der Arbeit, psychischer Druck, die zunehmende Arbeitsverdichtung und die Überlastung durch die Menge an Arbeit. Dazu gaben die für die Befragung "zufällig ausgewählten" 6.500 abhängig Beschäftigten Aussagen, die begründen, warum ein derart großer Anteil unter ihnen, 40 Prozent sind viel, an ihrer Durchhaltefähigkeit zweifelt.

www.heise.de/tp/features/Die-erschoepfte-deutsche-Arbeitswelt-4606435.html

Ich empfinde das, was heute oft in der Arbeitswelt passiert, als eine Zumutung und persönliche Beleidigung. Was da gefordert wird, wie die Menschen da drangsaliert werden und sich auch gegenseitig das Leben schwer machen... ich habe die Entwicklung ja erlebt. War es in den 90ern noch ein eher normales Arbeiten, mit normalen Arbeitszeiten, Pausen und eben alles ohne Handysw und email, zumeist eben nur Telefon und wer nicht am Platz war, wurde eben nicht erreicht, so ging dass dann innerhalb von 10 Jahren so richtig ab.

War es früher ein Dauerlauf mit mäßigem Tempo, den man von der Ausbildung bis zur Rente durchziehen konnte, so wurde das Tempo irgendwann eben so hoch, dass man das zwar mal eine Zeit mitgehen kann, aber eben weiß: die ganze Strecke halte ich das nicht durch.

Und es trifft ja zum Teil schon junge Leute, die da ausbrennen.

Interessant ist hier die Beobachtung, dass die Überlastung zwar in allen Berufssektoren weit verbreitet ist, aber "besonders häufig" Beschäftigte in IT- und naturwissenschaftlichen Berufen betroffen seien. 35 Prozent der Befragten gaben in diesem Sektor an, dass sie "die Arbeitsmenge (sehr) häufig nicht in der vorgesehenen Arbeitszeit schaffen zu können".

Eine Abbildung auf Seite 5 des PDFs veranschaulicht, dass die Alarmbalken in rot und orange, die die Überlastung anzeigen - "die Arbeitsmenge wird in der vorgesehenen Zeit nicht geschafft" -, bei den Kategorien "komplexe Spezialistentätigkeit" und "hochkomplexe" Tätigkeit besonders ausgeprägt sind. Sie entsprechen 30 Prozent und 36 Prozent, die in den beiden Kategorien mit "sehr häufig" und "oft" geantwortet haben.

Kann ich bestätigen. Landschaftsplanung war ja eines der komplexesten Arbeistfelder überhaupt. Da muss man ökologisches Wissen, rechtliches Wissen, Planung und Kreativität, Menschenkenntnis, freies Reden und Vortragen, Argumentieren, Terminplanungen, Abrechnungen, Angebote erstellen usw. unter einen Hut bringen. Alleine das ökologische Wissen umfasst eben Faunistik und Vegetationskunde, dazu dann die relevanten Programme GIS und CAD, dann ALLE Gesetze, und die sind vielfältig... und gut planen soll man auch noch. Und alles unter Zeitdruck erledigen.

Also die meisten aus dieser Branche sehen tatsächlich immer aus wie ausgekotzt, wenn man denen begegnet.

Das Schlimme, und das wirkt sich eben auch emotional aus: vieles findet sich dann nicht in der Natur wieder. Es verpufft in Form von vielen Seiten beschrieben Papiers, endlosen Sitzungen, Diskussionen mit Auftraggebern, Behörden, Umweltverbänden, und jeder will was anderes...

Da wird auch viel Arbeit simuliert und man wird beschäftigt gehalten. Die Gesetze werden immer zahlreicher und komplizierter, die ganze Arbeit bläht sich auf, ohne das am Ende wirklich mehr rauskommt.

Er zitiert dazu das Befragungsergebnis, wonach sich jede(r) dritte Beschäftigte nach der Arbeit "häufig leer und ausgebrannt" fühle, was auf die Dauer das Risiko für Burnout, Depressionen und Angststörungen erhöhe.

Kenne ich alles. War in Östereich zum Teil ganz schlimm. Einfach Dauerüberlastung.

Aber so ist das eben: die Elten und die Kinder teilen sich die gleichen Symptome.

Im Grunde ist das eine geschlossene Depressionskette. Das geht bei den Kindern und Jugendlichen los, geht dann bei den gut qualifizierten Leuten weiter und endet dann bei den vereinsamten Rentnern. Ich habe immer gesagt, die ganz oden und die ganz unten haben es am besten. Die von oben geben den Druck weiter und die ganz unten können nicht schneller und machen ihren Dienst nach Vorschrift. Und die in der Mitte, die rotieren...

Und warum?

Warum dieser ganze Aufwand? Na weil das Geldsystem zu immer mehr Wachstum zwingt und das geht nur mittels gesteigerter Absätzmärkte, mehr Produktivität, also mehr Arbeit pro Zeiteinheit, mittels gesteigerter Effizienz und Arbeitsverdichtung, also Kostensenkung dadurch, dass man statt 10 Leuten nur acht in der Firma hat, die aber dann unbezahlte Überstunden machen lässt. Und wenn sie es nicht machen, droht man mit Firmenpleite...

Eine permanent sich beschleunigende Megamaschine.

Das ist ein sich immer schneller drehendes Rad, aus dem immer mehr Menschen rausfallen, erst gar keine Lust haben, da einzusteigen, oder einfach merken, noch etwas schneller, und ich muss aufgeben. Und wenn es sich mal einbremst, purzeln rechts und links die Arbeitslosen raus...

Im Grunde ist es also wurscht, was man macht: entweder fällt man raus, weil es sich beschleunigt, oder weil es sich abbremst..

Irgendwelche Menschen fallen IMMER raus.

Man darf gespannt sein, wie das weitergeht.

Lauf, Forrest, lauf!!!

Maaz hat Recht: eine Leistungsgesellschaft ist eine kranke Gesellschaft.

Depressionen und Überlastungen sind die Symptome.

Sign o´the times...

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